Es ist Hochsommer. In Zeiten der Klimakrise bedeutet das extreme Temperaturen, die nicht alle gut wegstecken können. Drei Risikopersonen erklären, welche Vorkehrungen sie treffen.
Die zunehmende Hitze gefährdet die Gesundheit. Die Folgen des Klimawandels sind allerdings nicht für alle gleich riskant. Ältere und Kinder haben besondere Probleme, das gilt aber auch für Schwangere oder Menschen, die draußen arbeiten. Um Hitzephasen gut zu überstehen, müssen sie besonders aufpassen.
Die Mittagsstunden sind nichts für Schwangere
Die 29-jährige Ärztin Irina Nardin aus Stuttgart hat vor wenigen Tagen ein Kind bekommen – und erzählt von ihrer Schwangerschaft: „Am Anfang habe ich mich total gefreut: Ich bekomme ein Sommerkind! Es ist ja cool, im Sommer Geburtstag zu feiern. Für die Geburt unseres Sohnes wurde der 21. Juli berechnet, er kam dann schon am 10. Juli auf die Welt. Heute würde ich sagen: Im Sommer hochschwanger zu sein, ist schon anstrengend. Aber es hat auch Vorteile: Man braucht viel weniger Umstandskleidung, weil man meistens nur T-Shirt und Hose trägt.
Hebammen raten schwangeren Frauen dazu, die Mittagsstunden in der Hitze zu meiden und mehr zu trinken als normalerweise, daran habe ich mich gehalten. Trotzdem hatte ich immer wieder Kreislaufschwierigkeiten. Seitdem ich in Mutterschutz war, bin ich meistens morgens eine Runde spazieren gegangen, wenn es noch nicht so heiß war, danach habe ich mich noch einmal hingelegt. Denn leider habe ich in der Schwangerschaft ziemlich schlecht geschlafen, manchmal kam ich nur auf drei Stunden. Die Temperaturen sind nicht förderlich.
Wenn man schwanger ist, fühlt sich alles noch etwas wärmer an. Im Geburtsvorbereitungskurs haben andere Frauen erzählt, dass sie normalerweise große Schwierigkeiten haben, im Schwimmbad ins Wasser zu gehen – und das nun gar kein Problem mehr wäre. Man hat ein anderes Temperaturempfinden.
Ende Juni, also zwei Wochen vor der Geburt unseres Sohnes, war ich mit meinem Freund noch beim Kessel-Festival auf dem Cannstatter Wasen. Wir sind aber an beiden Tagen nur für jeweils einen Auftritt geblieben und kurz danach wieder nach Hause gegangen, es wäre für mich sonst zu viel gewesen. Und wir standen nicht vorne bei der Bühne, sondern saßen weiter hinten im Schatten eines Bauzauns.
Wenn wir noch ein Kind bekommen, wäre ein Geburtstermin im Frühling etwas angenehmer als Mitte Juli. Aber so richtig planen lässt sich das natürlich nicht.“
Bei Hitze kocht schon mal der Kopf des Solarteurs
Der 35-jährige Simon Läpple ist Solarteur und Geschäftsführer einer Firma in Althengstett (Kreis Calw). Er montiert auch in der Region Stuttgart. Er berichtet, wie er es bei Extremhitze auf dem Dach aushält: „Die Hitze macht mir definitiv zu schaffen. Wenn der Kopf kocht, wie wir sagen, dann lässt die Konzentration nach. Aber ich habe eine gute Grundfitness. Wenn es sehr heiß ist, mache ich mehrere kleine Pausen, wir versuchen, einen Schattenbereich zu gestalten auf dem Dach, es gibt die Möglichkeit, Pavillons zu stellen oder ein Sonnensegel zu spannen. Ich mache viele Trinkpausen, an heißen Tagen geht zu zweit ein Kasten Sprudel weg. Ich esse eher leichte Kost, also keine Schweinshaxe, und ich versuche, meinen Körper so wenig wie möglich zu belasten.
Ich mache auch nur eine kurze Mittagspause, um die Pausenzeiten über den Tag zu verteilen. Man merkt, wie es in den Nachmittagsstunden noch mal deutlich wärmer wird. Das versuchen wir zu umgehen, indem wir früh anfangen. Wenn wir eine Stunde Anfahrt haben, kann es sein, dass wir schon um halb sechs losfahren. Wir müssen aber darauf achten, dass die Ruhezeiten eingehalten werden.
Außerdem ist Hautschutz ein Riesenthema. Wir verwenden Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50, und auch hochpreisige Produkte, die wasserfest sind, damit man sich über den Tag nicht so oft eincremen muss. Das mache ich schon, bevor ich auf die Baustelle fahre. Sonnenbrand bekomme ich eigentlich nie. Ich schütze mich natürlich auch mit Kleidung, Kopfbedeckung, Strohhüten oder Mützen mit einem Sonnenschutztuch im Nacken. Ich persönlich trage ganz normale T-Shirts, ich achte aber auf die Stoffqualität wegen der UV-Strahlung. Was auch ganz wichtig ist: Sonnenschutz für die Augen. Eine Sonnenbrille mit sehr guten UV-Filter, also kein Standardprodukt.
Es ist übrigens nicht so, dass wir im Sommer wegen der Hitze weniger Solarzellen verbauen. Im Winter ist man nicht so schnell bei der Montage auf dem Dach. Ich bin Solarteur mit Leib und Seele, und mir gefällt es, wenn es warm ist, ich gehe auch gern nach Griechenland in den Urlaub. Natürlich merke ich die körperliche Mehrbelastung, aber ich arbeite lieber bei sehr guten Wetter, auch bei Hitze, als bei minus zehn Grad oder Regen.“
Manchmal schwächelt der Kreislauf der Seniorin
Die 88-jährige Waltraut Eipperle lebt seit zwei Jahren im Pflegeheim St. Martinus der Caritas in der Olgastraße. Sie erzählt: „Die Hitze ist schlimm für mich. Ich fühle mich schwach und habe gar keine Lust, etwas zu unternehmen. Manchmal spielt auch der Kreislauf etwas verrückt. Ich sehne wirklich die kühleren Tage herbei, dann geht es mir deutlich besser. Ich mag sowieso eher das Kalte – von mir aus müsste es nie mehr als 15 Grad haben. Für die bettlägrigen Mitbewohner muss die Hitze viel schlimmer sein.
Gegen die hohen Temperaturen kann ich leider wenig tun, ich muss sie irgendwie aushalten. Im Haus Martinus gibt es keine Klimaanlage, obwohl das Haus erst vor wenigen Jahren renoviert worden ist. Aber dafür hat die Caritas keine Zuschüsse bekommen. Wenn man die großen Fenster und die Tür öffnet, gibt es zumindest ein wenig Durchzug. Das Haus bietet jetzt kühle Getränke, Smoothies oder Eiskaffee an, und auch beim Essen wird darauf geachtet, dass es leicht ist, wie Gemüse oder Salat, und dass es viel Wasser enthält, wie Melonen oder Eis.
Mein Mann, mit dem ich 64 Jahre lang verheiratet war, ist vor drei Jahren gestorben. Hier im Heim habe ich Gerhard kennengelernt, der ein Jahr älter ist als ich. Es ist eine verrückte Sache, damit hätte niemand gerechnet, auch meine vier Kinder nicht. Aber alle freuen sich. Gerhard macht morgens oft grünen Tee mit Zitrone, Ingwer und Honig und lässt ihn im Kühlschrank kalt werden. Das schmeckt lecker und tut bei den hohen Temperaturen gut. Zum Glück haben wir beide einen kleinen Kühlschrank auf unserem Zimmer. Gut wäre es vielleicht, wenn das Heim einen größeren Kühlschrank nur für Getränke anschaffen könnte.
Oft gehen wir auch früh am Morgen zusammen spazieren, wenn es noch nicht so heiß ist, manchmal bis zum Wochenmarkt auf dem Marktplatz. Aus Sicherheitsgründen sind wir immer zu zweit unterwegs – wir sind beide nicht mehr so gut zu Fuß. Aber sonst schimpfen wir halt miteinander über die Hitze. Ich stamme aus Ostpreußen und bin als 17-Jährige nach Stuttgart gekommen. Seither wohne ich in der Innenstadt – dass es hier noch heißer sein soll als anderswo, mag sein. Aber für mich war das schon immer so.