Landesprämierung in der Teckhalle – alles nur eine Frage des Überblicks. Foto: Horst Rudel

Gold, Silber und Bronze sind gefragt wie nie zuvor: Bei der Landesprämierung des Verbands der Klein-und Obstbrenner in der Teckhalle haben sich die Tische unter der Last der eingesandten Proben gebogen.

Owen - Wenn da die Sensorik nicht sprichwörtlich auf dem Zahnfleisch daherkommt: 2091 Flaschen an Hochprozentigem stehen auf den Tischen in der Teckhalle in Owen. Hunderte von Obstbränden, aber auch 59 Whisky- und 38 Ginproben warten darauf, bei der dreitägigen Landesprämierung 2017 des Landesverbands der Klein-und Obstbrenner verkostet zu werden.

„Das sind mehr als je zuvor in den mehr als 30 Jahren, die wir die Landesprämierung durchführen“, sagt der Verbandschef, Karl Müller. Bis zum Donnerstag noch werden 35 sensorisch besonders geschulte Prüfer sich die Kostbarkeiten von den Obstwiesen auf der Zunge zergehen lassen.

Das aus Kaisers Zeiten stammende Branntweinmonopol fällt

Das hohe Interesse an der Expertenmeinung hat nach Müllers Einschätzung einen Grund. Zum 1. Januar 2018 fällt das noch aus Kaisers Zeiten stammende Branntweinmonopol. Es erlaubt den Brennern, einen Teil ihrer Steuerschuld mit überschüssigem Alkohol zu begleichen. „Um die Steuer jetzt wieder reinzukriegen, müssen mehr Brände in die Direktvermarktung“, sagt Müller. Und da kann ein bei der Landesprämierung ausgestelltes Qualitätssiegel im wahrsten Sinne des Wortes Geld wert sein.

„Unsere Standards sind höher als bei der Prüfung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft“, sagt Müller selbstbewusst. Der Aufwand, der dafür in der Teckhalle betrieben wird, ist enorm. Zu den 24 Prüfern, die sich an acht Tischen gleichzeitig über die Wertungsbögen beugen, kommt eine Aufsicht pro Tisch, acht Einschenker, acht Servicekräfte, diverse Spülkräfte und zwei Erfasser, die die Computer mit den Ergebnissen füttern.

Die Hauptarbeit allerdings lastet auf den eigens in einem Seminar an der Universität Hohenheim geschulten Gaumen der Prüfer. Reintönigkeit, Charakter und Aroma der Frucht, Intensität und Nachhaltigkeit sind die übergeordneten Kriterien, die es zu bewerten gilt – in jeweils noch drei bis acht Unterpunkte aufgefächert. Die in verdeckelten Schnapsgläschen gereichten Proben werden lediglich im Mund gespült und dann ausgespuckt. Unter den gereichten Proben sind die üblichen Verdächtigen – Birne, Apfel, Kirsche – aber auch wahre Exoten wie Maulbeerenbrand, Haselnussgeist und Ebereschenbrand.

Die Urkunden gibt’s am 23. Juli in Weinstadt-Endersbach

Am Ende der Prozedur verleiht der Verband dann seine drei begehrten Medaillen, mit denen die Obstbrenner ihre Produkte bewerben dürfen: Gold (Spitzenqualität, vollaromatisch), Silber (geringfügige Qualitätsabweichungen) und Bronze (Qualitätszeichen Baden-Württemberg). Allerdings müssen sich die Bewerber noch bis zum Sonntag, 23. Juli, in Geduld üben. Dann erst werden die Urkunden im Rahmen einer Feier in der Jahnhalle in Weinstadt-Endersbach verliehen.

Ob die Prüfer in zwei Jahren, wenn turnusgemäß die nächste Landesprämierung ansteht, wieder so viel Arbeit haben werden, bezweifelt Müller. Durch den Wegfall des Monopols kann zwar jeder, der eigenes Obstland hat, eine Brennerlaubnis erwerben, aber bei Investitionskosten von 50 000 Euro geht der Verbandschef davon aus, dass der Zuwachs den Schwund nicht ausgleicht, den die Umstellung der Steuer mit sich bringen wird.

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