Um 1900: Schillerplatz in Backnang Foto: Stadtarchiv Backnang

Umgestürzte Bäume, Stromausfall, liegengebliebene Autos – die Region hat im Jahr 1958 heftige weiße Niederschläge erlebt, wie Recherchen in den Stadtarchiven belegen. Bilder aus dieser Zeit gibt es allerdings kaum.

Rems-Murr-Kreis - Vom „Schneechaos“ war in diesem Winter bereits mehrfach die Rede – dabei wurde der Rems-Murr-Kreis bislang von allzu viel Schnee verschont. Ein Blick in die Stadtarchive zeigt jedoch, dass es in der Region schon ganz anders ausgesehen hat – etwa im Februar 1958.

Von einer „Schneekatastrophe, wie man sie in so kurzer Frist und in diesem Ausmaß schon lange nicht mehr erlebte“, schreiben am 8. Februar 1958 die „Schorndorfer Nachrichten“. Nachdem es zwei Tage lang fast ununterbrochen geschneit hatte, lag der Schnee in Schorndorf 40 Zentimeter hoch. „Umsäumt von Schneehaufen, daß selbst Garmisch vor Neid erblassen könnte“, zeigte sich dem Bericht zufolge der obere Marktplatz. In Oberberken wurden sogar 70 Zentimeter Schnee gemessen, dort war man „seit 4 Uhr früh ohne Strom“.

Herabdonnernde Dachlawinen

Die Verkehrsverhältnisse seien „verheerend“ gewesen. Wer sich ins Auto wagte, „blieb oft auch bei geschicktestem Fahren stecken“. Unter der Schneelast kippten Bäume auf die Bahngleise, Züge fielen aus oder kamen mit Stunden Verspätung an, die Verbindung nach Stuttgart kam zum Erliegen. „Lediglich mit Waiblingen konnte ein Notverkehr aufrecht erhalten werden“, heißt es in dem Artikel, der sich im Archiv der Stadt befindet. „Es war am Vormittag, als ob es in der ganzen Stadt nur noch eine Aufgabe gebe, nämlich Schneeschippen“, schreibt der nicht namentlich erwähnte Autor und zitiert eine Frau mit den Worten: „So han i scho lang nemme g’schwitzt.“ Denn Schnee habe ja durchaus ein Gewicht, heißt es in dem Bericht: „Und wer das Pech hat, unter eine der Dachlawinen zu geraten, die bereits von den steilen Dächern herabdonnerten, der wird bestätigten, daß Schneeflocken in Massen keine Daunen sind.“

Schüler schippen Schnee

Auch in der „Winnender Zeitung“, dem „Volks- und Anzeigeblatt“, waren die Schneemassen ein Thema, wie eine Anfrage beim Stadtarchiv Winnenden zeigt. „Feiner grißeliger Schnee“ legte den Eisenbahnverkehr lahm, sodass Berufstätige zum Teil gar nicht zur Arbeit kommen konnten. „Der Schneepflug des Kreisverbandes, der vom Remstal nach Buoch kam, ist am Donnerstagabend kurz vor Buoch in den Straßengraben gefahren“, meldet die Zeitung am 8. Februar 1958.

„Allgemein darf den Winnender Hausbesitzern ein Lob erteilt werden“ – sie hätten die Gehwege schon in den frühen Morgenstunden geräumt, und auch die Stadt habe sich „ernsthaft Mühe gegeben, die durch den hohen Schnee für den Verkehr geschaffene ernste Lage zu meistern.“ Dafür, so berichtete die Zeitung bereits einen Tag zuvor, „. . .hat man kurzerhand – ein sehr glücklicher Gedanke übrigens – die Schüler der oberen Klassen zum Schneeschippen eingesetzt. Mit diesem Tausch des Unterrichts mit Schneeräumen war die Jugend sofort einverstanden.“ Wirklich Freude mache der viele Schnee nur den Wintersportlern, heißt es in der Ausgabe vom 8. Februar: „Nun können sie ihre flinken Bretter anschnallen, über die weißen Hänge und Hügel jagen und – Kopfstürze üben.“

Das Stadtarchiv freut sich über alte Fotoalben

Bilder der Schneemassen von 1958 gibt es in den Stadtarchiven im Rems-Murr-Kreis allerdings kaum. Im Stadtarchiv Backnang finden sich einige Aufnahmen aus den Jahren vor dem Krieg, so etwa von 1929, sowie ein Bild der Marktstraße mit dem Rathaus um 1947.

Tanja Wolf vom Archiv der Stadt Waiblingen bestätigt, dass es von den 1950er, 60er- und 70er-Jahren insgesamt relativ wenig Bildmaterial gibt. Das liege nicht unbedingt daran, dass man damals wenig Fotos gemacht habe, sondern eher daran, dass die Menschen Bilder aus dieser Zeit noch nicht als historisch wertvoll betrachten – anders als etwa Aufnahmen aus den 20er oder 40er Jahren. Deshalb befänden sich vermutlich viele Fotos aus den 1950ern und den folgenden Jahrzehnten im Privatbesitz. „Die haben noch nicht den Weg ins Archiv gefunden“, sagt Wolf und betont, dass solche Bilder durchaus interessant für die Stadtgeschichte seien. Denn mit mehr als 50 Jahren liege ja „schon viel Zeit dazwischen“. Sie würde sich daher über alte Fotoalben von Bürgern freuen.

Was den derzeitigen Winter angeht, kann der Backnanger Hobbymeteorologe Yannick Garbe nichts Außergewöhnliches berichten: „Wir haben im Moment normales kaltes Winterwetter wie es im Januar in der Region häufiger vorkommt“, teilt er mit. Das trockene und kalte Wetter werde sich in den kommenden Tagen weiter fortsetzen. „Am Donnerstag könnten aus der Wolkendecke auch mal ein paar Schneeflocken rieseln, ansonsten bleibt es aber eher trocken“, so Garbe. Nachts sinke das Thermometer auf minus 5 bis minus 8 Grad.

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