Bereits 2010 entwickelte das Innenministerium Handlungsanleitungen für Autokorsos während einer Europa- oder Weltmeisterschaft. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Straßenblockaden, vereinzelte Schüsse: Ausufernde Hochzeitskorsos beschäftigen auch die Polizei in Baden-Württemberg. Braucht es einen Aktionsplan, um das Phänomen in den Griff zu bekommen? Die FDP meint Ja.

Stuttgart - Fast 100 Autokorsos hat die baden-württembergische Polizei in den vergangenen zwölf Monaten anlässlich einer Hochzeitsfeier registriert. Dabei wurden insgesamt 25 Straftaten begangen, unter anderem elf Verstöße gegen das Waffengesetz, fünf Nötigungen im Straßenverkehr und drei Straßenverkehrsgefährdungen. Jetzt fordert die FDP im Landtag von Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) als Unterstützung für die Polizei einen landesweiten Aktionsplan, der sich auch mit den sozio-kulturellen Ursachen für ausufernde Hochzeitsfeierlichkeiten befasst.

„Dieses Phänomen erreicht eine Größenordnung, die eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Thema erfordert“, sagte FDP-Innenexperte Ulrich Goll unserer Zeitung. Flankierend müsse Strobl das Thema auf die Tagesordnung der nächsten Innenministerkonferenz setzen.

Tatmotive für wilde Autokorsos unklar

In der Antwort auf seinen Antrag zum Thema nennt Strobls Staatssekretär Wilfried Klenk als Auslöser für Autokorsos große Fußballturniere wie Europa- und Weltmeisterschaften sowie Hochzeitsfeiern. Die Bewertung der Polizei richte sich grundsätzlich nicht nach dem Anlass, führt Klenk aus: „Autokorsos finden als Ausdruck der dem Anlass zugrunde liegenden Emotionen und aus unterschiedlicher Motivation statt“. Wissenschaftliche Studien zu ethnischen, religiösen, sozio-kulturellen oder ähnlichen Tatmotiven seien nicht bekannt.

Goll kritisiert diese Sicht als zu undifferenziert. Es sei „nicht hilfreich, wenn friedliche Autokorsos anlässlich von Fußball-Großereignissen mit den ausufernden Hochzeitsfeierlichkeiten kleinerer privater Gruppen in einen Topf geworfen werden“.

Strobl setzt sich für härtere Strafen ein

Bereits 2010 hatte das Innenministerium eine innerdienstliche Anordnung zum Umgang mit Fußball-Korsos erlassen. Diese könne auch auf sämtliche denkbaren Szenarien angewandt werden. Wegen der Aktualität des Themas hat das Polizeipräsidium Ludwigsburg zudem eine Handlungsanleitung für seine Beamten erarbeitet, die inzwischen allen Dienststellen im Südwesten zur Verfügung gestellt worden sei.

Im Mai dieses Jahres erörterten die Leiter der Verkehrspolizeidirektionen der regionalen Polizeipräsidien das Thema Hochzeitskorsos bei ihrer Jahresbesprechung mit dem Innenministerium. Dabei sei festgestellt worden, dass bei Straßenblockaden während Autokorsos landesweit konsequent eingeschritten werde und die Handlungsanleitungen ausreichend seien. Es sei daher nicht beabsichtigt, einen Aktionsplan zu erlassen, so Strobl. Stattdessen will er sich dafür einsetzen, den Bußgeldkatalog zu überarbeiten, um besonders gefahrenträchtige Verstöße künftig stärker sanktionieren zu können.

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