Rektor Alexander W. Roos will durch ein drittes Geschoss auf dem Altbau Platz gewinnen. Foto: Lg/Ecker

Der Rektor der Medienhochschule mit ihren fast 5000 Studenten will es noch mal wissen: Alexander W. Roos hat sich für eine dritte Amtszeit als Hochschulchef beworben. Was treibt ihn an?

Stuttgart - Die Hochschule der Medien (HdM) in Stuttgart-Vaihingen sucht zum 1. November 2018 einen neuen Rektor. Gut möglich, dass der Amtsinhaber weiterhin Alexander W. Roos heißen wird. Der BWL-Professor, Jahrgang 1962, macht kein Geheimnis daraus, dass er sich für eine dritte Amtszeit beworben hat. In der Stellenausschreibung steht auch, dass dessen Kandidatur „erwartet wird“.

Gesucht wird darin „eine international vernetzte Führungspersönlichkeit mit hoher Kooperations-, Kommunikations- und Integrationsfähigkeit, die für die akademische, organisatorische und ökonomische Führung unserer Hochschule Verantwortung übernimmt“. Auch die Aufgaben werden klar formuliert: Der oder die Neue soll „zukunftsorientierte Studienangebote weiterentwickeln, angewandte Forschung und Entwicklung fördern und die Qualitätskultur stärken“. Und, natürlich, soll diese Person „mit den Fakultäten und mit Überzeugungskraft die Entwicklung und Profilbildung der Hochschule voranbringen“. Die Bewerbungsfrist endet in wenigen Tagen am 27. November.

Roos erklärte im Gespräch mit dieser Zeitung, er würde gern weitermachen als Rektor. Weil noch nicht alles so sei, wie es sein sollte. Bei der Infrastruktur gebe es noch viel Nachholbedarf. „Uns fehlen nach wie vor Flächen“, sagt Roos: für neue Forschungsbereiche, aber auch Projektflächen für Existenzgründer – an der HdM ein großes Thema. Über den Mangel hinwegtäuschen dürften auch die zwei Neubauten („Zitronenschnitz“ und „Würfel“) nicht. Denn im Gegenzug habe man größere, gemietete Gebäude in der Innenstadt aufgegeben. Und die Zahl der Studierenden sei kräftig gewachsen: rund 4900 sind es mittlerweile. „Das Anmieten von Flächen kann man hier vergessen“, sagt der Rektor.

Deshalb setzt Roos auf die flächenschonendste und kostengünstigste Lösung: eine Aufstockung des aus den 70er Jahren stammenden „Altbaus“. „Wir haben das beantragt und sind auch in der Lage, das zu finanzieren.“ Es geht um 2000 Quadratmeter, auf denen „dringend benötigte Seminarräume“ sowie der „Playpark“ untergebracht werden könnten, der derzeit im abrissfälligen Pavillon verortet ist und von Start-ups aus der Kreativbranche genutzt wird. Das Finanzministerium bestätigt, dass eine Bedarfsanmeldung eingegangen sei. „Grundsätzlich ist eine Aufstockung technisch möglich“, bestätigt eine Ministeriumssprecherin. Konkrete Planungen seien aber noch nicht erfolgt.

Ein weiteres Problem: „Wir sind eine Pendlerhochschule.“ Notgedrungen. „Hier fehlt es massiv an Wohnheimen für Studierende.“ Aber auch an Parkplätzen. Eins von beiden, meint der Rektor, sollte schon funktionieren. Leider fehle auf dem Vaihinger Campus auch eine soziale Infrastruktur: „Es gibt hier nicht mal die Möglichkeit, einen gescheiten Kaffee zu trinken – das ist nicht die Atmosphäre, die ein Gastdozent erwartet.“ Laut Studierendenwerk Stuttgart ist eine zweite Mensa in Vaihingen vorgesehen – irgendwann. Und an insgesamt drei Standorten sollen hier 730 neue Wohnplätze entstehen.

Der Weiterbildungssektor soll massiv ausgebaut werden

Auch inhaltlich sieht Roos die HdM vor Herausforderungen. Künstliche Intelligenz verändere die Arbeitswelt – und die Hochschulen: „Da kommt eine Riesenwelle auf uns zu“, sagt er. Auch in der Lehre, zunehmend auch als Dienstleistung im Weiterbildungssektor, speziell für mittelständische Betriebe. „Wir entwickeln neue Formate und bauen diesen Sektor massiv aus“, so Roos. Stark gefragt seien die berufsbegleitenden Master Entrepreneurship sowie Data Science and Business Analytics – letzterer in Kooperation mit der Singapore Nangyang Technological University.

„Ich würde gern die Internationalität erhöhen“, so Roos. „Wir werden das englischsprachige Angebot erweitern“. Auch den Austausch von Dozenten und Studierenden würde Roos gern voranbringen – etwa durch den Ausbau von Summer Schools. Ein wichtiger Brückenbauer sei der deutsch-chinesische Doppelstudiengang Druck- und Medientechnologie. „Wir müssen dieses Land verstehen lernen, auch über Austausch“, sagt Roos.

In Roos’ Amtszeit ist die Abbrecherquote bei Studierenden deutlich zurückgegangen

Auf Erfolge kann der Amtsinhaber bei der Abbrecherquote verweisen, ein wichtiges Ziel seiner zweiten Amtszeit: „Sie ist zurückgegangen.“ Besonders signifikant in der Wirtschaftsinformatik: im vierten Semester von 23 auf 13 Prozent, im achten Semester von 19 auf sechs Prozent – aber auch in Online-Medien-Management und in Medieninformatik. Gründe seien neue didaktische Formate sowie eine veränderte zeitliche Abfolge der Lehrinhalte.

Noch stärker möchte Roos das Thema unternehmerisches Denken verankern. Der Strukturwandel in der Industrie mache das erforderlich. „Wir brauchen Leute, die das umsetzen können“, so der Rektor. Im Verbund mit den Hochschulen Reutlingen und Aalen wolle man alle Studierenden damit infiltrieren. Die Hochschulen erhalten für ihr Projekt „Spinnovation“ 1,75 Millionen Euro Fördermittel vom Land für drei Jahre. Die Resonanz sei hervorragend: bei Studierenden, Politik und Unternehmen.

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