Im Kreis Ludwigsburg gab es vergleichsweise wenig Hochwasserschäden. Das liegt an den Hochwasservorkehrungen, an den Rettungskräfte und dem guten Zusammenhalt. Ein Blick zurück zeigt, dass man aus dem Hochwasser auch Optimismus schöpfen kann.
Unsere Redaktion hat Kreisbrandmeister Andy Dorroch zwischen Samstag und Montag ein Dutzend Mal angerufen, immer war er zur Stelle und gab geduldig Auskunft über die aktuelle Hochwasserlage. Nur einmal war er nicht zu erreichen, am Montagmittag nahm seine Frau den Anruf entgegen. „Der hat sich gerade mal eine Stunde hingelegt“, sagte sie, man solle es später noch mal versuchen. Kurze Zeit später rief Dorroch zurück, wieder im Auto, unterwegs zu den vom Hochwasser betroffenen Orten.
Diese Anekdote ist vielleicht nicht überraschend, sie ist aber sinnbildlich für die Arbeit des Bevölkerungsschutzes im Landkreis Ludwigsburg. Feuerwehr, DLRG, THW, Rettungsdienste und Behörden waren drei Tage lang auf den Beinen, nicht hektisch, sondern mit der notwendigen Gelassenheit. Neben der Zerstörung und der Unsicherheit, hat das Hochwasser gezeigt, dass die gesamte Gesellschaft im Landkreis mit Mut auf Katastrophen reagiert – nicht mit Furcht.
Egal wo wir Reporter an den Hochwassertagen unterwegs waren, überall berichteten Betroffene, dass die Rettungskräfte sofort und mit vollem Einsatz geholfen hätten. Beispielsweise in Hoheneck, wo der Betreiber des Uferstübles die Feuerwehr gerufen hatte, die schon kurze Zeit später auftauchte, um den Keller auszupumpen. Oder in Walheim, wo der Baumbach Teile des Ortes überflutete. Obwohl das Wasser innerhalb von Minuten die Gärten und Keller flutete, waren die Einsatzkräfte gleich zur Stelle, berichteten die Anwohner. In verschiedenen Ecken des Landkreises lobten die Menschen zudem die Fortschritte im Hochwasserschutz. Die Baumbach-Flut und das Hochwasser der Flüsse hätten viel größere Schäden anrichten können, wären Dämme nicht verstärkt, Auslaufbereiche nicht erweitert und Regenrückhaltebecken nicht gebaut worden.
Auch die Behörden machten während des Hochwassers einen engagierten Eindruck. Der Ludwigsburger Landrat Dietmar Allgaier war während der drei Hochwassertage im gesamten Kreis im Dauereinsatz, machte sich ständig ein Bild von der Lage und informierte die Presse regelmäßig über den neuesten Stand. Doch auch die Rathausmitarbeiter und die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden waren im Einsatz. Selbst ein Bürgermeister, der noch gar nicht im Amt ist. Jan Hambach, der erst in den kommenden Wochen in das Freiberger Rathaus einzieht, war laut Aussage mehrerer Passanten mit seinem Feuerwehrkommandanten unterwegs.
Besonders beeindruckend war jedoch die Reaktion der Bürgerinnen und Bürger. Egal ob Ruderverein Marbach, Biergarten-Betreiber oder Flutopfer in Walheim: Es wurde weder geklagt noch gemeckert, stattdessen wurden die Ärmel hochgekrempelt und mit angepackt. Als eine Art „Aufbruchstimmung“, beschrieb es Landrat Allgaier.
Der Landkreis Ludwigsburg sollte sich auch positive Erinnerungen an das Hochwasser 2024 behalten. Die Erinnerung an eine besonnene Reaktion auf die Katastrophe, an gelungene Nachbarschaft und aufopferungsvolle Rettungskräfte, die nach dem ersten Schläfchen seit Tagen direkt die Presse zurückrufen.