Die Tower-Rettungsmission wird kein Schnellschuss. Investor Joachim Ebner sondiert derzeit, welche konkreten Nutzungen für das 34-stöckige Fellbacher Super-Hochhaus möglich sind.
Wer dieser Tage im wechselvollen Novemberwetter zum Beispiel von Waiblingen nach Fellbach (Rems-Murr-Kreis) unterwegs ist, der erlebt den Schwabenlandtower neben der Schorndorfer Straße mal dank der strahlenden Sonne in üppiger Helligkeit, mal in der Nebelsuppe, die nur die fünf unteren Stockwerke freigibt und die weiteren oberen 29 Stockwerke verschluckt.
Ähnlich diffus, wie sich der Wohnturm je nach Tagesform präsentiert, so nebulös und unklar schätzen manche Beobachter auch die Aussichten für die nähere und fernere Zukunft des imposanten Gebäudes ein. Immer wieder ist die Frage in Fellbach zu hören: Wann rücken Bauarbeiter an und legen Hand an das 107 Meter hohe Gebäude an? Wann wird aus dem Betongerippe, das seit dem Baustopp vor ziemlich genau neun Jahren kaum mehr vorangekommen ist, endlich der erhoffte bezugsfertige Wohnturm? Dauert es noch einige Monate oder etliche Jahre, bis auch dieses Kapitel Fellbacher Baugeschichte Geschichte und der Tower fertiggestellt ist?
Schwabenlandtower: notarieller Vertrag mit Adler Group
Mitten in den Sommerferien war es, als nach ewig langer Hängepartie plötzlich wieder erste Anzeichen für eine Revitalisierung der „Pleiteimmobilie“, wie oft geschrieben wurde, auftauchten. Am Bauzaun des Hochhauses entdeckten Autofahrer im Stau kurz vor dem Stadttunnel oder Richtung Stuttgarter Platz, dass neue Werbeplakate eine überraschende Wendung offenbarten: Das Unternehmen Ebner Immobilien mit Sitz in Stuttgart und Waiblingen wies auf sein Engagement hin.
Kurz danach erreichte unsere Redaktion Joachim Heinz Ebner am Telefon – und er bestätigte: Er habe einen Vertrag mit der Adler Gruppe abgeschlossen und werde sich bemühen, dass aus dem Schwabenlandtower doch noch ein tolles Projekt werde.
Zwischenzeitlich gab es zwar Irritationen, nachdem die Adler Group knapp zwei Wochen danach in einer Pressemitteilung die Firma Ebner mit keinem Wort erwähnte und stattdessen allgemein zu ihren diversen bundesweiten Objekten unter der Zwischenüberschrift „Projektentwicklungen – Veräußerungen bis Ende 2026“ erklärte: „Darüber hinaus befinden sich die Verhandlungen mit potenziellen Investoren für die Projekte Holsten Quartier, The Wilhelm, Benrather Gärten, Offenbach Kaiserlei und Schwabenlandtower in einem fortgeschrittenen Stadium.“
Schwabenlandtower-Kauf vor Weihnachten in trockenen Tüchern?
Dass dieses von Adler genannte „fortgeschrittene Stadium“ längst mehrere Schritte weiter ist, bestätigt Ebner nun erneut auf Nachfrage: Zwischen der Adler Group und Ebner Immobilien besteht eine Vereinbarung. „Wir haben einen notariellen Vertrag geschlossen; er ist unterzeichnet.“ Der endgültige Kauf soll nun dieser Tage in trockene Tücher gebracht werden, womit Ebner dann endgültig das Sagen hätte beim Tower und dessen Zukunft.
Im Sommer wurde Joachim Ebner schon von manchen als „Retter“ dieses Pleiteprojekts gefeiert. Diese Titulierung mag in ihrer Absolutheit übertrieben sein, dennoch setzen die Fellbacher Rathausoberen um die Oberbürgermeisterin Gabriele Zull wie auch die Fraktionen im Gemeinderat große Hoffnungen in die Macher-Fähigkeiten und die Expertise des Immobilienprofis Ebner, der in Fellbach aufgewachsen und hier auch gut vernetzt ist.
Doch was generell gilt, trifft hier in Fellbach ebenfalls zu: Nicht jede Rettungsmission lässt sich wie durch Tom Cruise im Hollywood-Blockbuster binnen zweieinhalb Stunden zu Ende bringen. Eine „Mission Impossible“ ist der Tower auch nicht gerade. Das erklärt der 65-Jährige sinngemäß in einem aktuellen Gespräch mit unserer Redaktion. „Im Hintergrund“ liefen bereits intensive Gespräche, man sei „am Klären“ und verfolge „unterschiedliche Lösungsansätze“.
Konkreter könne er derzeit aber noch nicht werden. Würden bestimmte Vorstellungen öffentlich favorisiert, könnten Interessenten anderer Varianten möglicherweise irritiert reagieren und sich umorientierten. Ebner versichert, er gehe sensibel mit der Aufgabe um, und er verspricht, weitere Informationen bekannt zu geben, sobald es die Situation erlaubt. Derweil arbeitet er an den Varianten, die er mit seinen Partnern bereits entworfen und vor dreieinhalb Monaten als Ideen gegenüber unserer Zeitung angedeutet hatte.
Der Schwerpunkt beim ursprünglich als „Wohnturm“ konzipierten Hochhaus liegt natürlich eben in der allgemeinen Wohnbebauung. Das Konzept sehe bezahlbare Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen vor, erläuterte Ebner bereits Mitte August.
Auch Werkswohnungen für Mitarbeiter Fellbacher Firmen seien denkbar, bei Bedarf könne man sich auch Flächen für die Unterbringung der Fellbach Division des Deutschen Roten Kreuzes oder der Polizei im Sockelbereich vorstellen.
Pflege im Schwabenlandtower Fellbach?
Gedanken, das Objekt für die vorübergehende Unterbringung von geflüchteten Menschen zu nutzen, liegen derzeit beim Land Baden-Württemberg, bei der Stadt Fellbach und beim Investor auf Eis.
Die Flächen im Sockel-Bereich wären für die Unterbringung und Pflege älterer Mitbürgerinnen und Mitbürger gut geeignet. Auch das Thema Gastronomie ist noch nicht vom Tisch, eventuell auch ganz oben ein Restaurant mit Veranstaltungsräumen und die Fellbacher „Sky Roof Bar“ mit sensationellen Perspektiven gen Stuttgart und weit ins Remstal einzurichten. Getreu dem Motto: „Fellbach, Stadt der Weine und Kongresse.“
Joachim Ebner schwärmt: „Architektur ist klasse“
Was sich letztlich aus diesen Ideen, Entwürfen, Vorschlägen und Varianten umsetzen lässt, werden die kommenden Monate zeigen. Die dazu bereits geführten Gespräche mit den Bauverantwortlichen der Fellbacher Stadtverwaltung stuft Ebner als „konstruktiv“ ein.
„Die Architektur ist klasse“, schwärmt der Immobilienexperte, der Zustand des Towers „ist gut “, die Statik lasse vielfache Nutzungen zu. „Wenn alle mitziehen, kann etwas Besonderes für Fellbach entstehen“, sagt der Investor. „Oberstes Ziel ist doch, dass der Turm fertig wird und Fellbach sich dann rühmen kann, das höchste Gebäude Baden-Württembergs auf seiner Gemarkung zu haben.“