Hochwasser in Weissach – ein Bild aus dem Jahr 2007. Foto: Archiv

Jahrelang galt ein umstrittenes Dammprojekt in Weissach als politisch tot, ein großes Holzgerüst war das Symbol des Protests. Doch nun kehren die Pläne zurück und werden konkret.

Ein Holzgerüst war einst Objekt des Anstoßes in Weissach – oder vielmehr das, was es symbolisieren sollte. Gut ein Jahrzehnt ist es her, dass man in der Gemeinde am Strudelbach um den richtigen Weg in Sachen Hochwasser- und Starkregenschutz gerungen hat. Einen Damm im Strudelbachtal wollte die Gemeinde damals errichten, Pläne, gegen die massiv Protest laut wurde. Die Gegner – unter ihnen übrigens auch Gemeinderatsfraktionen – sammelten Unterschriften, produzierten Alternativvorschläge, die schließlich doch als nicht ausreichend deklariert wurden.

 

Und dann war da noch jenes Holzgerüst, dass die Damm-Gegner im Strudelbachtal errichteten, um die wuchtigen Dimensionen des Gebildes zu visualisieren. Erschrocken mag bei diesem Anblick damals schon der ein oder andere Weissacher gewesen sein. Und vielleicht lag es auch daran, dass die Pläne für einen Damm 2016 trotz aller Diskussionen vom Gemeinderat zwar durchgewunken und auch einige Standortvorschläge ausgearbeitet wurden, die Pläne anschließend allerdings doch wieder in der Schublade verschwanden. „Man hat mal ein Holzgerüst aufgebaut und dann war das Thema kommunalpolitisch so verbrannt, dass man es gar nicht mehr angegangen ist“, fasst es Bürgermeister Jens Millow in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats zusammen.

Hochwasserschutz in Weissach: Pläne für umstrittenen Damm wieder aufgenommen

Denn dort ist der Damm inzwischen wieder auf dem Tisch. Angetrieben von Flutkatastrophen wie im Ahrtal ist der Hochwasserschutz in den vergangenen Jahren in vielen Kommunen auf der Agenda wieder nach vorne gerückt. Auch in Weissach: Dort entstehen etwa Rückhaltemöglichkeiten in der Porschestraße, die die Wassermassen, die bei Starkregen die Hügel hinunterfließen, auffangen oder sicher in die Strudelbachverdolung ableiten sollen.

Starkregen ließ den Strudelbach, hier vor Weissach, zuletzt 2021 über seine Ufer treten. Ein Damm im Tal soll künftig ein Baustein diverser Hochwasserschutzmaßnahmen werden. Foto: Andreas Rosar Fotoagentur-Stuttg

Im Sommer 2024 hatte man außerdem auch wieder Planungen für einen Damm im Strudelbachtal aufgenommen. Die wurden inzwischen konkretisiert. Für einen Standort auf Höhe der Strudelbachhalle hatten sich Verwaltung und Gremium schon 2024 ausgesprochen. Hier erhofft man sich eine praktische Fußgängeranbindung an die Halle, die über den künftigen Damm ins Strudelbachtal führen soll..

Deutlich wurde seitdem aber, dass das Stauvolumen des Damms wohl ein wenig größer werden muss, als noch 2016 angedacht, nämlich knapp 31 000 statt 28 000 Kubikmeter. Entschieden hat man sich außerdem für ein sogenanntes ungesteuertes Becken, bei dem der Einstau dann beginnt, wenn der Zufluss größer ist als der Abfluss. Händisches Bedienen von Klappen oder Ventilen braucht es dann nicht. In dieser Variante würde der Damm, so geht es aus den Unterlagen hervor, rund 20 Zentimeter höher werden als bisher angenommen.

Vom neuen Damm in Eberdingen nicht abschrecken lassen

Geplant wird so mit einer Dammhöhe von insgesamt 6,9 Metern über dem Tal – also in etwa die Höhe, die einst das Holzgerüst im Strudelbachtal hatte. Im Gemeinderat wird heute trotzdem weitaus weniger hitzig diskutiert. Verängstigen solle man sich auch nicht von dem großen Damm in Eberdingen lassen, der gerade gebaut wird, betont Jens Millow. Denn der soll 265 000 Kubikmeter fassen – also viel mehr als der Damm in Weissach. „Die Bauphase sieht immer brachial aus.“ Und ein Holzgerüst? „So einen Unfug werden wir nicht machen“, sagt Millow. „Das wird ein Grashügel.“

Und bis der steht, kann es noch dauern: Gutachten, Förderungen, Genehmigungsverfahren, all das braucht Zeit. Ein fertiger Damm im Jahr 2028? Das wäre der „Optimalfall“.