Die Ortschaft Jablanica in Bosnien-Herzegowina ist überflutet – auch die Moschee steht fast komplett unter Wasser. Foto: Armin Durgut/AP/dpa/Armin Durgut

Mindestens 18 Menschen haben beim Hochwasser in Bosnien-Herzegowina ihr Leben verloren, viele werden vermisst. Kaum absehbar sind die wirtschaftlichen Schäden.

Von Erdrutschen verschüttete Häuser und Dörfer, von den Hochwasser- und Schlammmassen unterspülte Bahndämme und zerstörte Überlandstraßen: Auch zwei Tage nach der Hochwasserkatastrophe in Bosnien und Herzegowina ist die Anzahl der bisher 18 Todesopfer wegen der zahlreichen Vermissten noch immer ungewiss - und der Umfang der wirtschaftlichen Schäden in dem angeschlagenen Balkanstaat kaum absehbar.

 

Auch am Sonntag suchten Rettungskräfte und Anwohner an der Neretva in den verwüsteten Ortschaften der Regionen Jablanica und Konjic fieberhaft nach weiteren Opfern – auch ohne große Hoffnung auf weitere Überlebende. Sie und ihr Sohn hätten die Katastrophe überlebt, berichtete in dem von einem Erdrutsch verschütteten Dorf Donja Jablanica weinend die Rentnerin Mirsada Tufek: „Aber unsere Nachbarn, Verwandte – es gibt es sie nicht mehr. Ich hoffe, dass man sie findet, damit wir sie wenigstens beerdigen können.“

Die spektakuläre Flusslandschaft in der Neretva-Schlucht zählt eigentlich zu einer der malerischsten Passagen bei der Fahrt von der Hauptstadt Sarajevo nach Mostar und weiter zur Adria. Doch nicht nur ungewohnt heftige Niederschläge verwüsteten in der Nacht zu Freitag die populäre Ausflugsregion. Gegen 1.30 Uhr überraschte die Bewohner von Donja Jablanica ein gewaltiger Erdrutsch samt einer plötzlichen Flutwelle im Schlaf. „Tausende von Kubikmeter rollten auf uns zu. Den Leuten blieb nicht einmal Zeit aufzustehen,“ berichtete Dzenan Imamovic. Vier der fünf Häuser seiner Familie seien zerstört, neun Angehörige getötet worden: „Wir haben alles verloren.“

Allein in dem von einer enormen Gerölllawine verschütteten Dorf wurden mindestens 13 Menschen getötet – und werden nach Schätzungen noch zehn bis 15 Menschen vermisst. Die hohe Opferzahl erklären Anwohner und Regierungspolitiker des bosniakisch-kroatischen Teilstaats der Föderation auch mit einem Steinbruch, der seit Ende des Bosnienkriegs (1992-1995) offenbar illegal oberhalb des Dorfes betrieben wurde.

Dem Balkanstaat droht ein Verkehrs- und Transportkollaps

Erst hätten die Niederschläge die Abbaugrube volllaufen lassen. Und als deren 20 Meter hoher „Damm“ gebrochen sei, habe sich eine tausende von Tonnen schwere Geröll-, Schlamm- und Wasserlawine über das Dorf ergossen.

Nicht nur in dem Vielvölkerstaat, sondern auch bei den ex-jugoslawischen Nachbarn hat die Hochwasserkatastrophe eine ungekannte Hilfswelle ausgelöst. Allein Kroatiens Regierung hat 10 Millionen Euro an Soforthilfe zur Verfügung gestellt. Rettungskräfte wurden auch von Serbien, Nordmazedonien und Montenegro entsandt.

Doch der labile Vielvölkerstaat dürfte auch an den Folgeschäden zu knabbern haben: Die durch das Neretva-Tal laufende Bahnlinie und Fernstraße von Sarajevo und Mostar sind lahmgelegt. Dem Balkanstaat droht ein Verkehrs- und Transportkollaps.