In den vom Hochwasser besonders belasteten Orten sieht man bereits Fische, die es auf Äcker, Wiesen oder Radwege getrieben hat. Auch in und rund um Stuttgart könnte dies bald passieren.
Mehr als zehn Kilo schwere Fische schwimmen auf Radwegen, kleinere Wassertiere tummeln sich auf überfluteten Äckern und in Wiesen: Aus den vom Hochwasser besonders belasteten Orten gibt es bizarre Fotos: Freiwillige bringen dort mitunter riesige Fische zurück in ihre ursprünglichen Gewässer.
Auch in Stuttgart und Region könne man davon ausgehen, dass durch die immensen Regenfälle Fische an Land kommen, sagt Hilmar Grzesiak, Fachbeauftragter für Fische beim Naturschutzbund (Nabu) in Baden-Württemberg. Dies könnte vor allem neben dem Neckar, aber auch rund um kleinere Flüsse, Bäche, Seen und Teiche der Fall sein.
Andere Tiere fressen die verendeten Fische meist schnell
Das Ausmaß werde man erst dann erkennen, wenn das Wasser langsam zurückgehe und die Fische zu gammeln beginnen, sagt Grzesiak: „Dann stinkt es.“ Allerdings rechnet er nicht mit von toten Fischen übersäten Wiesen, Äckern und Flussauen, „das wird sich verteilen“. Zudem würden in der Regel schnell andere Tiere wie Störche, Fischreiher oder Füchse auf die verendeten Fische aufmerksam. „Die haben dann Glück.“ Bedeutet: Sie fressen die angespülten Fische auf.
Für Fische sei Hochwasser „schlicht und einfach eine Katastrophe“, erläutert Hilmar Grzesiak. Wenn durch starke Regenfälle die Strömung in einem Fluss zunehme, versuchten die Tiere anfangs noch, sich in sichere Gefilde zu verdrücken, also etwa in Seitenarme oder stillere Abschnitte des Flusses. Aber bei dem Regen der vergangenen Tage hätten die Fische keinerlei Chance mehr, „da wird alles flussabwärts getrieben“, erklärt er. Und nach so einem Hochwasser wie derzeit dauere es locker 15 Jahre, bis die „alte Verteilung“ der Tiere in einem Gewässer wieder hergestellt sei.
In Esslingen bewusst Neckar-Kanäle geflutet
Um eine Überschwemmung der historischen Altstadt und ein Fischsterben zu vermeiden, wurden in der Esslinger Innenstadt beim kurzfristigen Bau eines Damms in der Nacht auf Montag bewusst die Seitenkanäle des Neckars mit Wasser geflutet. Denn bereits 2013 wurde dort schon einmal ein Damm gebaut. Doch als in den Kanälen in der Innenstadt das Wasser fehlte, starben die Fische. Deshalb wurde dieses Mal eine Art Bypass gelegt: Mit vier riesigen Pumpen wurde so viel Wasser wie möglich hinter den schützenden Damm in das austrocknende Wasserbett gepumpt, um eine Mindestwassermenge für die Fische bereitzustellen.
Der Fisch-Experte vom Nabu hält dies für „absolut sinnvoll“. An solchen Beispielen zeige sich, wenn Experten der Feuerwehr mit Naturschützern und Anglern zusammenarbeiteten, lobt er, „so kann man Kleinkatastrophen abmildern“.
Manchmal kann ein Hochwasser Fischen auch helfen
Solange ein Hochwasser nicht ganz so extrem sei wie das aktuelle, kann dies übrigens auch positive Aspekte für Fische mit sich bringen: Durch die starke Strömung werde im Flussbett der Kiesboden vollständig durchgespült und verschoben, erläutert Hilmar Grzesiak. Danach sei dieser sehr sauber und ein optimaler Lebensraum für beispielsweise Forellen, die dort ablaichen und ihre Eier vor Strömung schützen können. Zumindest so lange, bis das nächste Hochwasser kommt.