Fallen die Bäume, würde sich das Gesicht des Rheindamms nachhaltig verändern. Foto: dpa

Für die Sanierung des Rheindamms in Mannheim sollen mindestens 1000 Bäume gefällt werden. Eine Initiative hat 22 000 Unterschriften dagegen gesammelt.

Mannheim - Die Gegend am Rheindamm entlang des Waldparks im Mannheimer Süden gehört zu den schönsten und beliebtesten Naherholungsgebieten der Stadt. Bis zu 100 Jahre alte Bäume stehen auf und neben dem Damm und spenden Schatten für Radler und Spaziergänger. Doch die Idylle ist bedroht. Nach einer landesweiten Untersuchung gilt der Rheindamm als dringend sanierungsbedürftig. „In dem Programm zur Dammsicherung steht das Projekt ganz oben, die Sanierung hat höchste Priorität“, erklärt Irene Feilhauer, die Pressesprecherin des Regierungspräsidiums Karlsruhe (RP).

Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres soll das Planfeststellungsverfahren beginnen. Vor Kurzem hat die Behörde erste Details bekannt gegeben. Seitdem gehen die Wogen hoch. „Wir kämpfen um jeden Baum“, sagt Wolf Engelen, einer der Sprecher der Bürgerinteressengemeinschaft Lindenhof (BIG) und FDP-Bezirksbeirat des angrenzenden Stadtteils.

Initiative: Eines der schönsten Naherholungsgebiete wäre kaputt

Am Dienstag hat die Initiative dem Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) eine Petition mit 22 000 Unterschriften überreicht. Die Sanierung des Damms sei zwar zu begrüßen, heißt es. Die geplante Umsetzung aber „wäre nicht nur ein ökologisches Desaster, sondern würde auch eines der schönsten Naherholungsgebiete dauerhaft schädigen“. Denn nach der Sanierung wird nichts mehr so aussehen wie bisher. Die Pläne sehen vor, alle Bäume auf und neben dem Damm auf einem Streifen von 30 bis 55 Meter Breite und einer Strecke von 3,5 Kilometer Länge zu fällen. Um wie viele Bäume es geht, ist noch nicht klar. „Erst hat es geheißen, es seien etwa 1000 Bäume, dann, es seien 1000 dicke und viele weitere“, sagt Wolf-Rainer Lowack von der BIG.

Fest steht laut der RP-Sprecherin, dass auf einer Fläche von sieben Hektar alle Bäume entfernt werden sollen und fünf Hektar auf Dauer frei bleiben müssen, um den Damm stabil zu halten. Nur auf zwei Hektar dürften nach der Sanierung wieder Gehölze gepflanzt werden. Ziel sei es, den Damm für ein 200-jähriges Hochwasser zu ertüchtigen. Ein sogenanntes Breschen-Szenario habe ergeben, dass er, so wie er ist, „an jeder Stelle brechen“ könne und der Stadtteil Neckarau und Teile des Lindenhofs „innerhalb weniger Stunden bis zu vier Meter hoch überschwemmt werden könnten“. Nötig seien auch neue Wege, um im Notfall besser zum Damm zu gelangen.

Das Regierungspräsidium hält das Fällen für unumgänglich

Streit gibt es vor allem über die Frage, ob dafür alle vorgesehenen Bäume gefällt werden müssen. Laut dem RP führt daran kein Weg vorbei. Hochwasserkatastrophen an der Oder und der Elbe hätten gezeigt, dass Bäume „auf und nahe von Dämmen zu gefährlich instabilen Verhältnissen führen könnten“. Dem halten die BIG-Vertreter entgegen, andernorts gebe es Beispiele, bei denen Bäume und deren Wurzeln das Gegenteil bewirkt und Dämme stabiler gemacht hätten. Auch in Mannheim sei man bisher davon ausgegangen. Sie fordern deshalb ein unabhängiges Gutachten. „Die Bäume haben einen unschätzbaren Wert; eine Entscheidung von solcher Tragweite wie deren Fällung kann man doch nicht allein aufgrund einer DIN-Norm treffen“, meint Wolf-Rainer Lowack. „Auch anderswo wurden solche Kahlschläge schon verhindert, und die Dämme stehen sicher“, sagt sein Mitstreiter Wolf Engelen.

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