Auch die Berliner kämpfen mit der Hitze. Foto: dpa

Die rot-rot-grüne Regierung in Berlin zeigt sich großzügig. Im Südwesten ist Hitzefrei in der Verwaltung kein Thema. Man darf früher anfangen oder muss nacharbeiten.

Stuttgart - Wer von dem Vorurteil beseelt ist, dass eine rot-rot-grüne Regierung den Menschen das Paradies auf Erden verheißt, ohne die Folgen zu bedenken, mag sich bestätigt sehen: In Berlin haben mehrere Senatsverwaltungen ihren Mitarbeitern vorige Woche hitzefrei gegeben. Von 14 Uhr an durften sie Dienstschluss machen – angerechnet wurde ein voller Arbeitstag. Die Aufwallungen darüber veranlassten Arbeitssenatorin Elke Breitenbach (Linkspartei) und Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) zur Revision der Arbeitszeitverkürzung. Doch Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) erlaubt, dass alle Mitarbeiter bis zu diesem Donnerstag die Arbeit um 14 Uhr einstellen, ohne Versäumtes nachzuholen. Deswegen komme der Wohnungsbau nicht zum Erliegen, meint ihre Sprecherin.

Im öffentlichen Dienst scheint vieles möglich, doch Hitzefrei hat sich bundesweit betrachtet sonst in keinem Bundesland durchgesetzt. In Baden-Württemberg machen sich nicht einmal die Gewerkschaften eine solche Forderung zueigen. Im Land würden die Dienststellen das Thema eigenständig handhaben, sagt ein Verdi-Sprecher. Und Beschäftigte mit Gleitzeitregelung könnten ihre Arbeit den Temperaturen anpassen. Das Regierungspräsidium Stuttgart etwa habe die Gleitzeit ausgeweitet – dort dürfe schon um fünf Uhr in der Frühe anfangen, wer die kühleren Stunden ausnutzen will. Ähnliches sei von Außenbeschäftigten zu vernehmen.

Ab 35 Grad wird es schwierig im Büro

Auch der Landeschef des Beamtenbundes, Kai Rosenberger, hält es für „nicht realistisch, dass die Berliner Verhältnisse auf Baden-Württemberg übertragen werden“. Laut der Arbeitsstättenverordnung müsse der Arbeitgeber gewährleisten, dass der Arbeitsplatz kein gesundheitliches Risiko darstellt. In Stuttgart und Karlsruhe gebe es Dienstgebäude, in denen derzeit zwischen 30 und 35 Grad gemessen würden. Klimaanlagen fehlten fast überall, und oft verhindere der Denkmalschutz sogar Außenjalousien. Bei mehr als 35 Grad im Büro werde das Arbeiten unzumutbar. Beschäftigte mit Kernarbeitszeiten könnten dann, wenn es dem Dienstbetrieb nicht entgegensteht, früher gehen. „Meines Wissens nach wird die Arbeitszeit dann nachgearbeitet.“ Und überhaupt: es werde ja schon erträglicher.

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