Der Kandelmarsch in Esslingen ist unter anderem auch ein Zeichen der Wertschätzung. Er soll die Identifikation von Studenten mit der Stadt stärken. Foto: Ines Rudel/Archiv

Hochschulstädte in der Region gehen unterschiedliche Wege, um junge Leute anzusiedeln. In Ludwigsburg wird jetzt ein Rabattsystem eingeführt.

Esslingen - Nürtingen, Esslingen, Ludwigsburg – in all diesen Städten in der Region gibt es Hochschulen. So unterschiedlich die Studienangebote sind, so stehen doch alle Standorte vor demselben Problem: Wie gelingt es, Studenten an die Städte zu binden?

Zum einen geht es darum, dass junge Männer und Frauen ihren Hauptwohnsitz an ihrem Studienort anmelden. In Nürtingen war zunächst die Einführung eines Begrüßungsgelds diskutiert worden. Stattdessen wurde vor acht Jahren eine Zweitwohnungssteuer eingeführt, um vorrangig Studenten zu bewegen, ihren Hauptwohnsitz in Nürtingen anzumelden. Denn je höher die Einwohnerzahl, desto höher die Einnahmen aus dem kommunalen Steuerausgleich. Seit der Einführung dieses Instruments haben knapp 400 Einwohner ihren Meldestatus von Nebenwohnsitz auf Hauptwohnsitz gewechselt. Das entspricht einem Prozent der Nürtinger und rund sieben Prozent aller Studierenden.

Studenten bekommen in Ludwigsburg Rabatte

Eine neue Erstwohnsitz-Kampagne probiert jetzt Ludwigsburg zum Sommersemester aus. „Studierende Willkommen“ heißt die Idee, mit der Studenten in die Stadt gelockt werden sollen. Von April an erhält jeder Student eine „Stuwi-Card“. Über diese digitale Karte gibt es Rabatte bei Ludwigsburger Händlern, Einrichtungen und Vereinen. Wer dann noch seinen Erstwohnsitz in der Barockstadt anmeldet, bekommt von der Stadt als zusätzliches Bonbon 200 Euro gutgeschrieben, die ebenfalls bei den beteiligten Partnern einzulösen sind. Der Hintergrund ist der, dass die meisten der an den verschiedenen Hochschulen eingeschriebenen gut 10 000 Studenten nicht in Ludwigsburg gemeldet sind. Das Gros kommt aus dem Umland und pendelt häufig täglich.

Ein wichtiger Faktor ist preisgünstiger Wohnraum, der derzeit überall in der Region Mangelware ist. Denn teure Mieten stellen eine hohe Barriere dar. In Esslingen hat sich die Situation für Studenten insofern entspannt, als in den vergangenen Jahren neue Wohnheime errichtet worden sind. Laut Roland Karpentier, dem Sprecher der Stadt Esslingen, ist dadurch die Warteliste auf Wohnheimplätze merklich kürzer geworden. Gar keine Warteliste gibt es laut Auskunft des Nürtinger Rathauses für die zwei Wohnheime dort.

Starthilfe für Unternehmensgründungen

Die Städte haben indessen nicht nur die Studenten, sondern auch die Absolventen im Blick. In Esslingen gibt es zum Ende des Studiums den Kandelmarsch, bei dem die Absolventen mit einer Leiter Bier trinkend durch das Zentrum ziehen. Die Traditionsveranstaltung ist auch als Wertschätzung für die Absolventen gedacht und soll die Identifikation mit der Stadt stärken. Abgesehen von dieser emotionalen Schiene unternimmt die Stadt weitere Anstrengungen, um den akademisch ausgebildeten Nachwuchs an Esslingen zu binden. Seit Dezember unterstützt die neue Innovationsmanagerin Jessika Meyer den Austausch zwischen Studenten, Gründern und Unternehmen. Die Initiative „GründES“ ist ein gemeinsames Projekt der Stadt und der Hochschule. Das Ziel ist es, die „Ingenieurstadt Esslingen“ durch Unternehmensgründungen zu stärken.

Diesen Weg geht beispielsweise auch Tübingen. Als Pendant steht dort die Wirtschaftsförderungsgesellschaft jungen Start ups mit Rat und Tat zur Seite. So gibt es unter anderem die Möglichkeit, dass Gründer Mietvergünstigungen für Räume im Technologiezentrum Tübingen erhalten.

Jeder zweite Absolvent zieht nach dem Studium weg

Bei allen Anstrengungen zur Ansiedlung von Absolventen und Neugründern haben Wissenschaftler aber festgestellt, dass nur ein Viertel aller Studenten während des gesamten Studiums sesshaft bleiben. Und nach dem Abschluss müssten Hochqualifizierte breiter suchen als andere Arbeitnehmer. Nicht an jedem Hochschulstandort gibt es ausreichend Arbeitsplätze auf dem jeweiligen Gebiet. Mehr als die Hälfte der Absolventen ziehen wegen der Wahl des Arbeitsplatzes daher um.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: