Nach 50 Jahren kommen Gebäude in die Jahre. Das gilt auch für die Wohnstadt Asemwald. Dort sind unter anderem die Tiefgaragen marode. Was heißt das für die Standfestigkeit der Hochhäuser?
In der Wohnstadt Asemwald ist alles eine Spur größer. Das gilt nicht nur für die drei knapp 70 Meter hohen Wohnblocks, in denen mehr als 1500 Menschen leben. Wenn an den Gebäuden Sanierungs- und Erhaltungsmaßnahmen fällig werden, ist auch das „eine ganz andere Dimension“, so Stefan Geiger, Geschäftsführer der für die Siedlung zuständigen Immobilienverwaltungsgesellschaft Klauß & Partner.
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In der inzwischen über 50 Jahre alten Wohnanlage stehen aktuell gleich mehrere große Sanierungsprojekte an oder sind bereits im Gange: So müssen nicht nur die Aufzüge in den nächsten Jahren erneuert werden. Seit 2017 werden im Vertikaldorf, das zum Stadtbezirk Plieningen gehört, auch die Tiefgaragen einer Runderneuerung unterzogen. Der Grund: Die Stahlbewehrungen im Beton der unterirdischen Parkflächen sind durch die jahrzehntelange Einwirkung von Chlorid, das im Winter mit dem Straßensalz eingetragen wird, „stark geschädigt“, betont Sebastian Lehmann vom Ingenieurbüro IFB Ingenieure. Das Unternehmen ist federführend zuständig für die Planung der Gebäudeinstandsetzungen im Asemwald.
17 Jahre für die Garagensanierung
Betroffen vom Korrosionsfraß sind alle 1137 Stellplätze in den insgesamt 18 Einfahrten der drei Großgaragenanlagen. „Elf Garageneinfahrten müssen in den nächsten Jahren noch saniert werden“, erklärt Geiger. „Jedes Jahr eine.“ Ende der Sanierungsmaßnahme: 2034. Aktuell betrifft das 66 unterirdische Stellplätze in der Tiefgarage von Gebäude A, deren Instandsetzung kurz vor Abschluss steht.
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Dass in der Wohnstadt Asemwald allein die Garagensanierung somit beeindruckende 17 Jahre in Anspruch nimmt, hat gleich mehrere Gründe. Ersten dürfen nicht zu viele Parkplätze gleichzeitig wegfallen, weil im Umfeld der Anlage nicht genug Ausweichparkflächen existieren. „Die Sanierung muss auch zeitlich gestreckt werden, damit die Finanzierung der Maßnahme für jeden zumutbar bleibt“, erklärt Werner Pohl vom Verwaltungsbeirat der Wohnstadt. Umgesetzt werde aber ohnehin nur, was die Eigentümergemeinschaft mehrheitlich beschließt, sagt Werner Pohl.
Lasten die Hochhäuser auf den Garagen?
Die Korrosion mindert zwar die Tragfähigkeit des Stahlbetons in den Tiefgaragen. Doch Auswirkungen auf die Statik der riesigen Wohnblocks, das ist die gute Nachricht, hat das nicht, wie Lehmann versichert. „Die Gebäude stehen nicht auf den Tiefgaragen“, erklärt der Fachplaner für Gebäudeinstandsetzung. Würde das Gewicht der Hochhäuser auf den Garagen lasten, wären die Schwierigkeiten ungleich höher.
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Um die vom Salz verursachte Lochfraßkorrosion zu stoppen, müssen die Experten den Beton nicht nur an den Böden und an den Sockeln von Stützen und Wänden komplett austauschen. „Eine zusätzliche Schutzschicht soll außerdem verhindern, dass in Zukunft wieder Chloride eindringen können“, sagt Lehmann. Die restlichen Betonoberflächen, wie Stützen und Wände oberhalb der Sockel sowie die Decke, erhalten zudem einen Schutzanstrich, der vor Korrosion durch CO2 schützen soll.
Letzteres führt auch dazu, dass die in einer der Tiefgaragen nahe der Tennisplätze vorhandene künstlerische Farbausgestaltung des Donaueschinger Kunstprofessors Emil Kiess im Original von 1971 nicht erhalten werden kann. Nach Fertigstellung der Sanierungsmaßnahme, so sieht es die Planung vor, soll in der entsprechenden Tiefgarage die Farbgebung jedoch maßgenau wieder hergestellt werden. Die Farbbanderolen gehören, sagt Werner Pohl, „zur DNA des Asemwald“.