Corona hat bekanntlich vieles durcheinander gewirbelt. Auch bei Wedding-Plannern. Sie hatten streckenweise gar nichts zu tun. Und es gibt Veränderungen, wie zwei Expertinnen berichten.
Während der Pandemie sind viele Hochzeiten geplatzt: Sei es wegen der Kontaktbeschränkungen, weil alles zu unsicher war oder das Brautpaar nicht auf Abstand und mit Maske feiern wollte. Also wurde während der vergangenen zwei Jahre verschoben und verschoben. Was hatte das für Auswirkungen auf für Wedding-Planner, deren Geschäft es ist, Paaren eine unvergessliche Hochzeit zu organisieren?
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„Achterbahnfahrt“, antwortet Jasmin Wille knapp. Die 35-Jährige aus Möhringen hat sich 2017 als Hochzeitsplanerin selbstständig gemacht. Rund 15 Hochzeiten betreut sie im Jahr – vor Corona. Waren ihre Auftragsbücher Anfang 2020 noch gefüllt, kam mit der Pandemie der Totalausfall. 2020 blieb ihr noch eine einzige Hochzeit, 2021 war es eine Handvoll, wie sie sagt. „Inzwischen sieht es ein bisschen besser aus.“ Nach einer langen Phase der Unsicherheit trauen sich wieder mehr Paare, ist ihr Eindruck. Dieses Jahr habe sie sogar ein paar mehr als vor Corona, „ich habe noch ein paar Altlasten.“
Hochzeit mit 120 Gästen am Wochenende
Doch Corona dürfte auch ein paar Veränderungen bewirkt haben. Dieses Wochenende zum Beispiel steigt eine von Jasmin Wille geplante Hochzeitsfeier, und das Brautpaar lässt sich nicht lumpen. 120 Gäste sind eingeladen, „es ist eine internationale Hochzeit“. Es sei festzustellen, dass sich die Paare mehr gönnen: ein Extra-Stockwerk auf der Hochzeitstorte, das bessere Stück Fleisch oder eben mehr Namen auf der Gästeliste als vor Corona. Normalerweise werde eine Hochzeit in Deutschland mit rund 70 Gästen zelebriert, so die Expertin.
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Allerdings zeichnet sich seit Corona auch ein gegenläufiges Phänomen ab: sogenannte Tiny-Weddings, also Mini-Hochzeiten. „Dieser Trend kam durch Corona auf“, weiß Wille von Kollegen.
Der Trend zur Tiny-Hochzeit
Dass Hochzeiten neuerdings kleiner aufgezogen werden, hat auch Josina Kaiser festgestellt. Sie ist eine Hochzeitsplanerin aus Filderstadt. Immer mehr würden heiraten wollen „ohne viel Tamtam“, hat die 34-Jährige beobachtet. „Der Trend geht zu kleinen Hochzeiten an einer Tafel.“ Oder aber man lade wenige Gäste auf ein Weingut nach Italien ein. Diese Entwicklung hat ihrer Einschätzung nach damit zu tun, dass man im Zweifelsfall weniger absagen oder verschieben müsse. „Da hängt ja so viel dran.“ Florist, Friseur, Deko, und so weiter. Das habe die Pandemie gezeigt. Anfangs hätten sich die Dienstleister wie Friseur, Fotograf und Festscheuerwirt großzügig gezeigt, doch irgendwann habe sich herausgestellt, „dass sich das nur die Großen leisten können“.
Vielen Paaren verging die Lust am Hochzeitsfest
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Eine durchschnittliche Hochzeitsfeier in Deutschland kostet um die 25 000 Euro, das sagen beide Hochzeitsplanerinnen. Jasmin Wille aus Möhringen übernimmt zwar auch Teilplanungen, wenn die Zeit knapp werde oder sich das Paar mit diesem oder jenem überfordert fühle, bei Komplettplanungen habe sie allerdings eine magische Grenze eingezogen: „Unter einem Budget von 18 000 Euro mache ich es nicht.“ Josina Kaiser, die seit 2017 Hochzeiten für andere plant, lebt dank des Einkommens ihres Mannes nicht von ihrer Agentur. In der Coronazeit habe sie Kinder bekommen, „die Pandemie kam geschäftlich gesehen nicht ungünstig“. Sie schenkte ihr eine Babypause.