Die Sanierung der Neckartalhalle dauert noch bis Frühjahr 2026. Foto: aia

Der Wernauer Haushaltsentwurf 2026 bereitet der Verwaltung Bauchschmerzen. Erstmals seit langem braucht der Kernhaushalt einen Kredit.

Steuern und Gebühren steigen, bei der Kultur wird gespart und manche Projekte müssen warten: Das sind die unerfreulichen Aussichten auf den Wernauer Haushalt 2026. Der Erste Beigeordnete Michael Bauer brachte den Entwurf dafür ein, mit einem Rekorddefizit von 4,7 Millionen Euro im Ergebnishaushalt.

 

So schlecht habe der Haushalt seit der Umstellung aufs doppische System nie abgeschnitten, „und die Jahre davor auch nicht“, stellte Bauer fest. Der Ausblick auf die kommenden Jahre ist ähnlich düster, „bis 2029 werden wir keine positiven Ergebnisse erzielen können“, prognostizierte er. Das sei aber kein Grund für Resignation, betonte Bürgermeisterin Christiane Krieger. Das Defizit entstehe vor allem aufgrund von Rahmenbedingungen für die Kommune, diese „nur bedingt steuern“ könnten. Wernau investiere trotzdem weiter in Schulen und Betreuung, in Feuerwehr, Sicherheit und mehr – das sei wichtig und notwendig.

Wo die Stadt Wernau einsparen möchte

Das schlechte Ergebnis kommt auch durch die Systematik des kommunalen Finanzausgleichs zustande: Die hohe Steuerkraftsumme vor zwei Jahren führt jetzt dazu, dass die Kreisumlage und die FAG-Umlage um 3,3 Millionen auf rund 14,5 Millionen Euro steigen, während die Zuweisungen um 1,7 Millionen Euro sinken. Allein aus diesem Bereich fehlen also fünf Millionen Euro. Da fällt nur wenig ins Gewicht, dass bei der Gewerbe- und der Einkommensteuer 1,3 Millionen Euro mehr angesetzt sind.

Die beiden mit Abstand größten Posten bei den Aufwendungen sind Personalkosten (knapp 8 Millionen Euro) und Kinderbetreuung (rund 5,6 Millionen Euro). Beim Gebäudeunterhalt wurde bereits den Rotstift angesetzt, weitere Einsparungen schlägt die Verwaltung vor allem im Kulturbereich, von der Bücherei über die Fasnet bis zum Klassikkonzert, vor. Gleichzeitig sollen Steuern, Parkentgelte und mehr erhöht werden; für einige Steuern wurde das noch in der gleichen Sitzung beschlossen.

Die Stadt Wernau plant, Steuern und Parkentgelte zu erhöhen. Foto: Horst Rudel

Das Loch im Ergebnis-Haushalt kann die Stadt aus den Rücklagen vergangener Jahre stopfen. Im Finanzhaushalt, also bei den Investitionen, nähert sie sich dagegen der Mindestliquidität und plant deshalb einen Kredit über 1,5 Millionen Euro ein.

Wofür gibt die Stadt Wernau Geld aus?

Die Investitionen werden in der Dezember-Sitzung des Gemeinderats mit einer Präsentation des Ortsbaumeisters näher vorgestellt. Dickster Brocken ist die Sanierung der Neckartalhalle mit 2,3 Millionen Euro. Sie hätte eigentlich dieses Jahr schon über die Bühne gehen sollen, wurde aber durch einen Brand in der Halle verzögert – jetzt ist die Fertigstellung im Frühjahr 2026 geplant. Bauer wies außerdem darauf hin, dass einige anstehende Projekte auch in diesem Plan fehlen, darunter die Verlegung des Jugendhauses Kiwi auf den Katzenstein, eine neue Kita im Gebiet Adlerstraße Ost III oder die Sanierung bestehender Kitas.

Neue Schulden stehen auch bei den städtischen Eigenbetrieben an: Die Bäder brauchen einen Kredit über 900 000 Euro, die Stadtwerke über 715 000 Euro und für die Abwasserbeseitigung wird Wernau aufgrund der Sanierung der Kläranlage und einiger Kanäle 2,6 Millionen Euro aufnehmen. Mit dem städtischen Kernhaushalt zusammengezählt ergibt das eine Neuverschuldung von 5,7 Millionen Euro – und eine Gesamtverschuldung von 24 Millionen Euro. Davon betreffen 2,9 Millionen Euro den Kernhaushalt, der Rest die Eigenbetriebe.