Laetitia Feige will nicht einzelne anprangern, sondern das Thema Missbrauch öffentlich machen. Foto: privat

Eine Musikstudentin verarbeitet in einer Performance ihre Erfahrungen und die anderer Studierender. Das wirft kein gutes Licht auf die Stuttgarter Musikhochschule.

Laetitia Feige hat an der Stuttgarter Hochschule für Musik Schulmusik mit dem Hauptfach Gesang studiert. Ihre Abschlussarbeit nutzt sie, um missbräuchliche Erfahrungen während des Studiums öffentlich zu machen.

Frau Feige, ist die Performance „Sexuelle Belästigung und Machtmissbrauch an der HMDK“ Fiktion oder Realität?

Realität. Ich habe während meines Studiums viel Mist erleben müssen und darunter gelitten, aber gemerkt, dass es anderen auch so geht und ich kein Einzelfall bin. Deshalb wollte ich die Hochschule nicht verlassen, ohne darüber gesprochen zu haben.

Und dann?

Ich habe eine Umfrage an die Studierenden versandt und gebeten, mir anonym ihre Erlebnisse zu schreiben. Die Performance ist das Ergebnis davon, eine Sprecherin spricht diese Erfahrungen und eine Cellistin wird dazu improvisieren.

Was für Vorfälle wurden genannt?

Das reicht von Bemerkungen über das Aussehen bis hin zu physischen und psychischen Übergriffen.

Sind das bestimmte Dozenten?

Das ist sehr breit, wir haben viele Abteilungen an der Musikhochschule und es kam von überall etwas.

In Zeiten von MeToo sollte eine Institution doch wachsamer sein und Anlaufstellen haben, oder?

Es gibt Gleichstellungsbeauftragte und die Vertrauensdozierenden, aber ich habe nie mitbekommen, dass sich etwas geändert oder jemand eine Abmahnung bekommen hätte. Viele trauen sich auch nicht, darüber zu sprechen, weil man so unter Druck steht und nicht schlechter bewertet werden will.

Die Performance ist Ihr Bachelor Abschluss. Haben Sie keine Sorge, dass Ihnen das Thema schadet?

Als ich die Plakate aufhing, stellte sich ein Angstgefühl ein. Aber die Note ist mir mittlerweile egal, weil ich oft bei der Notengebung Machtmissbrauch erlebt habe. Mir ist einfach wichtig, die Aufmerksamkeit auf ein Tabuthema lenken. Ich werde nicht mit dem Finger auf jemanden zeigen, nur Erfahrungen ein Sprachrohr geben.

Und was wollen Sie bewirken?

Die Hochschule muss reagieren, das ist zumindest meine Hoffnung, es wäre schlimm, wenn sie es nicht würde.

Performance 9. Juli, 18 Uhr, Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, Urbanstr. 25, S-Mitte; Wandelhalle, 8. Stock