Der gebürtige Kraichgauer Sebastian Weygandt, Porträt- und Hofmaler in Kassel, verewigte 1810 König Jérôme und Königin Katharina von Westfalen, ehemalige Äbtissin von Oberstenfeld, in Öl auf Leinwand.Foto: aus Hansmartin Decker-Hauff: Frauen im Hause Württemberg, Leinfelden-Echterdingen, 1997 Foto:  

In Oberstenfeld wohnte einst eine Bonaparte: Die Äbtissin des Stifts heiratete Jérôme, den lebenslustigen Bruder des französischen Kaisers.

Es war ein denkwürdiger Tag für das Ländle: Am 1. Januar 1806 wurde es zum Königreich und aus Kurfürst Friedrich II. in einem großen Festakt König Friedrich I. von Württemberg. Kaiser Napoleon Bonaparte ließ ihm diese Würde angedeihen. Doch bereits drei Jahre zuvor hatte die große Weltpolitik das Bottwartal gestreift, genauer das Oberstenfelder Stift.

 

Das Stift wurde im 11. Jahrhundert gegründet

In dem begüterten Stift, das laut Urkunde im 11. Jahrhundert gegründet und 1540 evangelisch wurde, lebten begüterte, unverheiratete Töchter aus adligem Hause in Keuschheit und Gehorsam, indes nicht in Armut. Demnach sollen die Damen gut gegessen, täglich frisches Bier getrunken und so manchen guten Bottwartal-Tropfen goutiert haben. Aber auch der Glaube war Programm in dieser Versorgungseinrichtung für unverheiratete Adelstöchter. So gehörte zu ihren Aufgaben, für das Seelenheil ihrer Angehörigen und Stifter zu beten.

Im Jahr 1803 vermachte Napoleon das reiche Stift nicht nur dem Hause Württemberg. Er konnte so auch seinen lebensfrohen Bruder Jérôme unter die Haube bringen. Er verheiratete den Schwerenöter mit der Oberstenfelder Äbtissin. Diese wiederum war keine geringere als die Tochter von König Friedrich von Württemberg: Friederike Katharina Sophie Dorothea von Württemberg. In St. Petersburg – nach dem frühen Tod der Mutter – aufgewachsen, dann von ihrer Großmutter Friederike Sophie Dorothee in Mömpelgard, also Montbéliard, erzogen, kam sie 1798 zu ihrem Vater nach Stuttgart zurück. Er sollte sie schließlich zur Äbtissin von Oberstenfeld ernennen.

Nach der Vermählung mit Jérôme Bonaparte wurde sie selbst zur Landesmutter: Napoleon hatte für das Paar, das in Paris bürgerlich und kirchlich getraut wurde, eigens das Königreich Westfalen gegründet. König Jérôme und Königin Katharina von Westfalen residierten und regierten in dessen Hauptstadt Kassel auf Schloss Wilhelmshöhe von 1807 bis 1813 unter Aufsicht Napoleons. Ihren prachtliebenden, leichtlebigen Herrscher nannten die Kasseler Bürgerinnen und Bürger „König Lustig“, da sich seine deutschen Sprachkenntnisse auf den Satz „Morgen wieder lustig“ beschränkt haben sollen. Während dieser 1812 auf Napoleons Russlandfeldzug war, wurde Katharina, die sich auch in Paris, Fontainebleau und Katharinental aufhielt, zur Regentin von Westfalen. Als ein Jahr später die russischen Truppen heranrückten, weil Frankreich die Völkerschlacht von Leipzig verloren hatte, flüchtete Katharina nach Triest. Sie und seinen Schwiegersohn nahm dann König Friedrich auf – nach der Niederlage von Waterloo.

Königin Katharina starb an „Brustwassersucht“

Der Württemberger Regent brachte sie im Jahr 1815 in den Schlössern Göppingen und Ellwangen unter. Das Paar führte zunächst den Titel Grafen von Harz. Doch die Alliierten forderten den Titel abzulegen, also ernannte Friedrich sie zu Fürsten von Montfort. Fortan lebte das Paar im Exil in Österreich, Italien und der Schweiz. In Lausanne erlag 1835 Katharina ihrer Brustwassersucht, Pleuraerguss aufgrund Herzinsuffizienz. Im „Länd“ erinnert die Rose „Catherine de Württemberg“ und in Oberstenfeld der Katharinensaal des historischen Stiftsgebäude an die Äbtissin, die einst zu Napoleons Schwägerin wurde. Er wird – passend – für standesamtliche Trauungen genutzt.