Politiker und Beteiligte haben in Urbach symbolisch den Spaten geschwungen. Foto: Rudel

Sowohl im Remstal als auch im Wieslauftal hat es Spatenstiche einen besseren Hochwasserschutz gegeben. Über die weiteren Projekte gibt es noch Diskussionen.

Urbach/Ruderberg - Für den Hochwasserschutz im mittleren Remstal und im angrenzenden Wieslauftal bringt diese Juliwoche gute Nachrichten. Zwei Projekte, um die lange Jahre gerungen und viel geplant wurde, sind nun mit symbolischen Spatenstichen offiziell gestartet worden.

In Urbach wurde im Beisein des Staatssekretärs im Umweltministerium, André Baumann, der Bau des Rückhalteraums Urbach/Plüderhausen eingeläutet, der im Hochwasserfall 700 000  Kubikmeter Remswasser aufstauen kann. 16 Millionen Euro kostet das Projekt, knapp zwölf Millionen davon bezahlt das Land.

Das Rückhaltebecken in Oberndorf, mit dessen Bau ebenfalls in dieser Woche begonnen worden ist, soll indes vor allem das Wieslauftal, insbesondere die Orte Rudersberg und Schlechtbach schützen. Es wird fünf Millionen Euro kosten, 70 Prozent davon trägt das Land.

„Hundertprozentiger Schutz ist nicht machbar“

Die Hochwasserereignisse der vergangenen Jahre hätten eindrucksvoll vor Augen geführt, dass „wir die Gefahr, die von diesen Ereignissen ausgeht, nicht unterschätzen dürfen“, sagte Baumann. Das Land investiere jährlich 90 Millionen Euro in Maßnahmen, gemeinsam könne man viel erreichen, „auch wenn hundertprozentiger Hochwasserschutz nicht machbar ist – aus technischen und ökonomischen Gründen“, wie Baumann betonte.

Die Starkregenereignisse von 2016 machten bewusst, wie wichtig diese Arbeit sei, sagte der Rems-Murr-Landrat Richard Sigel. Als es im Ostalbkreis Überflutungen gab, hätten die Becken Reichenhof und Waldhausen die Welle abgefangen und die darunter liegenden Gemeinden geschützt.

In den Reden zum Spatenstich blitzte indes auf, dass die Umsetzung nicht ganz problemlos verlief. Im Januar 2005 habe der Wasserverband Rems die Planung beschlossen, doch dann gab es Widerstände aus Plüderhausen. „Wir waren niemals gegen das Becken“, sagte hingegen der Plüderhausener Bürgermeister Andreas Schaffer. Er sehe es „als wichtigen Baustein“ im Hochwasserschutz im Remstal. Schaffer dankte dem Schorndorfer Oberbürgermeister Matthias Klopfer für dessen vermittelnde Rolle und dem technischen Geschäftsführer des Wasserverbandes Hans-Peter Sieg für seinen fachlichen Sachverstand. Den Streit klärten letztlich Fachleute der Universität Karlsruhe, welche die Wirksamkeit des geplanten Rückhalteraums bestätigten.

Auch um den Rückhalteraum im Wieslauftal bei Oberndorf hatte es ein langes Tauziehen gegeben – dort war es die Dammform, welche die Gemüter erhitzte. Etliche Bürger hatten einen Querdamm gefordert, der weniger Flächen beansprucht hätte. Gegen den ersten Planfeststellungsbeschluss klagte eine Bauernfamilie. Anfang des Jahres bestätigte das Verwaltungsgericht Stuttgart aber die vom Wasserverband Wieslauf präferierte L-Form des Damms. Der Rudersberger Bürgermeister Martin Kaufmann verteidigte beim Spatenstich am Dienstag die Wirksamkeit des Hochwasserkonzeptes für die Wieslauf.

Neue Planungen im Wieslauftal

Dieses Konzept stand auch im Zentrum einer Informationsveranstaltung am Dienstagabend in der Miedelsbacher Tannbachhalle. Zwei mögliche weitere Vorhaben wurden dabei erkennbar. Den Schorndorfer Teilort Miedelsbach könnte ein 100 000 Kubikmeter fassendes Rückhaltebecken am Tannbach schützen, einem Nebenfluss der Wieslauf, von dem erhebliche Hochwassergefahr ausgeht. Damit, so sagte Herbert Schuck für den Wasserverband Wieslauf, sei im Tal der Schutz vor einem statistisch betrachtet alle 100 Jahre wiederkehrenden Hochwasser hergestellt. Das jedoch zog der Vorsitzende des Nabu Schorndorf, Wolfgang Bogusch, in Zweifel. Der Wasserverband Wieslauf plane nicht mit den neuesten Hochwassergefahrenkarten, weil man versuche, zuvor den Bau einer Umfahrungsstraße um Miedelsbach durchzusetzen. Der Schorndorfer OB wies dies zurück.

Und dennoch gibt es Vorüberlegungen für einen Rückhalteraum zwischen Haubersbronn und Miedelsbach, die der Geschäftsführer des Wasserverbands Rems, Hans Peter Sieg, überraschend zeigte. Dieser biete zusätzlichen Schutz, allerdings müsse der Wasserverband dafür seine Satzung ändern, die bisher den Bau von Dämmen in den Nebentälern ausschließe.

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