Normalerweise sind S-Bahnen ja rot wie hier – Unbekannte haben einen Waggon der S4 komplett schwarz eingefärbt. Foto: dpa

Am Donnerstagmorgen fährt die S4 zwischen Marbach und Backnang mit einem ganz besonderen Waggon. Unbekannte haben sich mit der Spraydose daran zu schaffen gemacht – und wohl nicht nur im Netz für Gelächter gesorgt.

Stuttgart - Wer kein VVS-Ticket hatte, konnte am Donnerstagmorgen mit der S4 zwischen Marbach und Backnang dennoch umsonst fahren. Nein, natürlich nicht. Obwohl auf dieser Strecke ein Waggon verkehrte, der dies suggerierte. „Schwarzfahrer-Waggon“ stand in weißen Lettern auf dem Beförderungsmittel, das mit schwarzer Farbe eingesprüht worden war. Ein Bild davon veröffentlichte „stgtspottings“ auf Instagram. Unbekannte hatten sich wohl in der Nacht an dem Zug zu schaffen gemacht und damit nicht nur im Netz für Gelächter gesorgt.

„Wir haben das Fahrzeug aus dem Betrieb genommen und umgehend in unsere Werkstatt nach Plochingen gebracht“, sagt ein Sprecher der Deutschen Bahn zu dem Vorfall. Dort wird der Waggon mit einem speziellen Verfahren gereinigt. Je nach Personallage und Verfügbarkeit der Halle kann eine solche Reinigung einige Tage dauern, wie der Bahn-Sprecher erklärt. Neben dem Ausfall des Waggons kommen auf den Betreiber auch hohe Kosten hierfür zu. Bundesweit hat die Bahn 2018 insgesamt 13 Millionen Euro für die Reinigung von Fahrzeugen nach Graffity-Attacken ausgegeben. Detaillierte Zahlen aus Baden-Württemberg gibt es keine.

Dabei gehen die Sprayer bei ihren Aktionen ein hohes Risiko ein, wie der Sprecher erläutert: „Die Täter bringen sich in Lebensgefahr. Die Gefahren des Bahnbetriebs durch rollende Züge oder durch Hochspannung in Oberleitungen werden immer wieder falsch eingeschätzt.“ Zudem erstattet die Bahn grundsätzlich Strafanzeige. 20.100 Fälle gab es 2018 bundesweit, acht Prozent mehr als im Jahr zuvor. „Das Anbringen von Graffiti sind weder ein Kavaliersdelikt noch Kunst,“ sagt der Sprecher – und umsonst fahren durfte man im „Schwarzfahrer-Waggon“ natürlich auch nicht.

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