Der Bachweberhof kann sich wieder sehen lassen. Foto: Horst Rudel

Der dem Abriss geweihte Bachweberhof in Hochdorf ist ein Schmuckstück geworden – allen Unkenrufen zum Trotz. Das ist ein Verdienst des Vereins „Historische Gebäude und Ortsgeschichte Hochdorf“.

Hochdorf - In den Bachweberhof in Hochdorf ist das pralle Leben zurückgekehrt. Das schnuckelige Caféle ist häufig rappelvoll und die vier neuen Mietwohnungen längst bezogen. Nur die geflügelten Untermieter fremdeln noch. Die rund 40 überdachten Schwalbennester, die auf Betreiben des Denkmalamts auf dem Dach des Carports hinterm Haus gebaut wurden, warten noch auf ihre Bewohner. Doch dafür kann der Verein „Historische Gebäude und Ortsgeschichte Hochdorf“ (HGOH) nichts. Wohl aber für die gelungene Wiederbelebung des flügellahmen Weberhofes.

Um bei der Vogelwelt zu bleiben: Dass sich der Bachweberhof von einem hässlichen Entlein eines Tages in einen schönen stolzen Schwan verwandeln lassen würde, daran hatten noch vor ein paar Jahren nicht viele Hochdorfer geglaubt. Stattdessen war vom „alten Glomb“, das schon lange nichts mehr tauge die Rede, und mancher schämte sich sogar für das vernachlässigte Gehöft und betrachtete es als Schandfleck für das Dorf. Zugegeben, es bedurfte schon einer gehörigen Portion Fantasie, um in den krummen Mauern und der dunklen Scheune das Potenzial zu einem architektonischen Vorzeigeprojekt zu erkennen.

Eines der letzten ortsbildprägenden Gebäuden von Hochdorf

Nach und nach wendete sich das Blatt. Zunächst machte sich eine Freundesgruppe um die damalige Besitzerin daran, den Hof von dem Ballast zu befreien, der sich über die Jahre angesammelt hatte. Dann mietete sich mit „Mamas Kitschen“ ein Kunsthandwerkerinnenprojekt in der alten Milchküche des Hofes ein und verwandelte das Gemäuer mehrmals im Jahr in einen Schauplatz für allerlei bunte Märkte.

Viele Gäste strömten bei diesen Gelegenheiten in die Kirchheimer Straße 1, um das unverfälschte Ambiente des Hofes zwischen der alten Linde und dem von Bäumen gesäumten nahen Talbach zu genießen. Und es wurden Stimmen laut, die forderten, der Bachweberhof müsse vor dem Verfall bewahrt und einer öffentlichen Nutzung zugeführt werden. Es wuchs die Zahl der Menschen, die den ehemaligen Bauernhof, der bereits Jahre zuvor als Baudenkmal eingestuft worden war, als bauhistorischen Schatz und eines der letzten wichtigen ortsbildprägenden Gebäude von Hochdorf erkannten. Der HGOH und sein Vorsitzender Werner Halm haben ihnen eine Stimme gegeben.

Der Hof wurde im Jahr 1527 errichtet

Tatsächlich zählt der Hof gemeinsam mit dem Rathaus, der Martinskirche und der Zinßermühle zu den ältesten Gebäuden im Ort. Dendrochronologische Untersuchungen des Holzes haben ergeben, dass die Balken des Gebäudes im Jahr 1527 geschlagen worden. Damals lag das Anwesen ein gutes Stück außerhalb des historischen Zentrums rund um die Kirche, was auch aus der frühesten überlieferten Ortsansicht, die 150 Jahre nach dem Bau des Bachweberhofes von dem Herzoglich Württembergischen Kriegsrat, Andreas Kieser, gefertigt wurde, hervorgeht.

Noch tiefer in der Geschichte des Anwesens graben derzeit Archäologen auf einem abgegrenzten Areal ein paar Meter bachaufwärts. Auf fünf Wochen hat das Landesdenkmalamt die Rettungsgrabung anberaumt, von der sich die Wissenschaftler Aufschlüsse über die Zeit vor der der erste schriftlichen Erwähnung des Fleckens im Jahr 1189 erhoffen.

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