In der Hauptrolle: Rupert Friend als Agent 47 Foto: Fox

Aleksander Bach hat an der Film­akademie in Ludwigsburg Werberegie studiert. Jetzt läuft sein erster Blockbuster im Kino. Im Interview spricht der Filmemacher über seinen Aufstieg.

Stuttgart - Guten Tag Herr Bach, Deutschland oder USA – wo erwischen wir Sie?
Ich bin derzeit in Berlin. Ich lebe hier, bin aber auch sehr regelmäßig in den USA.
Sie haben Ihre Karriere als Werberegisseur begonnen. In „Hitman: Agent 47“ ist jetzt Ihr erster Hollywood-Blockbuster im Kino. Skizzieren Sie bitte mal, wie es dazu kam!
Ich habe von 2006 bis 2010 Werberegie an der Filmakademie in Ludwigsburg studiert und bereits während meines Studiums angefangen, Werbespots für Kunden zu drehen. Ich hatte dann die große Ehre, 2008 und 2009 den Young Directors Award – einen Nachwuchspreis in Cannes – zu gewinnen.
Inwieweit hat das Ihre Arbeit beeinflusst?
Dass ich diesen Preis zwei Jahre hintereinander gewonnen habe, hat relativ viel Aufmerksamkeit erregt. Dadurch fiel es mir leichter, in der Werbung zu arbeiten. Die Agenturen haben mich beobachtet. Und scheinbar auch Hollywood. Die haben Ihre Scouts ja überall.
Wie ging es weiter?
Ich habe die Schule fertiggemacht, Spots für größere Kunden gedreht – und überraschenderweise kam im März 2012 dann ein Anruf von 20th Century Fox bei meiner Managerin. Nur zwei Wochen später traf ich den Präsidenten von Fox International in Berlin.
Hat er Ihnen erklärt, warum er Sie haben wollte?
20th Century Fox hatte Interesse an mir aufgrund einer ganz bestimmten Arbeit, für die ich 2009 auch den Preis gewonnen habe.
Was ist das Signifikante in diesem Spot?
Mich reizen Kontraste in Themen, die vielleicht so gar nicht möglich sind. In dem Fall war es ein Schwarzweiß-Film für das Internationale Rote Kreuz mit einer Tänzerin, die in einem Kriegsszenario anfängt zu tanzen. Und darin sind Emotionen zu sehen, die ihn gefesselt haben. Er wollte bei Agent 47, einem hochintelligenten und eiskalten Killer, eine gewisse Menschlichkeit geben. Für mich klang das sehr spannend, weil ich mich eben diese Kontraste in Charakteren reizen.
Welche Verbindung hatten Sie zu diesem Zeitpunkt zu der Computerspielserie Hitman?
Ich bin kein Gamer, sondern Filmemacher. Ich war zunächst mehr fasziniert von der Figur Agent 47 als vom Skript und habe mich gefragt: wie viele Emotionen verträgt so ein kühler Charakter? Dann habe ich angefangen, das Computerspiel zu studieren und daran zu arbeiten.
Sie waren allerdings nicht der einzige Regisseur, den das Studio im Blick hatte. Parallel lief eine Ausschreibung. Wie haben Sie die Macher überzeugt?
Sie mochten die Vision, die ich von dem Film hatte. Aber als die Frage aufkam, wie ich mir die Action vorstelle, hatte ich das Gefühl, dass ich ihnen auch etwas zeigen muss. Deswegen habe ich mich mit meinem Editor drei Wochen lang eingesperrt, habe mich selber vor die Webcam gesetzt und aus verschiedenen Filmen und Werbespots eine Art Stimmungstrailer zusammengeschnitten. Das Ganze habe ich dann nach Los Angeles geschickt.
Und wie sah die Reaktion aus?
Sehr positiv. Wie mir im Nachhinein erzählt wurde, fanden sie das grandios. An einem Freitagabend im Mai 2012 bekam ich einen weiteren Anruf vom Präsidenten von Fox International. Er sagte: „Ich will, dass du diesen Film machst.“
Wie sind Sie damit umgegangen?
Ich musste mich erst mal setzen, weil ich nicht genau wusste: was bedeutet das jetzt? Das war einfach etwas anderes von der Größe und Volumen her, als ich bis dahin gemacht hatte. Ursprünglich sollte es noch im Sommer 2012 losgehen. Aber die Uhren ticken anders in Hollywood.
Inwiefern?
Der Casting-Prozess war lang, auch sonst hat sich einiges verschoben. Letzten Endes haben wir erst von Februar 2014 angefangen zu drehen. Die Dreharbeiten dauerten dann drei Monate lang.
Die Drehorte sind Berlin und Singapur – ein ungewöhnlicher Mix.
Die ganze Story ist in Berlin angesiedelt gewesen, was mich gefreut hat. Berlin ist eine tolle Stadt, die man so oft noch nicht auf einer Leinwand gesehen hat. Und als Kontrast haben wir uns für Singapur entschieden. Das war ziemlich spannend.
Können Sie das konkretisieren?
Wir hatten Berlin als Drehort, das im Februar kalt und grau ist. Und dann kamen wir in das in das tropisch-heiße, architektonisch hochklassige und grüne Singapur – da geht noch mal ein riesiger visueller Fächer auf.
Welche Erfahrungen haben Sie während der Schnittphase als Hollywood-Neuling gemacht?
Ich war First-Time-Director, das ist ein feststehender Begriff in LA – der Regisseur bewegt sich da in einer Art Box. Nach zwei Schnittfassungen wird einem der Film dann auch weggenommen. Das kann ganz schön schmerzhaft sein. Es ist aber kein Art-House- und auch kein Independent-Film. . .
. . . sondern ein Studio-Film.
Genau. Das darf man nicht vergessen. Ab einem gewissen Punkt wird es extrem politisch, die Beteiligten in den USA sind oft Alphatiere. Wer selber nicht auch eines ist, überlebt dort nicht. Da geht es richtig zur Sache, da muss man auch mal seine Meinung durchdrücken.
Was als First-Time-Director schwierig sein dürfte.
Lassen Sie es mich so sagen: Es gibt extrem viele Köche – was es nicht einfacher macht. Der Film, der jetzt im Kino ist, ist nicht unbedingt so, wie ich ihn ursprünglich hatte.
Das bedeutet?
Mein Film war langsamer, filigraner und weniger blutig. Das Ergebnis hat ja jetzt schon ein sehr hohes Tempo und wurde vom Studio sehr in die Genre-Box gepresst. Das ist das, was Studios eben machen: kommerzielle Filme. Und das muss man verstehen. Ich sehe diesen Film deshalb als einen ersten Einstieg an. Und von Film zu Film muss man es sich halt erarbeiten, dass man seine eigene Handschrift wieder stärker in den Vordergrund bringen kann. Damit man irgendwann auch die Filme machen kann, die man wirklich machen will.
Welche Rolle hat es gespielt, dass Sie eigentlich Werberegisseur sind?
Das Schöne in den USA ist, dass man dort nicht zwischen Werbe-, Musikvideo- oder Spielfilmregisseur unterscheidet – was ich sehr gut finde. Dadurch bekommt man tatsächlich die Chance, nach den Sternen zu greifen. Man muss dann nur auch performen – sonst ist man ganz schnell wieder weg.
Welche Eigenschaften würden Sie als Ihre Stärken bezeichnen?
Neben meinem polnischen Herz und dem Talent, emotionale Geschichten zu erzählen, bin sehr gut organisiert und kein Regisseur, der komplett ausufernd ist. Und ich bin durch die Werbung daran gewöhnt, auch budgetär zu denken. Moderne Regisseure müssen auch die Produktionsseite auf dem Schirm haben und einschätzen können. Es wird immer schwieriger, große Filme zu finanzieren. Vielleicht ist es zusätzlich das, was sie an mir mögen.
Was ist der nächste Schritt für Sie?
Aktuell läuft eine neue Hyundai-Kampagne von mir mit der Schauspielerin Hannah Ware aus Agent 47. Das ist der erste große Spot für mich gewesen seit den Hitman-Arbeiten. Ich habe jetzt wieder mehr Zeit für Werbung, arbeite parallel aber schon an meinem neuen Spielfilm mit dem Studio Lionsgate/Summit. Es ist cool, dass es so geht. Ich mag beides wirklich gerne.
Ihr nächster Spielfilm heißt „Revoc“. Um was geht es?
Es ist ein Alien Science-Fiction-Thriller. Das ist ein ganz anderes Genre. Ich muss dazu sagen: Ich wollte ja gar nicht so vehement Action machen, das hat sich bei „Hitman: Agent 47“ halt so ergeben. Mir geht es primär immer um die Charaktere. Und im Fall von „Revoc“ ist es eine sehr emotionale Geschichte zwischen einem menschlichen Wesen und einem Alien – mehr verrat’ ich nicht.
Wann kommt er in die Kinos?
Das wird bestimmt noch zwei, drei Jahre dauern. Wir sind derzeit noch in einem sehr frühen Stadium, in der Drehbuch-Entwicklung. Es wäre toll, wenn wir nächstes Jahr schon drehen könnten. Aber wenn ich bei Hitman eines gelernt habe, dann ist es, Geduld zu haben.
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