Mit Vorliebe schwäbische Schöpfungen: Der Heimatkundler Holder lehrte in Winzerhausen und schrieb einen Reiseführer durch das Bottwartal.
Zu sein ein Schwabe, Ist auch eine Gabe.“ Der Leitspruch von August Friedrich Nathanael Holder drückt seine Verbundenheit zur Heimat aus. Einige Orte in Schwaben erforschte der Mundartforscher, Literatur- und Lokalhistoriker intensiv. So erschien im Jahr 1897 sein Reiseführer durchs Bottwartal „Das Bottwartal und seine Umgebung“, wie Hermann Ehmer in „Geschichtsblätter aus dem Bottwartal. Band 3“ dokumentiert.
In Winzerhausen war Holder von 1876 bis 1893 als Volksschullehrer tätig, ehelichte Luise Pauline Ziegler, die Tochter des Adlerwirts, bekam mit ihr zwei Töchter. Dass er dort zudem tief in Sachen Ortsgeschichte recherchierte, missfiel Pfarrer Heintzeler, den er als Kantor und Organist unterstützte. Der Geistliche soll sich beklagt haben, dass der Sprach- und Heimatkundler sich in das Dorfleben einmische. Also nahm Holder eine Lehrerstelle in Erligheim an – und musste sich dort noch gegen den Pfarrer verteidigen wegen einer anonymen Beleidigung in einem Prozess. Seine Winzerhausener Zeit beschrieb er 1894 in „Die schlimmsten Erfahrungen meines Lebens“.
Holder wechselt nach Erligheim
Mit dem Erligheimer Pfarrer Samuel Döring lief es besser. Er beschreibt Holder als kleinen Mann voller Leben und Schaffenskraft, den sein Lehrerberuf nicht ausfülle. „Sein Interesse an der schwäbischen Volksdichtung und an der Ortsgeschichtsschreibung ließ Holder zum Schriftsteller werden.“
In ihm brannte die Leidenschaft für Geschichte und Literatur früh. „Schon als Knabe las er mit Vorliebe schwäbische Schöpfungen. Im Jünglingsalter machte er sich mit den wichtigsten Mundartdichtern unseres Volksstammes vertraut“, ist im Zaberbote vom 1. August 1910 pathetisch-patriotisch zu lesen. Für seine „Geschichte der schwäbischen Dialektdichtung“ 1896 soll er 15 Jahre geforscht, eine beeindruckende Bibliothek angelegt haben. Sie sei im Besitz des schwäbischen Schillervereins laut Vortrag beim „2. Kohlberger Mundartstammtisch“ 2018. In Kohlberg, Landkreis Esslingen, erblickte denn auch August Friedrich Nathanael Holder am 3. August 1850 das Licht der Welt „nachmittags zwischen 1 und 2 Uhr“ im Schulhaus gegenüber der Kirche. Solch eine präzise Eintragung im Geburtenregister war selten und wird seinem Vater, Ortsschulmeister, zugeschrieben. Sohn August sollte den gleichen Beruf ergreifen, dieselben Seminare in Nürtingen und Esslingen durchlaufen. Nach den Stationen „Provisor in Neuffen“ und „Unterlehrer in Uhlbach“ kam er schließlich nach Winzerhausen und eben Erligheim, wo er bis zum Ruhestand 1914 Schulmeister blieb. Vier Jahre danach starb er in Kirchheim am Neckar, wohin er mit seiner zweiten Frau Emma gezogen war.
Wo liegt das Verdienst von Holder?
Die Verdienste Holders liegen indes nicht nur in seinen Beiträgen zu Kultur, Geschichte und Mundart Schwabens: Seine Schriften reichen vom „Wunnenstein“ und „Weinkraut und Speiserhabarber“ bis „Alleweil vergnüagt! Schwäbisches Vortrag- und Singbuch“ und „Das alte Faustbuch“. Er hatte außerdem erkannt, wie unerlässlich „gewissenhafte Berichte“ über örtliche Ereignisse als Quellen für die Forschung und die jüngste Vergangenheit sein können. Das machte er 1886 publik in der Monographie „Die Ortschroniken, ihre kulturhistorische Bedeutung und pädagogische Verwertung“.