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Im Erdbebengebiet auf Haiti ist nach Angaben von Außenminister Guido Westerwelle ein erstes deutsches Todesopfer gefunden worden. Noch etwa 30 Deutsche würden vermisst.

Port-au-Prince/Washington/Hamburg - Wut und Verzweiflung in Haiti, aber auch wachsende Hoffnung auf die langsam ankommende Hilfe: Nach dem Jahrhundert-Erdbeben warten noch Millionen Menschen darauf, mit Wasser, Lebensmitteln und Medikamenten versorgt zu werden. Vor allem Ärzte fehlen. Einsatzkräfte aus Israel bauten innerhalb weniger Stunden ein Krankenhaus auf, in dem sie täglich maximal 500 Patienten behandeln können.

Neben der Hauptstadt Port-au-Prince sind auch im Süden des bitterarmen Karibikstaats mehrere Städte zerstört. "Jacmel ist kaputt, viele Häuser liegen in Trümmern", sagte in Berlin Haitis Botschafter Jean Robert Saget.

Die Vereinten Nationen sprachen von der schlimmsten Katastrophe in ihrer Geschichte. Inzwischen übernahmen die USA die Kontrolle des Flughafens in der Hauptstadt, so sollen die Hilfslieferungen effizienter abgewickelt werden. Nach dem Besuch der US- Außenministerin Hillary Clinton wurde am Sonntag UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in der Krisenregion erwartet.

Clinton im Krisengebiet

Clinton versprach langfristige Hilfe. "Wir sind hier, um Euch zu helfen (...). Wir sind heute hier, wir werden morgen hier sein und in der Zeit, die vor uns liegt." Die US-Politikerin ist die erste ausländische Spitzenpolitikerin in dem Katastrophengebiet. Sie sprach mit Präsident René Préval auf dem internationalen Flughafen von Port- au-Prince, fuhr aber nicht in die Stadt, um die Hilfsmaßnahmen nicht zu behindern.

Zugleich begannen die ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush und Bill Clinton mit einer großangelegten Spendensammlung für die Erdbebenopfer. Präsident Barack Obama, der seine Vorgänger mit der Koordination der Spendenhilfe beauftragt hatte, empfing die beiden am Samstag im Weißen Haus. "Vor uns liegen schwierige Tage", sagte Obama.

Kaum noch Hoffnung auf Überlebende

Fünf Tage nach dem Beben wurde es immer unwahrscheinlicher, noch Überlebende zu finden. Nach einer ersten provisorischen Bilanz starben laut Haiti Press Network bei den Erdstößen der Stärke 7,0 am Dienstag mehr als 50.000 Menschen. Etwa 250.000 wurden verletzt. Etwa eine Million Menschen seien obdachlos. Die Vereinten Nationen informierten am Samstag über den Tod des Leiters der UN-Mission in Haiti, Hédi Annabi (65). Die Leichen des Tunesiers sowie seines Stellvertreters, des Brasilianers Luiz Carlos da Costa, und des amtierenden UN- Polizeichefs in Haiti, Doug Coates, seien unter den Trümmern des früheren UN-Hauptquartiers gefunden worden. Ein heftiges Nachbeben in Haiti löste am Samstag Panik in der zerstörten Hauptstadt aus.

Auch ein junger Mann aus Hamburg ist unter den Opfern. Das teilte das Auswärtige Amt in Berlin am Sonntag auf Anfrage mit. Die "Bild am Sonntag" berichtete, der 28-Jährige habe für eine Hamburger Exportfirma in dem Karibikstaat gearbeitet. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hatte am Samstag mitgeteilt, dass unter den Toten ein erster Deutscher geborgen worden sei. 30 Deutsche wurden den Angaben zufolge noch vermisst. Die Bundesregierung stockt ihre Erdbebenhilfe für Haiti um sechs Millionen auf 7,5 Millionen Euro auf.

Ärzte im Dauerstress

In einem Wettlauf gegen die Zeit operierten Mediziner der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" Verletzte. Erfahrene Mitarbeiter sagten nach Angaben der Organisation, sie hätten noch nie so viele schwere Verletzungen auf einmal gesehen. "Innerhalb der nächsten 24 Stunden müssen etwa ein Drittel der Patienten hier unbedingt operiert werden, sonst sterben sie", sagte Jennifer Furin dem Nachrichtensender CNN. Die Medizinerin arbeitet in einem provisorischen Krankenhaus am Flughafen von Port-au-Prince.

Der UN-Sicherheitsrat kommt an diesem Montag in New York zu Beratungen über die Lage in Haiti zusammen. Initiiert wurde das Treffen von der mexikanischen Regierung in Zusammenarbeit mit China, das zur Zeit die Präsidentschaft des Rates innehat. An dem Termin werde auch der UN-Generalsekretär teilnehmen, berichteten am Samstag mexikanische Medien. Ebenfalls am Montag soll nach Informationen von Haiti Press bei einer ersten Konferenz über die Koordination der europäischen Hilfe für das vom Erdbeben zerstörte Land beraten werden.

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