Martin Freeman spielt Biblo Beutlin. Foto: Warner

Populär wurde Martin Freeman (42) durch die britische Fernseh-Serie „The Office“. 2010 brachte eine weitere TV-Serie den Durchbruch – „Sherlock“. In Peter Jacksons Verfilmung von J.R.R. Tolkiens „Hobbit“ spielt Freeman den Hobbit Bilbo Beutlin.

Martin Freeman spielt in „Der Hobbit – Smaugs Einöde“ wieder den Meisterdieb Bilbo Beutlin.
Berlin - Populär wurde Martin Freeman (42) durch die britische Fernseh-Serie „The Office“. 2010 brachte eine weitere TV-Serie den Durchbruch – „Sherlock“. In Peter Jacksons Verfilmung von J.R.R. Tolkiens „Hobbit“ spielt Freeman den Hobbit Bilbo Beutlin.
Mr. Freeman, die Kino-Fortsetzung des „Hobbit“-Abenteuers weckt weltweit enormes Interesse. Wie erklären Sie sich, dass diese vor langer Zeit geschriebenen Charaktere noch immer populär sind?
Tolkien hat unverwüstliche Geschichten zu Papier gebracht. Wenn die Reinkarnationen anständig gemacht sind, bekommen sie auch ihre Chance. Jemand wie Peter Jackson weiß genau, was er tut. Man hält diese Geschichten am Leben, sie gehören zum Alltag der heute 12- bis 14-Jährigen.
Aber warum strömen so viele Menschen aus allen Generationen in diese Filme?
Die literarische Vorlage hat ihre Popularität seit 1937 nie verloren. In vielen Science ­Fiction-Geschichten kann man DNA-Spuren entdecken, die sich auf Tolkien zurückführen lassen. Aber wenn der Filmemacher keine gute Arbeit geleistet hätte, würde sich trotzdem niemand darum scheren. Die Leute würden Tolkien lieben, aber nicht diese ­Filme. Pete ist ein begnadeter Filmemacher. Natürlich wollen die Menschen immer ein Stück weit der Realität entfliehen. Sie ­wollen sich mit Gott, der Schöpfung und ­unerklärlichen Phänomenen auseinandersetzen. Aber am Ende geht es doch immer nur um uns selbst.
Inwiefern?
Die Welten aus „Der Herr der Ringe“, „Der Hobbit“, „Thor“ oder „Game of Thrones“ mögen fantastisch sein, aber im Grunde dreht sich dort alles um Politik, um Familie, um das Heute. Wir wissen, dass Mittelerde nicht wirklich existiert. Worauf sprechen wir also an, wenn wir uns den „Hobbit“ ­anschauen? Wir sprechen darauf an, dass ­jemand plötzlich und unerwartet Mut ­beweist, wir sprechen auf Loyalität oder althergebrachte Traditionen an. All das lässt sich auf unseren Alltag beziehen. „Der Pate“ erzählte dem US-amerikanischen Publikum mehr über das Leben in den 1970er Jahren als über die 1940er. Es ist ein Film, der die Zeit seiner Entstehung reflektiert. Und „Der Hobbit“ handelt genau so sehr von uns, wie er von großen Füßen und großen Ohren ­handelt.
Wann haben Sie zum ersten Mal Ihr Unterhaltungstalent entdeckt?
Ich war vielleicht vier oder fünf, als ich festgestellt habe, dass ich mich gern in Szene setze. Ich wusste instinktiv, wie ich in bestimmten Situationen lustig sein und so einen Nutzen daraus ziehen konnte. Das ist wohl typisch, ich war klein, der Jüngste von fünf Geschwistern, etwas kränklich. Da ­findet man heraus, welche Dinge einen im Leben weiterbringen. Ich habe meinen Verstand benutzt. Ich hätte mich in der Schule mit niemandem anlegen können, aber ich habe die Leute davon abgelenkt, indem ich sie zum Lachen gebracht habe.
Würden Sie Bilbo gern lustiger anlegen?
Nein. Humor und Leichtigkeit stecken ja ­bereits in dieser Rolle. Bilbo ist ein wenig aufgeblasen. Ihn in dieser für ihn ungewohnten Welt zu erleben, hat etwas Absurdes. Für Peter Jackson ist er der Archetyp eines Engländers. Ich weiß schon, was er meint, aber man findet solche Typen wohl überall auf der Welt. Bilbo ist nicht abenteuerlustig, nicht gewalttätig und keinesfalls ein Krieger, aber er findet sich in einer Situation wieder, die abenteuerlich und brutal ist. Das für sich genommen ist schon komisch. Ich fragte Pete ständig, wann ich etwas ernster werden darf. Bilbo hat helle und dunkle Seiten, er ist komplexer und facettenreicher, als nur ängstlich dreinzublicken.
Ist die beeindruckende Schatzkammer eine gebaute Kulisse oder ist sie im Computer ­entstanden?
Es gab ein riesiges Set. Der Schatz, die ­Münzen und das Gold waren physisch vorhanden. Als ich durchlief, bin ich eingesunken wie in Treibsand. Das war für mich als Schauspieler sehr hinderlich, schließlich muss Bilbo schleunigst und auf leisen Sohlen verschwinden, um nicht gegrillt zu ­werden. Natürlich befand sich kein Drachen dort und sein Monolog, den Benedict Cumberbatch sprechen würde, wurde von jemandem eingelesen. Diese Mischung ist typisch für Jacksons Filme. Es gibt diese Kulissen, die man berühren und riechen kann, andere Dinge muss man sich vorstellen, während man seinen Blick tatsächlich auf einen Tennisball fokussiert. Es ist die Herausforderung, das alles real wirken zu lassen. Das beste Schauspiel entsteht immer als Reaktion auf deinen Schauspieler- oder Drachenkollegen. Wenn da keiner ist, muss man das eben herstellen. Dabei darf man nicht in Pantomime verfallen oder übertreiben.
Gab es witzige Ausrutscher?
Nein, nicht wirklich. Ich weiß nicht, warum. Wahrscheinlich, weil es ewig dauert und viel Geld kostet, bis man noch einmal von vorn beginnen kann. Ich habe immer versucht, ­die Zwerge Fili und Kili – Dean O’Gorman und Aidan Turner – aus der Reserve zu locken. Das ist so einfach, wie einem Baby die ­Süßigkeiten zu klauen. Man muss sein ­Gesicht nur von der Kamera abwenden, eine Grimasse ziehen und schon ist es um sie ­geschehen.
Ihre Popularität bringt sicherlich einige Einschränkungen in Ihrem Privatleben mit sich. Können Sie noch ungestört Menschen ­beobachten?
Nicht so wie früher. Das birgt eine Gefahr in sich. Die Welt bildet die Arbeitsgrundlage für einen Schauspieler. Wenn man sich ein Stück weit aus ihr zurückzieht, beginnt man Dinge zu recyceln, die ohnehin in einem ­stecken. Man kann nicht mehr drei Stunden ungestört im Café sitzen und Menschen beobachten. Es ist eine Herausforderung, sich die Dinge zu bewahren, wegen denen man diesen Beruf ursprünglich ergriffen hat.
Wünschen Sie sich manchmal einen Ring, der Sie unsichtbar macht?
Ständig, in sechzig Prozent der Zeit.

Der "Hobbit" in Stuttgart

„Der Hobbit – Smaugs Einöde“ (ab 12 Jahren) kommt an diesem Donnerstag regulär in die Kinos. Bereits an diesem Mittwoch werden im Ufa-Palast beide „Hobbit“-Filme hintereinander gezeigt (Beginn um 20.30 Uhr). In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag läuft der zweite Teil der „Hobbit“-Verfilmung bereits im Gloria und den Cinemaxx-Kinos an (Beginn jeweils um 0 Uhr).


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