Ob die Flut im Ahrtal 2021 oder die Überschwemmungen in Niedersachsen und im Saarland in diesem Jahr – stets zählen Kräfte von Freiwilligen Feuerwehren aus dem Kreis Ludwigsburg zu den ersten Helfern. Das liegt nicht nur an der besonderen Ausrüstung.
„Die Herzlichkeit der Menschen war beeindruckend. Alle kamen mit Essen oder sogar Geldspenden“, sagt Volker Saussele. Der Besigheimer Feuerwehrmann war am Wochenende für 20 Stunden im Saarland im Einsatz und kämpfte gegen die Folgen des Hochwassers. Enorme Regenmengen hatten dort für Überflutungen, Erdrutsche und vollgelaufene Straßen und Keller gesorgt. Baden-Württemberg hatte sechs Hochwasserzüge mit jeweils fünf Fahrzeugen in die Region geschickt.
Einer dieser Züge kam aus dem Kreis Ludwigsburg. „Wir im Landkreis haben mit den beiden Abrollbehältern Hochwasser etwas bundesweit Einzigartiges“, sagt Kreisbrandmeister Andy Dorroch. Die exzellente Ausrüstung sei einer der Gründe, warum die Ludwigsburger Wehren bei Hochwassereinsätzen zu den ersten Helfern zählen. So können die Ludwigsburger einen mobilen Damm aufbauen, der 80 Zentimer hoch und fast einen Kilometer lang ist. „So etwas haben kommunale Wehren eigentlich nicht“, sagt Dorroch nicht ohne Stolz. Lob verteilt auch der Remsecker Kommandant Ingo Schiek: „Damit haben Andy Dorroch und der Landrat etwas Tolles angeschafft.“
Alarmierung um 3.30 Uhr
Beteiligt am Einsatz waren 20 Feuerwehrleute. Neben Kräften der Besigheimer Wehr waren auch Kollegen aus Bietigheim-Bissingen und Remseck am Neckar dabei. „Am Samstagmorgen gegen 4 Uhr haben wir telefonisch Bescheid bekommen, dass es zum Einsatz ins Saarland geht“, sagt Saussele. Dorroch hatte schon am Freitagabend eine Vorwarnung erhalten. „Die Alarmierung erfolgte dann um 3.30 Uhr. Das ist schon ungewöhnlich“, sagt Dorroch. Aber auf die Wehren aus dem Kreis Ludwigsburg könne sich das Innenministerium verlassen. So war es kein Problem, die 20 Leute zusammenzutrommeln. „Ich habe gesagt, sie sollen sich Material für fünf Tage mitnehmen“, erzählt Kreisbrandmeister Dorroch. Keine drei Stunden nach der Alarmierung brach der Tross vom gemeinsamen Treffpunkt bei der Bietigheimer Wehr in Richtung Saarland auf.
20 Stunden im Einsatz
Dort ging es dann nach der dreistündigen Anfahrt gleich an die Arbeit: Aus Kellern, Garagen und Firmenkomplexen musste das Wasser herausgepumpt werden. Am frühen Sonntagmorgen, nach 20 Stunden im Einsatz, ging es wieder zurück. „Körperlich anstrengend war der Einsatz jetzt nicht, aber ich wollte mir vor allem die Organisation mal aus der Nähe angucken“, sagt der Besigheimer Feuerwehrmann Saussele. Und das habe alles bestens geklappt. Das bestätigt Andy Dorroch. Herausfordernd sei in einem solchen Szenario vor allem die Koordinierung der Einsatzkräfte. „Die steigende Zahl solcher Einsätze führt auch zur Verbesserung der Abläufe“, sagt Volker Saussele. Seit der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal sei die Länderzusammenarbeit nochmals optimiert und ausgebaut worden, sagt Innenminister Thomas Strobl dazu. So könne im Ernstfall noch schneller und zielgerichteter reagiert werden.
Dass die Abläufe optimiert werden, weil die Zahl der Hochwassereinsätze zunimmt, sieht auch Dorroch. Es sei nicht zu leugnen, dass Starkregenereignisse zunähmen. Saussele, der auf 35 Jahre in der Feuerwehr zurückblickt, kann sich nicht an eine Zeit wie die letzten Jahre erinnern, als die Wehr mit dem Ahrtal, dem Hochwasser in Niedersachsen und jetzt im Saarland so häufig zur Überlandhilfen ausgerückt wäre. „Wenn bei uns mal ein Hochwasserereignis ist, können wir nun auf erfahrene Kräfte bauen“, ist sich Ingo Schiek sicher. Für Dorroch ist die häufig angeforderte Hilfe auf der einen Seite ein Beweis für die gute Arbeit, die im Kreis geleistet wird: „Andererseits basiert unser System zu 100 Prozent auf dem Ehrenamt. Wir müssen im Blick behalten, dass wir die Leute nicht überstrapazieren.“ Der Kreisbrandmeister schiebt aber nach, dass ihm kein Fall bekannt sei, in dem ein Feuerwehrmitglied wegen der Belastung seinen Ausstieg verkündet hätte.
Dass man drei Stunden nach einer Alarmierung in der Nacht 20 Einsatzkräfte für einen potenziell mehrtägigen Einsatz in einem anderen Bundesland zur Verfügung habe, sei keine Selbstverständlichkeit. Wer bei der Feuerwehr mitmache, wisse in der Regel, worauf er sich einlasse.
Für Frank Wallesch, Kommandant in Bietigheim-Bissingen, sind solche Einsätze wie nun im Saarland grundsätzlich kein Problem für seine Ehrenamtlichen. „Wenn wir ein bisschen früher Bescheid wüssten, wäre es super“, sagt er mit Blick auf die Alarmierung mitten in der Nacht. In Bietigheim-Bissingen will man nach dem dritten Überlandeinsatz dieser Art innerhalb von drei Jahren nun aber intern noch einmal abfragen, wer in einem solchen Fall zur Verfügung steht. „Wenn wir eine Liste mit 15 Leuten haben, können wir auch die Belastung steuern und dafür sorgen, dass nicht immer die Gleichen mitfahren müssen“, sagt Wallesch.
Hochwasserlage im Kreis Ludwigsburg
Überlandhilfe
Während Hochwasserexperten aus dem Kreis Ludwigsburg im Saarland im Einsatz waren, war der Landkreis nicht schutzlos, wie Kreisbrandmeister Andy Dorroch versichert. Für die Überlandhilfe steht in einem solchen Fall nur einer der beiden Abrollbehälter Hochwasser bereit. „Wenn die Lage bei uns nicht entspannt ist, schicken wir natürlich nicht alles weg“, sagt Dorroch.
Pegelstände
Als angespannt aber nicht dramatisch bezeichnet der Kreisbrandmeister die Situation im Landkreis. Im Bottwartal schaue man genau auf die Entwicklung auch auf die Kapazitäten der Rückhalteflächen. „Wenn es einen Monat so weiterregnet, hätten wir schon Probleme, aber noch müssen wir uns hier vor Ort keine Sorgen machen“, sagt Dorroch.