Die Allee im Schlossgarten besteht aus Platanen – der Baumart setzt der Klimawandel zu. Foto: imago/Arnulf Hettrich

Wenn es in Stuttgart heißer und trockener wird, leiden auch Zehntausende Straßenbäume. Und einige Baumarten in der Stadt sind nicht für zunehmend hohe Temperaturen gemacht. Unsere Daten zeigen, wie groß das Problem ist.

In der Rotenbergstraße lebt es sich beengt – zumindest als Bergahorn. Ein paar Quadratmeter Platz auf einem Grünstreifen, zwischen Asphalt, Häusern, Autoabgasen, mehr bleibt vielen Stadtbäumen nicht, die an der Straße im Stuttgarter Osten stehen.

 

Und während sie für Schatten und Kühle in den immer heißeren Sommern im Stuttgarter Kessel sorgen sollen, bringt genau der Klimawandel die Bäume in der Stadt auch in Gefahr. „An der Straße entstehen unheimliche Temperaturen, die im Wald unmöglich wären“, sagt etwa Robert Gliniars, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hohenheimer Gärten der Uni Hohenheim. Das liege etwa an der Hitzeabstrahlung von Asphalt und Beton. Aber auch der wenige Raum und etwaige Verletzungen machten den Stadtbäumen zu schaffen, sagt Gliniars. Nicht alle Baumarten sind gleichermaßen dafür gewappnet, mit den Stressfaktoren am Straßenrand umzugehen.

Viele Ahornbäume in Stuttgart – und nicht alle sind hitzefest

Der Ahorn ist der häufigste Stadtbaum in Stuttgart, fast jeder vierte Baum gehört zu dieser Gattung. Das zeigt das Baumkataster der Stadt, in dem rund 111 400 Bäume verzeichnet sind. Es umfasst Straßenbäume und Einzelbäume in Parks, um die sich das Gartenamt kümmert, allerdings ohne Wilhelma und Schlossgarten (mehr zum Kataster siehe unten).

Nur ein Teil der Ahornsorten gilt als gut geeignet für Städte mit zunehmender Hitzeentwicklung, etwa Feld- und Spitzahorn, die zusammen etwa 17 000 Bäume ausmachen. Sie sind laut einer Liste der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz generell geeignet für ein Stadtbaumdasein, manche Untersorten allerdings mit Einschränkung. Getestet werden die Kandidaten unter anderem auch in Stuttgart. Die meisten Bergahorn-Sorten fallen demnach durch, nur die Sorte Bruchem ist „mit Einschränkungen“ als Straßenbaum geeignet. Auch Robert Gliniars von der Uni Hohenheim sagt: „Der Bergahorn hat ziemliche Probleme mit Hitze.“ Von der Stadt Stuttgart heißt es, dass man Bergahorn an den Straßen sukzessive gegen geeignetere Sorten austausche.

Das sind die „Sorgenkinder“ Stuttgarts

Bei der Stadt sieht man vor allem andere Bäume als die „Sorgenkinder“ im Hinblick auf zunehmenden Hitze- und Trockenstress. Etwa die rund rund 4500 Platanen sowie die 3200 Rosskastanien und 2700 Birken. Das heißt: Rund jeder zehnte Baum im Verzeichnis gilt als anfällig für Trockenheit, weil diesen drei Arten die Kombination aus Umweltstress und Schädlingen besonders zusetzt. Rechnet man den Bergahorn hinzu, würde sich der Anteil weiter erhöhen.

Diesen Sorgenkindern gegenüber stehen aber auch größere Bestände, denen der Klimawandel nicht ganz so stark zusetzen dürfte. Auf Platz zwei der häufigsten Arten liegt die Hainbuche mit über 11 000 Exemplaren. Sie gilt generell als besser vorbereitet auf ein heißeres und trockeneres Klima in der Stadt. Mit 12 Prozent ist ihr Anteil an den Stadtbäumen deutlich höher als beispielsweise der der Rosskastanien, die deutschlandweit recht häufig in Städten vorkommt.

Wie man die Stadtbäume hitzebeständiger macht

Weil sie besonders gut mit Hitze und Trockenheit umgehen können, pflanzt man in Stuttgart laut der Stadt inzwischen auch neue Arten. Dazu zählen unter anderem Dornenlose Gleditschien, Roteschen und Schmalblatt-Eschen. Doch besonders viele gibt es von ihnen noch nicht, im Baumkataster tauchen erst rund 125 Exemplare auf.

Eine Lösung könnte auch sein, Saatgut und Jungbäume hiesiger Sorten aus trockeneren Gebieten Deutschlands zu holen, sagt Robert Gliniars von der Uni Hohenheim. Diese seien dann genetisch besser an trockene und heiße Bedingungen angepasst. Ein Allheilmittel sei aber weder das noch ganz neue Baumsorten, sagt Gliniars: „Wenn so lange Trockenperioden wie in den vergangenen Jahren immer wieder kommen, wird es für den Großteil der Baumarten eng.“

Bäume in Stuttgart

Baumkataster
Im Baumkataster der Stadt sind rund 111 400 Bäume verzeichnet – mit genauem Standort und Art. Das Verzeichnis dient der Stadt dazu, sich systematisch um die Bäume zu kümmern. Nicht im Kataster stehen allerdings Bäume in Gehölzen, die also in engeren Gruppen in Parks oder an Böschungen stehen. Insgesamt kümmert sich die Stadtverwaltung hochgerechnet um rund 185 000 Bäume. Dazu kommen die Bäume in den Wäldern rund um Stuttgart, dort stehen noch einmal deutlich mehr.

Parks
Bäume, die im Schlossgarten, am Schloss Solitude oder in der Wilhelma stehen, tauchen nicht im Kataster der Stadt auf. Die Flächen gehören dem Land Baden-Württemberg, die Parkpflege der Wilhelma kümmert sich nach eigenen Angaben um rund 12 000 Bäume.