Die Badezeit dauerte 1909 vom 15. Mai bis zum 1. Oktober. Foto: Stadtarchiv Marbach

Im Stadtarchiv von Marbach sind Zeichnungen und Lage-Skizzen des ehemaligen Neckarbads gefunden worden. Fenja Sommer erzählt anhand derer in den nächsten Wochen die Historie der Badeanstalt.

Marbach - Der Sprung ins kühle Nass, planschen, schwimmen – schon vor mehr als 100  Jahren schätzten die Menschen im Sommer das kühle Nass. Im 19. Jahrhundert gab es bereits Badehäuschen am Neckar. Mit dem Kraftwerksbau von 1897 sollten die am Mühlkanal bestehenden Badeplätze nicht beeinträchtigt werden und wurden an den Wehrablauf bei der Schleuse hinter dem Mühlwörth verlegt, der Kinderbadeplatz wanderte vom Mittleren Wehr an den Kanal. Nun ist im Marbacher Stadtarchiv eine noch nicht erfasste Akte aufgetaucht, die auch Zeichnungen des Badeplatzes enthält. Die detaillierten Zeichnungen von 1909, 1931 und 1940 zeigen die Pegelstände des Wassers sowie Skizzen des Neckarbads.

 

Die älteste Zeichnung ist auf das Jahr 1900 datiert. Zum Teil handelt es sich bei den Zeichnungen auch um Lage-Skizzen, auf denen erkennbar ist, wo sich das Neckarbad befand, wie es sich mit dem Zuflusskanal des Neckars verhielt und wo die Auskleideräume zu finden waren. Im Postillon, dem Vorgänger der Marbacher Zeitung, wurden im Jahr 1900 außerdem Baderegeln abgedruckt: „Eine besondere Spezialität derjenigen jüngeren Herren, die der Nacht den Charakter der Ruhezeit abstreiten, ist es, am frühen Morgen den brummenden Kopf durch ein kaltes Schwimmbad zu beruhigen. Das mag für den Augenblick gut sein, kann aber die schlimmsten Folgen haben.“ Diese „Anti-Katerkur“ sei nicht zu empfehlen, da man „nicht nach durchschwärmter Nacht oder nach übermäßigen körperlichen Anstrengungen“ baden solle.

Umbau des Wehrs verursacht Schäden

Erster Betreiber war der Schreiner Emil Bauer. Er verpflichtete sich, hinter dem Mühlwörth eine Badeanstalt zu errichten. Weil der Neckar an dieser Stelle so tief war, wurde eine schwimmende Badeanstalt gebaut. Gefordert wurde von der Verwaltung dabei auch, dass der Zugang zu den Kabinen „gefahrlos“ sein musste. Gemeint war damit, dass die Badenden von Außenstehenden nicht gesehen werden durften. Auch wurde eine eigene Schutzvorrichtung gegen das Anspülen von Gegenständen gebaut.

Die Badezeit wurde 1900 auf die Dauer vom 15. Mai bis 1. Oktober festgelegt, dann musste der Abbau erfolgen. Der Eintritt für Erwachsene kostete 20 Pfennig, für „nicht Konfirmierte“ 5 Pfennig. Am Ufer wurden Bänke für die Wartenden aufgestellt. Doch es gab Probleme: So klagte Emil Bauer im Juli 1901 über Umbauten am Wehr, wodurch es zu Schäden am Freibad gekommen war und das notwendige Wasser zum Baden teilweise fehlte. 1907 reichte Bauer seine Kündigung ein. Begründet wurde dies durch die rasche Abnutzung des Bades sowie die Gefahr durch Hochwasser. Außerdem gab es Konkurrenz durch das Bad Hoheneck. Ebenso monierte Bauer die Trockenlegung des Kanals, ohne ihm Bescheid zu geben.

Schimmvereine und Elektrizitätswerk mahnen

1909 wurde ein Schwimmfest geplant, um auf die Gefahr des Ertrinkens hinzuweisen. „Das Bestreben der deutschen Schwimmvereine ist, das Schwimmen auch in kleinen Städten und Dörfern mit der Zeit obligatorisch, gerade wie das Turnen, einzuführen“, so der Stuttgarter Schwimm-Verein „Delphin“. Das Städtische Elektrizitätswerk wies zudem darauf hin, „dass Schwimmer in den Unterkanal des Werks geschwommen sind, was wegen eventueller rascher Ziehung der Fallen ausserordentlich gefährlich ist“. Auch wurde kritisiert, dass „die Badenden glauben die ganze Insel willkürlich benutzen zu dürfen“. Aus Sittlichkeitsgründen solle niemand sich in unbekleidetem Zustand über die Grenzen des Badeplatzes hinausbegeben.