Das Ehepaar Föhl gibt die Hirsch-Apotheke ab. Obwohl viele Nachwuchskräfte die Selbstständigkeit scheuen, wurde ein Nachfolger gefunden. Was passiert in dem Geschäft in Oberesslingen?
Für manche Esslingerinnen und manchen Esslinger ist das eine bittere Medizin: Christof Föhl, der Inhaber der Hirsch-Apotheke an der Kreuzstraße 45 in Oberesslingen, zieht sich zusammen mit seiner Frau Claudia aus dem Geschäftsleben zurück. Was den Abschied zumindest für die Kunden etwas versüßt: Die Apotheke selbst bleibt erhalten. Die beiden Apotheker haben das Geschäft zwar verkauft, aber es wird nicht geschlossen. Ab dem 1. Januar 2026 ist Denis Kajevic neuer Eigentümer.
Der 36-Jährige stammt aus Montenegro und ist vor sechs Jahren nach Deutschland gekommen. Weil seine Ausbildung in Bosnien zum Apotheker in Deutschland nicht in vollem Umfang anerkannt worden war, hat er in kürzester Zeit die für die Übernahme einer Apotheke notwendigen Kenntnis- und Fachsprachenprüfungen abgelegt.
Nachfolgersuche für Hirsch-Apotheke: „Es war schon früh klar, dass wir verkaufen“
Christof Föhl hatte die Hirsch-Apotheke, die von seiner Mutter Anneliese Föhl 1972 gegründet worden war, vor 25 Jahren mit Unterstützung seiner Frau Claudia, die ebenfalls ausgebildete Apothekerin ist, übernommen. Zuvor hatte der Fachapotheker sechs Jahre lang im Geschäft seiner Mutter mitgearbeitet. Weil die beiden inzwischen erwachsenen Söhne von Christof und Claudia Föhl beruflich andere Wege gehen, stand schon früh fest, dass es innerhalb der Familie keinen Nachfolger für die Hirsch-Apotheke geben wird. „Es war schon früh klar, dass wir verkaufen“, sagt der 60-Jährige. Zusammen mit seiner Frau wolle er in Zukunft „beruflich einfach etwas kürzer treten“. Hätte Christof Föhl keinen geeigneten Nachfolger gefunden, hätte er seine Apotheke nicht zuletzt aus gesundheitlichen Gründen geschlossen.
Das wäre kein ganz ungewöhnliches Szenario gewesen, wie ein Blick in die Statistik der Landesapothekenkammer Baden-Württemberg zeigt. Laut deren Pressesprecherin Mirjam Taufenbach haben im Jahr 2024 im Landkreis Esslingen sechs Übernahmen stattgefunden und in diesem Jahr drei, zwei davon in der Stadt Esslingen selbst. Im selben Zeitraum haben aber auch vier der 98 Apotheken im Landkreis ganz dicht gemacht. „Die Nachfolgesuche gestaltet sich für viele Apothekeninhaber schwierig“, sagt Taufenbach. Nach den Gründen gefragt, verweist die Sprecherin der Landesapothekenkammer einerseits auf „allgemeine Hürden“, die mit einer Selbstständigkeit einhergehen. „Andererseits wird es für junge Apothekerinnen und Apotheker zunehmend wirtschaftlich unattraktiv, eine Apotheke zu leiten“, sagt sie.
„Bei den Apotheken bleibt pro Medikament immer weniger Geld hängen.“
Christof Föhl, Apotheker
Grund dafür sei, dass die Vergütung von Apotheken auf einem von der Politik festgelegten Fixbetrag von 8,35 Euro pro verordnetem Medikament basiere, der seit 2013 nicht mehr angehoben worden sei. Im Gegenzug verweist Taufenbach auf die seit 2013 um 65 Prozent gestiegenen Betriebs- und Personalkosten und die relativ hohe Inflation der vergangenen Jahre. Deshalb hätten einige Apothekeninhaber am Jahresende weniger Geld, als angestellte Apotheker die nach Tarif bezahlt würden. Zwar habe die Regierung im Koalitionsvertrag eine Erhöhung des Packungshonorars auf 9,50 Euro vereinbart, doch lasse die Umsetzung dieses Versprechens noch immer auf sich warten.
Junge Apotheker scheuen Selbstständigkeit: „Bei den Apotheken bleibt pro Medikament immer weniger Geld hängen“
Dass die wirtschaftliche Situation für viele Apotheken zunehmend schwieriger wird, das kann auch Christof Föhl bestätigen. „Bei den Apotheken bleibt pro Medikament immer weniger Geld hängen“, sagt er und verweist zudem auf den immer größer werdenden bürokratischen Aufwand. „Uns war aber wichtig, dass unsere Apotheke in gute Hände kommt, als Einzelapotheke weitergeführt wird und nicht in irgendeinem Verbund untergeht“, sagt Föhl. Zudem habe er sich gewünscht, dass seine sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernommen würden, was jetzt auch der Fall sei. Nur eine Mitarbeiterin wolle aufhören.
Auf die Frage, weshalb er die Apotheke trotz wirtschaftlichem Gegenwind ab dem 1. Januar 2026 weiterführen werde, verweist der neue Eigentümer Denis Kajevic vor allem auf die gute Lage, die Nähe zum Esslinger Krankenhaus und die vielen Ärzte in direkter Umgebung. Zudem sei die Hirsch-Apotheke „hervorragend aufgestellt“ und „extrem modernisiert“, weshalb er keine Veränderungen plane. Den Namen will Kajevic beibehalten. „Wichtig ist mir, die Patienten weiterhin gut zu versorgen“, sagte er. Und warum solle man etwas verändern, was so gut laufe.