Der Oßweiler Dichter August Lämmle war NSDAP-Mitglied – über seine Rolle dort soll aber nicht diskutiert werden. Foto: factum/Granville

Seit drei Jahren tobt in Ludwigsburg ein Kulturkampf um Straßen, die nach NS-belasteten Personen benannt sind. CDU und Freie Wähler wollen die Debatte beenden – und lehnen jede weitere Diskussion ab.

Ludwigsburg - Deutliche Worte sind im Bauausschuss des Gemeinderates gefallen. „Wir vergeuden unsere Zeit damit, in der Vergangenheit herumzukrutschteln“, schimpfte Andreas Rothacker von den Freien Wählern. Hirnrissig sei das. Und Thomas Lutz (CDU) hob gar ein Plakat in der Sitzung hoch und sagte: „Ich habe Angst, dass wir einen Mann wie August Lämmle in den Dreck ziehen.“ Der Ex-Republikaner Harald Lettrari sprach gar von „Rufmord“ und bekannte: „Ich werde mich einen Scheißdreck darum kümmern.“

Die Emotionen schlugen hoch, denn es ging um Straßen, die nach historisch belasteten Personen benannt sind. Schon vor knapp drei Jahren hatte der Gemeinderat darüber heftig und kontrovers debattiert– und die Tilgung des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, des Industriellen Ernst Heinkel, des NSDAP-Ortsgruppenleiter Adolf Gesswein und des Sportfunktionärs Carl Diemmit knapper Mehrheit abgelehnt. Nur der rassistische Afrika-Kolonialoffizier Karl Peters musste von den Straßenschildern weichen.

Die SPD befürchtet einen Volksaufstand

Nun standen drei weitere Namen zur Diskussion: Der Oßweiler Dichter August Lämmle, der als NSDAP-Mitglied den Hitler-Staat gepriesen haben soll, der Dichter Walter Flex und die Ludwigsburger Schriftstellerin Auguste Supper. Auf Antrag der Grünen-Fraktionschefin Elfriede Steinwand sollte sich die 2015 gegründete „Kommission zur Überprüfung von Straßennamen“ mit den Namen beschäftigen.

„Wir wollen keine Straßen umbenennen, wir wollen nur auf die Biografien der drei Personen schauen“, betonte Steinwand. Allerdings hatte auch die SPD-Fraktionschefin Margit Liepins Sorge, den in Oßweil bekannten August Lämmle ins Visier zu nehmen: „Das gibt einen Volksaufstand.“ Sie kritisierte, dass man die weiterhin problematische Namen wie Hindenburg und Gesswein jetzt nicht mehr diskutiere. Doch der Baubürgermeister Michael Ilk erklärte, dass man die 2015 bereits abgelehnten Namen nicht aufrufen werde.

CDU relativiert Rolle des NSDAP-Ortsgruppenchefs

Trotzdem kochte der Zorn bei CDU, Freien Wählern und dem parteilosen Harald Lettrari richtig hoch. „Ich habe Adolf Gesswein als Lehrer nach dem Krieg selbst erlebt. Er hat verhindert, dass viele Leute in den Krieg mussten“, bekannte sich Reinhold Noz (CDU). Und der Freie-Wähler-Rat Andreas Rothacker stellte den Antrag, die Kommission gleich ganz aufzulösen: „Wir werden ohnehin jeden Antrag ablehnen, da macht sie keinen Sinn.“

Das ärgerte wiederum die Grünen. „Die Kommission wird nicht abgeschafft“, polterte Steinwand. Bernhard Remmele (FW) wurde daraufhin sarkastisch: „Bald geht es um die württembergischen Könige, die ihre Untertanen verkauft haben und Schlösser, die unter Blutzoll gebaut wurden.“ Lettrari fragte gar, ob man den Römerhügel auch umbenennen müsse.

So stimmten acht Räte dagegen, Lämmle, Flex und Supper zu untersuchen, sieben dafür. Über die Auflösung der Kommission muss der ganze Gemeinderat entscheiden.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: