Der Gewitterregen am Mittwoch weckte bei einigen schlimme Erinnerungen. Das Wasser sammelte sich bereits auf der Straße. Foto: factum/

Mehrere Kommunen in der Glemsregion haben sich vor einigen Jahren für einen Hochwasserschutz zusammengeschlossen. Das Projekt ist inzwischen bundesweit beispielgebend. Aber den Kommunen ist das noch zu wenig. Sie wollen mehr. Deshalb haben sich die Glemsanrainer jetzt ein Arbeitsprogramm verordnet. 2020 soll das Ergebnis vorliegen.

Strohgäu - Die Erinnerung sitzt tief, nach Jahren noch. Die Bilder haben sich eingebrannt bei den Ditzingern, Gerlingern, Korntal-Münchingern und Schwieberdingern. An einem Sommertag 2010 flutete ein Wolkenbruch die Straßen und Äcker, drückte Gullydeckel hoch. Zig Keller standen in Minuten unter Wasser. Lager, Hallenböden, auch in Schulen, wurden zerstört oder wenigstens verdreckt – die Schäden gingen in die Millionen.

In der Folgeschlossen sich die Glemsanrainer und deren Nachbarn zusammen, um sich fortan gemeinsam vor Hochwasser zu schützen. Acht Kommunen schufen, wie sie selbst finden, ein Projekt mit Modellcharakter, das „in Deutschland eine Vorreiterrolle“ einnehme. So zumindest beschreiben sie die Initiative in einer Information für die Gemeinderäte. Doch zufrieden sind die Rathauschefs längst nicht: „Es wurde vieles erreicht, dennoch fehlen die entscheidenden Schritte, um das kommunale Risikomanagement nach Vorgabe des Landes abzuschließen.“

Ein Schutzwall für das Schulzentrum

Die Kommunen haben sich daher ein Arbeitsprogramm verordnet, um das Risiko für ihre Bürger zu minimieren, dass deren Hab und Gut abermals dem Hochwasser zum Opfer fällt. Ziel von Ditzingen, Gerlingen, Hemmingen, Korntal-Münchingen, Markgröningen, Leonberg, Schwieberdingen und Stuttgart ist es, bis zum Jahr 2020 ein „wirksames Starkregenmanagement“ zu etablieren. Dabei geht es vor allem darum, die Theorie – und nunmehr digitale Daten etwa zu Pegelständen – in die Praxis umzusetzen. Denn was nutzt es, wenn die Gewässer im Einzugsgebiet der Glems überwacht werden, die Anrainerkommunen über das Flut- Informations- und Warnsystem des Landes Frühwarnungen vor lokalen Hochwassern erhalten – aber daraus keine gemeinsamen Schlüsse ziehen? Deshalb soll jetzt ein „abgestimmtes Vorgehen beim Krisenmanagement“ erarbeitet werden.

Die Kommunen erhalten Checklisten, wie vorzugehen und untereinander zu kommunizieren ist. Außerdem sollen in allen Bauverwaltungen dieselben Informationen zum Hochwasserschutz vorliegen. Schließlich war bald nach den Unwettern klar, dass eine interkommunale Zusammenarbeit allein nicht ausreicht. Die Kommunen müssen auf ihrer Gemarkung aktiv werden, die Bürger selbst auch ihre Immobilien sichern. Die Ditzinger etwa gestalteten stellenweise das Gelände in der Glemsaue um, das Schulzentrum bekam einen zusätzlichen Schutzwall. Das Schutzbauwerk im Ditzinger Scheffzental hingegen ist nach wie vor ein Provisorium. Im Rathaus geht man inzwischen von einem Baubeginn Anfang des Jahres 2022 aus.

Das Hochwasserschutzkonzept der Glemsanrainer basiert auf Empfehlungen der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW). Mit dem Leitfaden soll im Land eine standardisierte Vorgehensweise für die Ermittlung von Gefahren und Risiken durch Starkregen geschaffen werden. Außerdem werden Tipps für Handlungskonzepte gegeben. Der Leitfaden richtet sich an Kommunen und Ingenieure. Die Strohgäu-Orte beauftragten das Heidelberger Büro geomer.

Starkregen zwei Jahre in Folge

Korntal-Münchingen war im Jahr 2009 vom Hochwasser massiv betroffen, ein Jahr später traf es vor allem Ditzingen, Gerlingen und Schwieberdingen. Nach dem heftigen Regen hatte hier wie dort die Kanalisation nicht mehr die riesigen Wassermengen aufnehmen können. Es gab aber auch nicht genügend Retensionsflächen längs der versiegelten Straßen oder in Wohngebieten, wo sich das Oberflächenwasser hätte sammeln können. Nahezu alle Wasserläufe im Strohgäu stiegen über die Ufer. Nicht zuletzt, weil viele davon in der Glems mündeten, stieg auch dieser Wasserlauf über die Ufer – und flutete die Anrainerkommunen. Die schlossen sich daraufhin zusammen.

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