Mareika Greiss hat unzählige Stunden Arbeit in das Projekt investiert. Foto: Jacqueline Fritsch

Blutspenden kennt jeder. Manchmal sind Krebspatienten aber auch auf Haarspenden angewiesen. Zum Beispiel dann, wenn sie eine Chemotherapie bekommen. Studenten der HdM haben sich diesem Thema genähert.

Vaihingen - Eine Bushaltestelle, eine Hausfassade, ein Baum, zwei Mädchen: Die Kulisse des Stop-Motion-Films „Liz und Evie“ erinnert an ein etwas zu groß geratenes Barbie-Haus. Um die Szenerie herum stehen große und kleine Scheinwerfer. In kleinen Schachteln liegen ordentlich sortiert winzig kleine Hände. In einer anderen Schachtel sind fast ein Dutzend Gesichter: fröhliche, erstaunte, traurige. So kann man die Gesichter und Hände der kleinen Figuren beliebig austauschen. Denn für jedes Foto muss alles passen: die Gesichtsausdrücke, die Körperhaltung, die Hände. Am Ende entstehen sechs Minuten Film. Das entspricht 4500 Fotos.

Einige Studenten der Hochschule der Medien (HdM) haben sich zusammengetan, um die Idee von Mareika Greiss umzusetzen. Die Studentin möchte anhand der Charaktere Liz und Evie auf das Thema Haarspende aufmerksam machen. „Eine natürliche Echthaarperücke kann den Betroffenen in einem Ausmaß helfen, das man sich nicht vorstellen kann, wenn man es nicht selbst erlebt hat“, sagt die 23-Jährige. In ihrem Studiengang „Audiovisuelle Medien“ steht in diesem Semester eine Studioproduktion an. Da kam ihr die Idee des Stop-Motion-Films – so einen Film kann man sich wie ein Daumenkino vorstellen – gerade recht. „Vor diesem Projekt hatte ich noch nie von Haarspende gehört“, sagt sie. Zufällig ist sie auf die Geschichte eines jungen Mädchens gestoßen, das eine Echthaarperücke bekommen hat. „Sechs Monate danach kam mir die Idee, einen Film darüber zu machen“, sagt Greiss.

Haare spenden kann fast jeder

Haare spenden ist ganz einfach. Wer keine gefärbten oder anders chemisch behandelten Haare hat, bindet sie zu einem festen Zopf zusammen, schneidet sie ab und schickt sie einem Verein zu, der die Haare sammelt und dann zu einer Perücke verarbeitet. Je nach Verein muss der Zopf eine bestimmte Länge haben, das Minimum liegt üblicherweise bei 25 Zentimeter. „Für eine Perücke brauchen wir fünf bis sechs Zöpfe mit ähnlicher Grundstruktur und Farbe“, sagt Max Rieswick, der Gründer der Plattform „haare-spenden.de“. Einen Großteil der Perücken knüpft der gelernte Frisör selbst. Für eine braucht er etwa 200 Stunden. Wer von dem Verein eine Perücke kauft, muss lediglich die Herstellungskosten, nicht aber den Wert der Haare selbst zahlen. Auch das ist je nach Verein unterschiedlich. Die meisten Perücken gehen an Menschen, die wegen einer Chemotherapie oder Bestrahlung ihre Haare verloren haben oder am sogenannten kreisrunden Haarausfall leiden.

Vereine helfen, Aufmerksamkeit zu gewinnen

Mareika Greiss weiß aus ihrem Bekanntenkreis, wie schwer Betroffene unter Haarverlust leiden können. Deshalb möchte sie das Thema Haarspende mit ihrem Film populärer machen. Aber auch dadurch, dass sie auf Vereine wie den von Max Rieswick aufmerksam macht. Dieser und die Vereine „Haarefee“, „Die Haarspende“ und „BVZ Rapunzel“ werden von dem Studententeam im Internet vorgestellt. Die Vereine stellen dafür auch das Projekt vor.

In dem Stop-Motion-Film geht es um die 17-jährige Liz und die jüngere Evie, die sich an einer Bushaltestelle kennenlernen. Erst nach einiger Zeit merkt Liz, dass Evie keine Haare hat und deshalb immer eine auffällige Mütze trägt. Schließlich spendet Liz ihre langen braunen Haare für ihre junge Freundin. Acht Wochen hat es gedauert, bis das Set und die Puppen gebaut und der Drehplan geschrieben waren. „Wir haben alles erst einmal mit einer Schauspielerin durchgespielt, damit wir genau wissen, wie lange eine Kopfbewegung dauert und wie die Haltung der Hände ist“, sagt Greiss. Einige der kleinen Hände sind bei den Dreharbeiten bereits kaputt gegangen. „Wir müssen die Puppen ja 4000 Mal anfassen, da ist das kein Wunder“, sagt Greiss. Eine neue Hand herzustellen, dauert etwa eine Stunde. Eine Sekunde des Films aufzunehmen, etwa eine halbe Stunde. Eine Sekunde entspricht zwölf Einzelbildern, das heißt zwölf minimale Veränderungen an der Position oder Haltung der Figuren. Die 4500 Fotos sind seit einigen Tagen im Kasten, nun muss das Ganze animiert werden.

Film feiert Premiere bei Media Night

An dem Projekt sind insgesamt 17 Studenten aus verschiedenen Studiengängen beteiligt. „Ich hätte nie gedacht, dass ich meine Idee in einem so großen Rahmen umsetzen kann“, sagt Greiss. Der Film feiert am 5. Juli bei der Media Night, der Semesterabschluss-Feier der Hochschule der Medien, Premiere.

Bis zum 27. Juni kann man die Produktion des Stop-Motion-Films finanziell unterstützen. Einfach auf www.kickstarter.com nach „liz&evie“ suchen und einen beliebigen Betrag spenden. Der Verein „Die Haarspender“ veranstaltet am Samstag, 30. Juni, einen „Chaarity Tag“. Von 12 bis 19 Uhr können sich Interessierte an der Metzstraße 14 in Bad Cannstatt über Haarspende informieren oder ihre Haare gleich vor Ort spenden. Die Mindestlänge beträgt 27 Zentimeter, der Haarschnitt ist kostenlos.

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