Die Bewohner des Kleeblattheimes werden in andere Heime gebracht. Auch die Riedhalle wird genutzt. Foto:  

Bewohner des Gebiets nahe der Murr harren einige Stunden in der Riedhalle aus und werden vom DRK versorgt. Dann fallen endlich die Pegel und sie können zurück.

Montagmorgen, 6.30 Uhr. Eine Abordnung der Feuerwehr Möglingen checkt die Lage an der Steinheimer Murrbrücke. Für den Laien sieht es nicht allzu dramatisch aus, aber die Profis wissen, dass sich die Situation ruckzuck ändern kann. „Im Remstal ist es teilweise schlimm und das kann dann auch hierherkommen“, erklärt ein Feuerwehrmann einer Anwohnerin, die etwas ratlos am Ufer steht. Vor ein paar Minuten hat die Feuerwehr per Lautsprecher über die „bedrohliche Lage“ informiert und gebeten, die Anweisungen der Kollegen zu befolgen und Kellerräume zu meiden.

 

Die Senioren tragen die Aufregung mit Fassung

Ein paar Meter weiter im Kleeblatt herrscht ein für diese Zeit ungewöhnliches Treiben. Der erste Bus des Landkreises steht schon am Eingang parat. Er wird die erste Fuhre der 25 Heimbewohner in das Kleeblattheim nach Murr bringen. Sie nehmen die Aufregung größtenteils mit Fassung – zumindest nach außen. „Jetzt machen wir einen kleinen Ausflug“, sagt eine Dame, die in den Bus begleitet wird. Insgesamt werden am Montagmorgen 58 Kleeblatt-Bewohner und 40 Bewohner des ASB-Pflegeheims, das nur eine Straße entfernt ist, mitgenommen.

Währenddessen klingeln die Mitarbeiterinnen des ambulanten Dienstes die Bewohner im Betreuten Wohnen im ersten und zweiten Obergeschoss aus den Betten. Einige sind von der Durchsage der Feuerwehr schon wach geworden, andere nicht. Hier ist die Unsicherheit deutlich größer. Auf dem Gang im ersten Stock unterhalten sich zwei Damen – die eine hat schon die Tasche gepackt und geht zu einer Freundin, die andere will nicht aus ihrer Wohnung. Doch genau das wird empfohlen. Allerdings: Solange der Katastrophenfall nicht ausgerufen ist, bleibt es bei einer Empfehlung. Die Entscheidung, ob sie ihr nachkommen, müssen beziehungsweise können sie selbst treffen.

Getränke und Brötchen in der Riedhalle

Wer keinen Platz hat, an dem er Unterschlupf findet, kann sich in die Riedhalle bringen lassen. Die hat die Stadt bereits hergerichtet. „In der Blankensteinhalle finden gerade Realschulprüfungen statt, deshalb die Riedhalle“, erklärt Bürgermeister Thomas Winterhalter, der die zweite Nacht hintereinander auf den Beinen ist.

In der Riedhalle gibt es Getränke, Hefezopf und belegte Brötchen für die Menschen. Sie sitzen an mehreren Tischen, unterhalten sich oder spielen Mensch-ärgere-dich-nicht. Nicht nur die Senioren aus den beiden Heimen sind da, auch einige Anwohner aus den vom Hochwasser gefährdeten Straßen. Mandy Pohl etwa, sie ist mit ihren beiden Kindern hergekommen. „Falls es zur Evakuierung kommen sollte, muss alles sehr, sehr schnell gehen. Da sind wir lieber selbst hergekommen und überlassen die Plätze im Bus den Älteren“, sagt die 42-Jährige.

So weit soll es aber nicht kommen. Als am Mittag die Pegelstände sinken, werden alle Nina-Warnungen für den Landkreis zurückgenommen. Für die Bewohner der Pflegeheime und des Betreuten Wohnens bedeutet das die Rückkehr in ihre Zimmer beziehungsweise Wohnungen. Ebenso für die Bürger, die selbst zur Riedhalle kamen.

Auch wenn am Morgen keine Panik ausgebrochen war, so ist die Erleichterung und Freude über die Rückkehr doch deutlich zu spüren. Auch bei Thomas Winterhalter. Der Aufwand sei groß gewesen, doch die Vorsicht zum Schutz der Menschen habe immer Priorität. Aus Vorsicht blieb am Montag auch der Kindergarten Sudetenstraße zu.

81 Einsatzkräfte von Feuerwehr und DRK stemmen die Evakuierungen der Heime. „Der Großteil ist aus Steinheim, aber wir haben auch Unterstützung aus den umliegenden Orten“, sagt Thomas Winterhalter.