In Miedelsbach zeigt sich das große Ausmaß der Schäden Foto:  

Bei einem Vorort-Besuch hat sich die baden-württembergische Umweltministerin Thekla Walker einen Eindruck von den Schäden des Hochwassers im Rems-Murr-Kreis gemacht. Landrat Richard Sigel hat ein kreisübergreifendes Spendenkonto eingerichtet.

Das große Ausmaß der Schäden wird sichtbar: Entlang der Gehwege türmen sich Holz, Möbel und Hausrat. „Das ist alles aus unserem Keller. Er befindet sich sozusagen jetzt im Rohbau“, sagt eine Frau in Miedelsbach. Gegenüber steht eine Garage offen, man sieht Schlamm, gestapelte Säcke. Wenige Schritte weiter liegen ein Auto und ein Wohnwagen, die vom Wasser ineinandergeschoben wurden.

 

Bei einem Vorort-Besuch hat sich die baden-württembergische Umweltministerin Thekla Walker am Dienstag einen Eindruck von den Schäden des Hochwassers und des Starkregens gemacht – in Winterbach und in dem Schorndorfer Teilort Miedelsbach. Mittendrin in Miedelsbach steht Schorndorfs Oberbürgermeister Bernd Hornikel. „Was brauchen die Leute hier wirklich? Wie können wir unterstützen?“ – das seien die Fragen, denen er vor Ort nachgehe, sagt der OB. Man unterstütze dabei, den Müll wegzubekommen. In diesem Moment fahren Lastwagen vorbei, aufgeladen mit Dingen aus den Kellern und Häusern, die durch das Hochwasser zu Unrat wurden.

Hornikel lässt im Beisein der Umweltministerin die Dramatik der vergangenen Tage Revue passieren. „Eigentlich waren wir relativ entspannt, was die Hochwasserlage anging, wir hatten noch genug Stauraum“, sagt er. Doch dann kam die Gewitterzelle, die sich über dem Wieslauftal mit unglaublichen Wassermassen ergoss. „Miedelsbach geht unter“ – diese Meldung hätte ihn zu Hause dann plötzlich erreicht. „Es musste priorisiert werden, es ging um Leben, nicht um Sachwerte“, betont Hornikel die Dramatik der Lage.

Die Kombination von Hochwasser und Starkregen brachte die Katastrophe

Vor allem die Kombination aus Hochwasser und Starkregen hätte dieses Unglück ausgelöst. „Es waren etwa 40 Minuten von der Bildung der Gewitterwolke bis zur Katastrophe“, sagt Bernd Hornikel. Besonders schlimm sei für ihn und die Retter, dass es trotz allen Einsatzes zwei Todesfälle gegeben hat. „Ein Schlag ins Gesicht.“ Der Besuch der Umweltministerin und Regierungspräsidentin Susanne Bay wird von einem Tross aus Behördenvertretern, Lokalpolitik und Medien begleitet. „Wann bekommen die Leute wieder Strom?“, fragt eine Helferin den Oberbürgermeister. Es sei vorgesehen, dass die Stadtwerke noch am Dienstag Miedelsbach wieder mit Strom versorgen. Er verweist auch auf die Hotline, die die Stadt Schorndorf eingerichtet hat. Wer Hilfe benötigt oder helfen möchte, könne sich unter der Telefonnummer 0 71 81 / 6 02 60 11 melden.

Der Miedelsbacher Ortsvorsteher Thomas Rösch macht mit einer Handbewegung etwa auf Schulterhöhe deutlich, wie hoch das Wasser des Tannbachs reichte, der am Dienstag wieder weit in sein Bachbett zurückgekehrt war. „Es kamen Bäche durch den Ort, so etwas haben wir noch nie gesehen“, sagt Rösch. Man spürt, der Schock der Fluten sitzt den betroffenen Menschen noch in den Knochen. Oder wie Hornikel einen anderen Augenzeugen zitiert: „Eine Kippe später kam ein Auto vorbeigeschwommen.“

OB Hornikel: „Wir müssen aus der Katastrophe lernen“

Hornikel schildert auch eine Szene, als die Brücke am Röhmareal zu schlingern anfing. Es waren unglaubliche Naturgewalten. „Wir müssen aus der Katastrophe lernen“, sagt der OB. Beispielsweise müsse man über die Kommunikationskanäle nachdenken. Im Schorndorfer Norden hätte sich ein anderes Bild gezeigt, das habe mehr einer normalen Hochwasserlage entsprochen.

Auch Winterbachs Bürgermeister Sven Müller lässt am Wehr die vergangenen Tage Revue passieren. „Ich hoffe, dass ich so eine Zeit nicht mehr erleben muss“, sagt er. Es käme einem Drehbuch eines Hollywood-Blockbusters gleich, mit einem Happy End für Winterbach und die darunterliegenden Orte im Remstal. Denn das Rückhaltebecken war der neuralgische Punkt. „Der Peak war zwischen 6 und 8 Uhr“, sagt Müller. Viele Experten, auch der ehemalige Ingenieur, seien einbezogen worden in die Entscheidungen. Und immer im Einsatz war auch Stauwärter und ehemaliger Feuerwehrkommandant Eugen Hetzinger. 2019 sei das letzte Hochwasserbecken eingeweiht worden. „Leider ist seitdem nichts mehr passiert“, sagt Müller. Das gehe nur mit zusätzlichem Geld, damit man beim nächsten Hochwasser nicht „tausend Schutzengel“ brauche.

Die Umweltministerin zeigt sich beeindruckt, wie gut das Gemeinwesen in der Flut funktioniert habe: „Das Zusammenspiel der Kräfte ist gut gelungen.“ Sie verweist auf schnelle Notfallhilfe, wie sie es in Braunsbach gegeben habe. Es gebe Regelungen, wie Geschädigte schnell und unbürokratisch Hilfe zuteilwerden könne. Das jedoch laufe nicht über sie, sondern über das Finanz- und das Innenministerium. Aber man müsse auch über eine Elementarschadenversicherungspflicht sprechen angesichts der zunehmenden Folgen des Klimawandels.

Ein Spendenaufruf für die Hochwasseropfer

Landrat Richard Sigel verwies ebenfalls auf den Start des Spendenaufrufs mit Landkreis und Region. Landkreis und Kreissparkasse haben ein Spendenkonto eingerichtet. Als Startsignal hatte die KSK Waiblingen 50 000 Euro gegeben.

Die Kontodaten: Spendenkonto Hochwasser DE72 6025 0010 0015 2229 14