Die Bottwartalbahn transportierte seit Ende des 19. Jahrhunderts Personen und Güter – bis die Strecke Konkurrenz von Bussen und Individualverkehr bekam.
„ Entenmörder“ wurde sie im Volksmund scherzhaft genannt: die Bottwartalbahn. Oder Bottwarbahn, wie sie bei den Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen hieß. Wie viel Federvieh die Schmalspurbahn einst auf ihrer 34,25 Kilometer langen Strecke von Marbach am Neckar entlang der Flüsse Murr, Bottwar und Schozach nach Heilbronn wirklich ins Jenseits schickte? Unklar.
Klar ist: Die „Tss 4“ – Tenderlok für 750-Millimeter-Schmalspur mit vier Treibachsen aus der Maschinenfabrik Esslingen – fuhr auf dem ersten, 1894 eröffneten Teilstück zwischen Marbach und Beilstein. Ab November 1899 kam die Verlängerung bis Ilsfeld dazu, im Dezember 1900 das Reststück bis zum Heilbronner Südbahnhof. Ab Talheim vereinigten sich Schmalspur und „Normalspur 1435 mm“ zum Drei-Schienen-Gleis. „Dabei dient eine der drei Schienen als gemeinsame Schiene für beide Spurweiten“, ist auf Bottwartalbahn.de zu erfahren, der „Bürgeraktion Bottwartalbahn Zur Förderung von Nahverkehr - Bahn-Kleindenkmalen – Tourismus“. Sie informiert faktenreich über die historische Lokalbahn, über ähnliche Bahnen und eine moderne „Bahnverbindung Marbach-Beilstein-Heilbronn“. Eine aktualisierte Machbarkeitsstudie von 2023 zeigt positive Perspektiven für eine mögliche Reaktivierung der Schozach-Bottwartalbahn.
Diese war anfangs ein voller Erfolg dank der Industrialisierung in Ludwigsburg und Heilbronn. Vor dem Ersten Weltkrieg (1914 bis 19189 hatte sie im Personenverkehr die höchste kilometrische Auslastung aller staatlichen Lokalbahnen im Lande. Danach stieg das Aufkommen so stark an, dass rund zwei Dutzend weitere Personenwagen beschafft werden mussten, zum Teil mit der benachbarten Zabergäubahn. Und in den 1930er-Jahren war die Bottwarbahn als einzige Bahnstrecke im Deutschen Reich im amtlichen Reichskursbuch zu finden.
Wie lange florierte die Bottwartalbahn?
In Sachen Güter verkehrten auf dem Südast vorwiegend landwirtschaftliche Produkte wie Zuckerrüben und Wein. Der gewerbliche Schwerpunkt lag in Steinheim. Bis Mitte der 1950er-Jahre florierte die Bottwarbahn, die nach dem Zweiten Weltkrieg (1939 bis 1945) von der Bundesbahn betrieben wurde. Doch letztere begann selbst und mit Auftragsunternehmen allenthalben parallel Bahnbusse einzusetzen. Zudem wuchs der motorisierte Individualverkehr, was den Fahrgastzahlen nicht zuträglich war.
Und so wurde der offizielle Personenverkehr Ende September 1966 eingestellt. Als letzte Sonderfahrt ließ die Bundesbahn nochmals am 30. Oktober 1966 eine Dampflok von Heilbronn Süd bis Marbach und zurück schnaufen, geschmückt mit Blumen und Fähnchen. An der Strecke winkten die Leute, im Zug ging es so melancholisch wie humorvoll zu. „Wir möchten Sie noch ersuchen, während der Fahrt keine Blumen zu pflücken und auch das Überholen des Zuges zu Fuß zu unterlassen“, soll die Reiseleitung ob des gemütlichen Tempos empfohlen haben. Das beschrieb ein Mitreisender als „angetan, um Vierteles-Romantik zu erleben.“
Wann kam das endgültige Aus für die Bottwartalbahn?
Der Güterverkehr zwischen Steinheim und Talheim endete am 31. Dezember 1968 – das endgültige Aus für den Schmalspurbetrieb auf der Bottwarbahn. Versuche, diesen für eine Museumsbahn zu erhalten, blieben erfolglos, die Schmalspurgleise wurden restlos abgebaut. Auch der normalspurige Rumpfbetrieb stoppte Stück für Stück, im Jahr 2000 war alles stillgelegt.