Im Januar 2011 hat ein Hochwasser an der Murr – auch in Backnang – Sachschäden in Höhe von rund 27 Millionen Euro angerichtet. Foto: Stoppel/Archiv

Der Bund für Umwelt und Naturschutz in Backnang behaupten, die Stadt verstoße regelmäßig gegen das Wassergesetz. Jetzt beim Bau einer Mauer für den Hochwasserschutz. Die Stadt dementiert, das Landratsamts prüft.

Backnang - Ein gut gelaunter Andreas Brunold steht beim Parkhaus Stadtmitte am Ufer der Murr in Backnang und erzählt, nein, er prangert an. Wieder mal die Stadtverwaltung. Der Vorsitzende des örtlichen Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND) ist sich sicher: Der Backnanger Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) und seine Kollegen beim Baudezernat haben erneut gegen das Wassergesetz verstoßen. Brunold beißt an diesem glühend heißen Tag genüsslich in sein Eis am Stil und sagt: „Wir sind abermals rechtswidrigen Bauarbeiten in Backnang auf die Spur gekommen.“ Im Zuge des Baus der innerörtlichen Hochwasserschutzmauren habe die Verwaltung den gesetzlich vorgeschriebenen Gewässerrandstreifen von fünf Metern „missachtet und massiv überbaut“. Ein Weg am Ufer sei „massiv aufgeschüttet worden“, mit dieser Anhebung des vormals natürlich zur Murr hin abfallenden Geländes sei „in rechtswidriger Weise betächtlicher Retentionsraum zerstört worden“.

„Murr wird als reine Abflussrinne missbraucht“

Die Spundwände, die ins Erdreich gerammt worden sind, reichten bis weit unter die sogenannte Gewässersohl der Murr, was bei Hochwasser zu höheren Pegelständen und Fließgeschwindigkeiten führe. Der BUND geißelt das gesamte Konzept zum Hochwasserschutz. Die geplanten Pumpwerke, die Regenwasser in die Murr leiten sollten, trügen auch zu einem höheren Pegelstand des Flusses bei. Die Murr, sagt Brunold, werde „als reine Abflussrinne missbraucht“. Diese „unverantwortliche Planung“ gefährde Leib und Leben sowie das Eigentum von Anwohnern. Pikanterie am Rande: Ein Wohnhaus, das der Familie Brunold gehört, steht direkt an der Murr. Die Brunolds weigern sich bis dato, das letzte Stück Hochwasserschutz-Mauer auf ihrem Grundstück errichten zu lassen.

Hans Bruss, der Leiter des Backnanger Stadtbauamts, erklärt auf Anfrage, dass die Bauarbeiten am Murrufer „nichts wesentlich verändert haben". Die Stadt gehe davon aus, dass keine Retentionsfläche verloren gegangen sei. Die Spundwände reichten nur an einigen Stellen in die Grundwasser führenden Bodenschichten, deshalb sei nicht mit steigenden Pegelständen bei Starkregen zu rechnen. Die Stadt habe beim Landratsamt den Antrag gestellt, die Hochwassermauer auf dem Gelände der Familie Brunold errichten zu lassen, auch wenn sich die Grundstückseigentümer weiter dagegen wehren sollten.

Immer wieder Abweichungen von der ursprünglichen Planung

Laut Auskunft des Landratsamts komme es bei solchen Bauarbeiten immer wieder zu „Abweichungen von der ursprünglichen Planung“. Diese Planabweichungen würden dann vom Bauträger und dem Landratsamt besprochen und abgestimmt, diese Gespräche liefen zurzeit. Die Stadt Backnang habe jetzt die neuen Geländehöhen und jene vor den Bauarbeiten gemessen, diese Unterlagen würden jetzt vom Landratsamt geprüft. Der Weg, den die Kommune entlang der Hochwasserschutzmauer neu befestigt habe, sei nicht vorgesehen gewesen. Es bestehe aber die Möglichkeit einer nachträglichen wasserrechtlichen Genehmigung. Die vom BUND kritisierten Spundwände hätten „keine negativen Auswirkungen auf das Abfließen der Grundwasserströme“.

Brunold sagt mit Blick auf die Planungen des Wasserverbands Murr, dem Backnang angehört: Der Wasserverband Rems sollte das Vorbild sein. Entlang der Rems würden keine Mauern gebaut, sondern Rückhaltebecken. Zudem würde naturnaher Retentionsraum geschaffen, Gelände, das bei Hochwasser überflutet werden kann ohne Schäden anzurichten.

Kommunen investieren kräftig

Wasserverband
Backnang, Murrhardt, Sulzbach und Oppenweiler haben 2008 den Wasserverband Murr gegründet. Die Kommunen planen den Bau von fünf Rückhaltebecken für rund 25 Millionen Euro. Zudem sind innerörtlich Dämme, Mauern und Pumpwerke für rund 20 Millionen Euro geplant beziehungsweise bereits gebaut worden.

Hochwasser
Auf 27 Millionen Euro ist der materielle Schaden geschätzt worden, den das Hochwasser im Januar 2011 an der Murr und im Wieslauftal angerichtet hat. Die Ursache war ein Regentief, kombiniert mit der Schneeschmelze gewesen.

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