Gewählt ist schnell, die Auszählung zieht sich. Es gibt in Böblingen 475 Wahlhelfer, die Tausende Stimmzettel auswerten. Sie sind bis nachts im Einsatz, werden aber mächtig motiviert.
Für den Publikumsverkehr bleibt das Böblinger Rathaus an diesem Montagmorgen geschlossen. Doch dahinter geht es zu wie in einem Ameisenhaufen. Die Türen zu den Büros der Verwaltungsmitarbeiter stehen teils offen, drinnen zählen die Wahlhelferinnen und -helfer die Stimmzettel der Kommunalwahlen aus. Berge von pinkfarbenem Papier türmen sich auf den Schreibtischen – die Gemeinderatswahlzettel.
Der Oberbürgermeister Stefan Belz gibt sich als Motivator seiner Truppe: Mit einem Korb voller Äpfel, Bananen, Schokoriegeln und Ingwershots – alles regional oder Fairtrade – ist er im Haus unterwegs und versorgt die fleißigen Helfer.
Allein in Böblingen sind 475 Wahlhelfer im Einsatz. Ihre Aufgaben: Am Sonntag Stimmzettel ausgeben und den Urnengang beobachten und am Montag Wahlzettel auszählen. Probleme, an Wahlhelfer zu gelangen, hatte die Stadt Böblingen nicht. Neben den städtischen Mitarbeitern helfen Ehrenamtliche. Vieles laufe durch Mund-zu Mund-Propaganda. Immerhin: Es gibt 100 Euro Aufwandsentschädigung. Wobei das bei vielen Helfern wohl nicht der Hauptgrund für den Einsatz ist.
Sondern eher das, was Klaus Feistauer, Leiter des Amtes für Soziales, sagt. „Wenn man Demokratie möchte, muss man auch mithelfen.“ Es sei dieses Jahr schon recht aufwendig, da mehrere Wahlen gleichzeitig stattfänden. Er und seine Wahlteam-Kollegin Katharina Menke sowie sechs weitere Wahlhelfer kümmern sich um einen der 56 Wahlbezirke (mit Briefwahlbezirken). Rund 1400 Stimmzettel werden die beiden am Ende der Wahlen ausgezählt haben.
Begonnen wird mit der Auszählung der Stimmen für die Europawahl, darauf folgen die Regionalwahl und die Kreistagswahl, zum Schluss werden die Stimmzettel für die Gemeinderatswahl ausgewertet. Hier schleichen sich bei den Wählern auch die meisten Fehler ein. „Wenn man mehrere Stimmen zu vergeben hat wie bei der Gemeinderatswahl, passiert es schon manchmal, dass man sich verzählt“, sagt Gisa Gaietto, die Leiterin des Ordnungsamts und Wahlleiterin. Dann ist der Stimmzettel ungültig. Rund 400 ungültige Wahlscheine gibt es bis zum frühen Nachmittag. „Manche haben auch vergessen, ihren Stimmzettel in das Kuvert zu stecken“, sagt Klaus Feistauer und zeigt zwei leere Kuverts.
Einige ungültige Stimmzettel
Bei dieser Wahl müssen die Stimmen nicht mehr wie früher von Hand per Strichliste eingetragen und mit dem Taschenrechner zusammengezählt werden, dies läuft jetzt digital. Passt etwas nicht zusammen, meldet sich der Rechner.
Rund 20 Prozent der Wähler haben laut Wahlteam in Böblingen per Briefwahl abgestimmt. All das musste mehrere Monate vor dem Wahltag angeleiert und organisiert werden, erzählt Gisa Gaietto. Alles hinter den Kulissen, versteht sich. Die Bürgerinnen und Bürger bekommen davon nichts mit.
Die Vorbereitungen auf die Wahl starteten bereits vor Monaten
Der Oberbürgermeister Stefan Belz darf am Montag natürlich nicht selbst Hand anlegen und Stimmen auszählen, da er selbst zur Wahl steht. Er verfolgt aber die Wahlergebnisse und kümmert sich zudem, wie man so schön sagt, um das leibliche Wohl der Mannschaft. Zehn Körbe voll mit Obst und Leckereien sowie Maultaschen mit Kartoffelsalat tragen zu Stärkung der Wahlhelfer bei, die teilweise bis in die Nacht aktiv gewesen sind und am Morgen um 7 Uhr schon wieder im Rathaus schaffen.
Die meisten Wahlhelfer sind jedenfalls trotz wenig Schlaf guten Mutes. „Es ist die beste Teambuildingmaßnahme überhaupt“, sagt Andreas Wolfer, Leiter des Kulturamts Böblingen.