Zwei Arbeitsplätze in Esslingen, die unterschiedlicher kaum sein könnten – zumindest was die Temperatur angeht. Einer heiß, der andere kalt.
Auf dem Bau schwitzen die Arbeiter bei 40 Grad. Derweil braucht der Eismann-Lieferant Thermohandschuhe, um sich keine Erfrierungen zu holen. Wir sprachen am Dienstag, dem bislang heißesten Tag des Jahres, mit Menschen in Esslingen, deren Arbeitsplätze an den beiden Enden des Thermometers liegen.
„Was machen wir erst im Sommer?“, scherzt Keven Aksak, Facharbeiter auf einer Baustelle in der Ulmer Straße in Esslingen, auf die Frage, wie er mit der Hitze klarkommt. Denn, egal wie heiß es draußen ist, Hitzefrei gebe es bei ihnen nicht.
Bei Straßenarbeiten besonders unangenehm, da sich der Asphalt über den Tag aufheizt. Schatten gibt es keinen. Ein Geheimnis, wie man die Temperaturen von bis zu 40 Grad in der prallen Sonne ertragen könne, gebe es nicht. Aksak zuckt mit den Schultern und schüttelt mit dem Kopf: „Viel trinken“, sagt er, „drei bis fünf Liter Wasser am Tag.“
Er und sein Kollege Eric Weiss, der als Maschinenführer arbeitet, haben für die kurze Gesprächspause ihre Helme gegen Sonnenmützen getauscht. Die Helme seien bei der Hitze unangenehm, aber auf der Baustelle Pflicht. Ohne Kopfbedeckung gehe es aber wegen der Sonnenstrahlung nicht. „Sonnenschutz ist absolut wichtig auf der Baustelle“, sagt Weiss. Die Gefahr von Hautkrebs sei bei der täglichen Arbeit im Freien sehr hoch. Sonnencreme, Kopfbedeckungen und Getränke bekämen sie von ihrem Arbeitgeber gestellt. Ein älterer Kollege, der hört, was die beiden erzählen, ruft im Vorbeigehen: „Schreiben sie auch, wie die sich das in Berlin denn vorstellen. Es wird jedes Jahr heißer und wir sollen immer länger arbeiten. Mit 70 Jahren bei 40 Grad zu arbeiten, geht einfach nicht.“
Kein Entkommen
Der Mittagssonne entkommen, gehe leider wegen der Arbeitszeiten kaum. „Wir können nur morgens früher anfangen, damit wir abends früher aufhören können, aber wir müssen ja auf unsere Stunden kommen“, sagt Aksak. Der Sommer sei schlimmer als der Winter, erklärt Weiss. „Im Winter kann man sich eine Jacke anziehen, aber im Sommer kann man einfach nichts machen.“
Am anderen Ende des Thermometers
In der Esslinger Niederlassung des Lebensmittellieferanten Eismann in der Fritz-Müller Straße trägt der regionale Vertriebsleiter Karsten Störmer eine Jacke und Handschuhe, als er Waren in dem mehr als 200 Quadratmeter großen Kühlhaus verschiebt. Dort werden bei konstant Minus 22 Grad Lebensmittel gelagert. Lang könne man sich darin nicht aufhalten. Dies sei im Normalfall auch nicht nötig, da die Lieferanten nur ihre Waren abholen müssen. Für längere Aufenthalte gelten strenge Arbeitsschutzgesetze. Nach spätestens zwei Stunden im Tiefkühlraum ist laut Arbeitsschutzgesetz eine 15-minütige Aufwärmpause Pflicht. Auch Kälteschutzkleidung ist vorgeschrieben.
Die Eismänner, die mit ihren Tiefkühlwagen die Waren ausliefern, würden es durchaus genießen, wenn sie zwischendurch die kalte Luft der Kühlkammern einatmen oder sich tief in ihre Kühltruhen lehnen könnten, um Waren aus den Lastern zu holen. „Um besser durch die Hitze zu kommen, spendet Eismann derzeit Eis an Vereine“, sagt Störmer.
Gewohnt cool
Roland Hoffmann ist seit knapp 35 Jahren Lieferfahrer bei der Firma Eismann und hat bei der Arbeit seine persönliche Kühlkammer immer dabei. Im Tiefkühlfach seines Lastwagens herrschen sogar Minus 40 Grad. „Das sind 80 Grad Temperaturunterschied zu draußen“, sagt Hoffmann.
Anfassen kann er die Ware nur mit Thermohandschuhen, um sich keine Erfrierungen zu holen. Er sieht die gelegentliche Abkühlung beim Be- und Entladen eher pragmatisch. „Das ist reine Gewöhnungssache. Im Prinzip ist das für den Körper auch Stress.“ Der ständige Wechsel zwischen Hitze und Kälte sei wie eine Art Sauna – und das zigfach täglich.