Das Gebiet Morgensand/Seelachen bei Urbach ist das letzte großflächige Schutzgebiet im Remstal und deswegen besonders im Fokus der Naturschützer. Foto: Stoppel (Archiv)

Seit Jahren streiten der Wasserverband und Naturschützer um ein geplantes Hochwasserrückhaltebecken zwischen Urbach und Schorndorf. Jetzt steht fest: Das Projekt im Naturschutzgebiet kann nicht wie angedacht gebaut werden.

Schorndorf - Das Gebiet Morgensand/Seelachen zwischen Urbach und Schorndorf ist das einzige großflächige Naturschutzgebiet im Remstal und eines der letzten seiner Art in der Region. Hier darf der Fluss noch wie vor hundert Jahren durch die Landschaft mäandern, umrandet von einem Auwald, den es in dieser Form im Remstal nicht mehr gibt. Daran schließen sich Flachland-Mähwiesen an, auch sie sind selten und geschützt. Bedrohte Tiere und Pflanzen finden dort eine Rückzugsmöglichkeit.

Das HRB 5 bei Urbach darf auf Basis der bisherigen Daten nicht gebaut werden

Um die Zukunft der 47 Hektar großen Fläche streiten sich seit einigen Jahren der Wasserverband Rems und Naturschützer. Denn mitten in das europäische Schutzgebiet hinein ist das Hochwasserrückhaltebecken (HRB) 5 geplant worden, mehr als eine Million Kubikmeter Wasser sollen dort bei Hochwasser eingestaut werden können. „Wir haben uns im Sommer und Herbst intensiv damit beschäftigt“, sagte Matthias Klopfer, Schorndorfs Oberbürgermeister und Wasserverbandsvorsitzender, bei einem Pressegespräch am Dienstag. Das Ergebnis: Auf der Basis der bislang vorliegenden Daten darf das HRB 5 nicht gebaut werden. Ein Planfeststellungsverfahren wird nicht angestrengt, die Planungen ruhen bis auf Weiteres.

Im letzten Frühjahr hatten wir das Gebiet mit Vertretern beider Seiten besichtigt:

Matthias Klopfer hat am Montagabend auch die Naturschutzbehörden sowie die Naturschutzorganisationen über die ­Entscheidung informiert. Dort ist die Erleichterung groß: „Wir sind mit dieser Entwicklung zufrieden und haben sicherlich unseren Teil dazu beigetragen“, sagt Wolfgang Bogusch, Vorstandssprecher des Nabu Schorndorf, auf Nachfrage.

Nabu Schorndorf hat für 40 000 Euro eine Alternative ausgearbeitet

Tatsächlich darf in ein solches europäisches Schutzgebiet nur eingegriffen werden, wenn es keine andere Alternative gibt. Der Nabu hat 40 000 Euro in die Hand genommen, um eine Alternative aufzuweisen: Eine Machbarkeitsstudie sowie ein technisches Gutachten zeigten laut Bogusch auf, dass ein Hochwasserrückhaltebecken direkt an der Wieslauf, zwischen den Schorndorfer Teilorten Miedelsbach und Haubersbronn, funktionieren würde. „Das Problem ist ja das Wasser aus der Wieslauf und nicht das Remswasser. Wenn das HRB 4 bei Plüderhausen fertig ist, sind Schorndorf und auch Remshalden bei einem hundertjährigen Hochwasser geschützt“, meint Bogusch, der zur Not eine Klage gegen die Pläne angestrengt hätte. „Wir werden auch weiterhin auf der Hut sein“, sagt er jetzt.

Erst soll neue Hochwasser-Gefahrenkarte für die Rems erarbeitet werden

Nicht nur wegen neuer Rückhaltebecken, sondern auch aus anderen Gründen entsprechen die bisherigen Hochwasser-Gefahrenkarten für die Rems nicht mehr dem aktuellen Stand. „Die derzeitigen Karten basieren auf einem Flussgebietsmodell aus dem Jahr 1997. Seit dieses Modell erstellt wurde, haben sich einige maßgebliche Methoden geändert“, erläutert Mischa Allgaier, der kaufmännische Geschäftsführer des Wasserverbands. Bis 2023 soll eine Neuberechnung angefertigt werden. In diese sollen auch neueste meteorologische Daten einfließen.

Erst wenn die neuen Hochwasser-Gefahrenkarten vorliegen, könne die Machbarkeit eines HRB zwischen Urbach und Schorndorf erneut geprüft werden, meint Matthias Klopfer. Bis dahin will der Wasserverband Rems allerdings nicht die Hände in den Schoß legen: Stattdessen wird die Planung des HRB 7 zwischen Winterbach und Remshalden vorangetrieben, eine Voruntersuchung soll gemacht werden. Kurz vor der Vollendung steht dagegen das neue Rückhaltebecken zwischen Plüderhausen und Urbach, das im April offiziell eingeweiht werden soll.

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