So lebensecht war der Zeppelin-Absturz in Lakehurst im Jahr 1937 noch nie zu erleben: Eine in Stuttgart am Computer generierte Szene aus dem TV-Zweiteiler "Hindenburg". Klicken durch weitere Bilder aus dem Film. Foto: RTL

Roland Emmerich, Roman Polanski, Martin Scorsese: Die Stuttgarter Firma Pixomondo kreiert

Stuttgart - Roland Emmerich, Roman Polanski, Martin Scorsese: Die Stuttgarter Firma Pixomondo kreiert Effekte für die großen Filmemacher dieser Welt. Und fürs deutsche Fernsehen: Auch für die Zeppelinszenen im Drama "Hindenburg", das an diesem Wochenende ausgestrahlt wird, zeichnet sie verantwortlich.

Majestätisch hängt die Hindenburg am 6. Mai 1937 über dem Flugfeld in Lakehurst, USA, da reißt eine Explosion ein Loch ins Heck, und der mit hochentzündlichem Wasserstoff gefüllte Zeppelin geht in Flammen auf. Feuerschwalle schlagen aus dem Rumpf, Rauchschwaden verdunkeln den Himmel, das Luftschiff kippt, Wrackteile zerschellen am Boden. Die Bilder gingen um die Welt, die deutsche Luftschiffära endete jäh.

Die Produktionsfirma Teamworx hat das historische Ereignis nun für den TV-Sender RTL in einem zweiteiligen Spielfilm dramatisiert. Der Atlantikflug der Hindenburg und das Inferno sind darin so lebens- und farbecht zu sehen wie nie zuvor - 110 Mitarbeiter haben bei Pixomondo ein Jahr lang an digitalen Ansichten des Zeppelins gearbeitet, ihn vors Polarmeer montiert und vor ein Luftbild von New York im Jahr 1937.

230 Einstellungen sind es, und das Luftschiff passt gar nicht so leicht ins Bild: Die Hindenburg war 245 Meter lang, nur 24 weniger als die Titanic, und mit 200 000 Kubikmeter Volumen das erste Luftschiff, das für Transatlantikflüge taugte. "Es gab ein nachgebautes Ausschnittsmodell, das war zehn Meter tief und 25 Meter hoch", sagt VFX Producer Boris T. Duepré. Alle räumlichen Verlängerungen haben wir virtuell hinzugefügt." Wenn die Zuschauer in die Tiefe des Rumpfs blicken, ist also nur der Vordergrund echt. "Das meiste ist in unseren Szenen digital", sagt Duepré. "Den Frankfurter Luftschiffflughafen haben wir in ein Areal in Köln einmontiert - wo im Film der Hangar steht, ist in Wahrheit ein schwedisches Möbelhaus." Bei Lakehurst kam Google Maps zu Hilfe: "Dort sieht man heute noch die kahlen Kreise im Rasen, die durch die Füße der Helfer beim Festmachen der Zeppeline entstanden sind." Der Inszenierung ging eine gründliche Recherche voran, das Team fuhr nach Friedrichshafen ins Zeppelin-Museum, besorgte Filme, Fotos und Bücher. "Wahrscheinlich ist unser Archiv größer als das des Museums", sagt Duepré.

"Hindenburg" zeigt, was in Deutschland möglich ist

Die Originaldokumente sind alle schwarzweiß, "wir haben eine ganze Weile gebraucht, um stimmige Farbtöne zu finden", erklärt VFX Supervisor Jörn Großhans. Auch sonst erscheint alles bis ins Detail durchdacht: Die 3500 Kilometer lange Reise hinterlässt Spuren auf der digitalen Hindenburg, als wäre sie wirklich geflogen. "Zuerst haben wir immer das Wetter und die Lichtstimmung gemacht und dann den Zeppelin eingesetzt", sagt Großhans. "Sky replacement" nennt er das im englischen Fachjargon - "Himmelsaustausch".

Eine entscheidende Sequenz ist natürlich das Inferno: "Wir haben viele Explosionen studiert und dann simuliertes und reales Feuer gemischt", erläutert Großhans. "Der Rauch muss genau stimmen, man muss wissen welches Gas und welches Material wie brennt, wie sich beim Absturz die Hülle verbiegt - die Zuschauer sollen ein Gefühl dafür bekommen, wie das ist, wenn ein tonnenschweres Objekt dieser Größe zu Boden fällt." Mächtig und verblüffend echt wirken die Bilder auf der Leinwand im Vorführraum von Pixomondo - "Hindenburg" hätte womöglich auch im Kino funktioniert.

"Für uns ist das ein wichtiger Film", sagt Heiko Burkardsmaier, Geschäftsführer in Stuttgart. "Er hat einen extrem hochwertigen Look, ist gut besetzt und inszeniert. Er zeigt, was in Deutschland möglich ist, und ich hoffe, dass er Produzenten anspornt, öfter solche Projekte anzupacken."

An großen Aufträgen aus dem Ausland mangelt es Pixomondo nicht, die Firma war an Zack Snyders schrillem Streifen "Sucker Punch" beteiligt, in dem unter anderem leicht bekleidete Mädchen in einem Erste-Weltkriegs-Szenario mit schweren Waffen hantieren. Nun ist sie federführend für die Effekte in Martin Scorseses Verfilmung des Kinderbuchs "Die Entdeckung des Hugo Cabré" verantwortlich, der abenteuerlichen Geschichte eines Jungen im Paris der 1930er Jahre. "Das sind 600 Einstellungen, alle in stereo", sagt Burkardsmaier - "Scorsese hat komplett in 3-D gedreht, das wird eine Herausforderung."


 "Hindenburg" wir am 6 und 7. Februar jeweil sum 20.15 Uhr bei RTL ausgestrahlt

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