Bevor Johannes Wolff Mundelsheim verwaltete für den Markgrafen Karl II. von Baden-Durlach, war er unter anderem als Diplomat unterwegs.
„ The Man Comes Around“. Der Titel des letzten Albums von Johnny Cash, das zu Lebzeiten des US-Sängers veröffentlicht wurde, hätte zu Johannes Wolff gepasst. Kam doch der Mann fast 500 Jahre früher herum – als Jurist, Diplomat, Übersetzer, Historiker und Theologe. Sesshaft wurde er nach der Heirat mit Maria Magdalena Achtsynit, Tochter des badischen Kanzlers: Als „Amtmann“, also Beamter des Markgrafen Karl II. von Baden-Durlach, war er oberster Dienstmann und verwaltete von 1574 an die Herrschaft Mundelsheim – bis diese 21 Jahre später an das Herzogtum Württemberg verkauft wurde.
Weltchroniken überarbeitet und übersetzt
Da widmete sich Wolff längst nebenher dem, was ihn vor allem umtrieb: Geschichte und Geschichten erforschen, übersetzen und publizieren. So veröffentlichte er ältere Chroniken, die er überarbeitet und verbessert hatte. Darunter waren Albert Krantz’ Weltchronik der skandinavischen Länder „Regnorum Aquilonarum Chronica“ und dessen Bistumschronik „Metropolis“. Auch an das „Compendium de origine et gestis francorum“ machte er sich 1577, einer Geschichte der französischen Nation, die der Renaissance-Humanist Robert Gaguin 76 Jahre zuvor beendet hatte. Und französische Jagdliteratur übersetzte er ins Deutsche, etwa Jacques du Fouilloux’ berühmtes „La vénerie“ („Von der Jagd“) und „La chasse du loup“ („Wolfsjagd“) von Jean de Clamorgan. Beide illuminierten Handschriften sind in der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart. In der Badischen Landesbibliothek befindet sich Johann Wolffs eigenes, 1584 verfasstes „New Falcknereybuch“.
Warum sprach Wolff bestens Französisch?
Warum der vielfältig Interessierte bestens Französisch sprach? Der – am 15. August 1537 geborene – Sohn des Bergzaberner Bürgermeisters Wolfgang Wolff und dessen Frau Katharina Heygelin besuchte ab dem 15. Lebensjahr das Gymnasium in Straßburg, studierte hernach Theologie und Philosophie an den Universitäten Wittenberg und Tübingen, um sich dann an den Universitäten Bourges, Anger und Dôle der Rechtswissenschaft zu widmen. An letzterer wurde er 1568 promoviert.
Nach dem Referendariat am Reichskammergericht in Speyer folgte er dem Ruf nach Meisenheim; Herzog Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken stellte ihn als Rat ein und übertrug ihm schnell diplomatische Missionen. Anfang 1569, während des dritten Hugenottenkriegs, wurde er etwa zu Frankreichs Königin Caterina de’ Medici geschickt. Auch der Nachfolger Herzog Wolfgangs – Johann I. – setzte Wolff als Diplomat ein. Zeugnis davon und von Wolffs außerordentlich reichhaltigen Dokumentensammlungen liegen in der Schlossbibliothek Pommersfelden: „Die Bände überliefern eine ganze Reihe von Reisetagebüchern und –abrechnungen des vielbeschäftigten Diplomaten“, schreibt Historiker Klaus Graf.
Kirchengeschichte mit 2000 Seiten verfasst
Als Amtmann in Mundelsheim schließlich sollte er insgesamt drei Mal heiraten, Vater von fünf Töchtern und zwei Söhnen werden. Einer davon, Johann Wolff, wurde Bürgermeister von Heilbronn. In der Reichsstadt lebte später auch Johannes Wolff und verfasste ein 2000 Seiten starkes theologisches Werk zur Kirchengeschichte – gegen die katholische Kirche. Sein „Lectionum memorabilium et reconditarum centenarii XVI“ wurde in seinem Todesjahr 1600 in Lauingen gedruckt. Wolffs Grabmal und die Grabmale einiger Verwandter befinden sich in der Mundelsheimer Kilianskirche.