Hirschlanden in Württemberg und Baden Im Hirschbräu liegt die Wahrheit zweier Stadtteile

Von Franziska Kleiner 

Das Brauereimuseum der Region  Main-Tauber-Odenwald  befindet sich in Hirschlanden. Dort waren die Ditzinger   Gast. Foto: Herrmann/privat
Das Brauereimuseum der Region Main-Tauber-Odenwald befindet sich in Hirschlanden. Dort waren die Ditzinger Gast. Foto: Herrmann/privat

Hirschlanden gibt es in Württemberg und Baden. Die Schwaben waren zu Gast in der offizielle Brauereimuseum der Region Main-Tauber-Odenwald. Die Verbindung beider Orte wird Folgen haben.

Ditzingen - Hirschlanden hatte ein Problem. Das kleine Dorf in Baden hatte keine Dorfgaststätte mehr. Der Ortsteil von Rosenberg im Neckar-Odenwald-Kreis hat rund 400 Einwohner. „Für einen professionellen Wirt lohnt das nicht“, erzählt Martin Herrmann. Die Bürger riefen daraufhin selbst eine Gaststätte ins Leben. Einheimische kochen dort nun jeden Samstag ehrenamtlich. Am Samstag stand eine Gruppe aus dem württembergischen Hirschlanden am Herd. Es gab unter anderem Maultaschen und Sauerbraten. Zum Nachtisch wurden Waffeln gereicht. Acht Hirschlander waren für die Speisekarte verantwortlich: neben der Ortsvorsteherin Barbara Radtke etliche Ortschaftsräte.

Ein Museum mit Gastwirtschaft

Radtke war besonders angetan von der Verbundenheit der Hirschlander untereinander. Auch Roland Hug war von der Gemeinschaft beeindruckt. „Die Feuerwehr hat mehr Mitglieder als wir“, erzählt der Abteilungskommandant der Ditzinger Wehr. Jeder sei in einem Verein, sagt er und staunt darüber, „dass man mit einer kleinen Mannschaft so viel erreichen kann“.

Als die letzte Gasstätte geschlossen hatte, wollten sie in Hirschlanden nicht auf die gemütliche Wirtsstube im Ort verzichten. Geld hatten sie nicht genug, um ohne Förderung auszukommen. Für die Einrichtung einer Gasstätte hätte es aber weder Unterstützung vom Land noch von der EU gegeben, erzählt der Ortsvorsteher Herrmann. Geld gab es aber für die Einrichtung eines Museums. Also schuf Hirschlanden ein Museum mit Bewirtungsmöglichkeit. Das war vor elf Jahren. Seitdem befindet sich im alten Rathaus eine Gastwirtschaft, die jeden Samstag und zudem zu besonderen Anlässen geöffnet ist. Damit haben es die Hirschlander in die überregionalen Medien geschafft, zumal sich der Ortsvorsteher noch dazu zum Braumeister hatte ausbilden lassen. Im Museum wird seitdem nicht nur die Geschichte der Brauereien der Region erzählt, sondern auch Hirschbräu ausgeschenkt. Vergangenen Samstag war der Zutritt allerdings nur Hirschlandern gestattet. 55 Personen hatten reserviert. Gekommen waren weit mehr.

Kontakte auf unterschiedlicher Ebene geknüpft

Hirschlander und Hirschlander hatten auf unterschiedlicher Basis Kontakt geknüpft. Barbara Radtke war vor einigen Jahren aus Interesse zu einem Fest nach Hirschlanden gefahren. Die Hirschlander Feuerwehrabteilung wiederum stieß zufällig während eines Ausflugs auf einer Autobahnraststätte die Kameraden aus Baden. So sei man ins Gespräch gekommen, erzählt Roland Hug. Seitdem besuchen sie sich. Inzwischen gibt es auch Verbindungen der Gesangsvereine.

Die Badener werden auch 2019 zum Jubiläum kommen, wenn Hirschlanden seine erste urkundliche Erwähnung vor dann 1250 Jahren feiert. Sie werden Bier mitbringen – obwohl sie es eigentlich ja nicht außerhalb der Ortsgrenzen ausschenken. Allerdings bleibt es ja in Hirschlanden. Dieses Argument, so heißt es, soll auch den Braumeister überzeugt haben.

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