Das deutsche Luftschiff LZ 129 "Hindenburg" geht auf dem Flugplatz im amerikanischen Lakehurst in Flammen auf. Foto: dpa

14 Jahre ist Werner Franz alt, als er 1937 im Zeppelin „Hindenburg“ als Kabinenjunge seinen Dienst tut. Aus dem Inferno vor den Toren New Yorks kommt er mit dem Leben davon. Jetzt ist er mit 92 Jahren gestorben.

14 Jahre ist Werner Franz alt, als er 1937 im Zeppelin „Hindenburg“ als Kabinenjunge seinen Dienst tut. Aus dem Inferno vor den Toren New Yorks kommt er mit dem Leben davon. Jetzt ist er mit 92 Jahren gestorben.

Frankfurt/Main - Werner Franz sollte noch 77 Jahre leben. 77 Jahre, nachdem er knapp dem Tod entronnen ist - und im selben Moment Zeuge einer historischen Katastrophe wird. Am 6. Mai 1937 arbeitet Werner Franz, ein Teenager aus Frankfurt, auf der „Hindenburg“.

Der Abend dieses Tages endet fatal: Dutzende Passagiere finden ihren Tod in den wohl berühmtesten Flammen der Luftfahrtgeschichte, 62 überleben. Werner Franz kann sich retten. Nun ist er im Alter von 92 Jahren gestorben.

Der Zeppelin LZ 129 war das prestigereichste Luftschiff, das die deutsche Industrie bis dahin hervorgebracht hatte. Benannt nach dem ehemaligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, der vier Jahre zuvor Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt hatte, hob der Zeppelin 1936 zum ersten Mal ab. Werner Franz trat in diesem Jahr seinen Dienst an - als Kabinenjunge. Er war 14 Jahre alt.

Am Schicksalstag der „Hindenburg“ fliegt er zum fünften Mal mit, wie John Provan erzählt, ein US-Historiker und jahrzehntelanger Freund der Familie Franz. Dreimal schon sei der Junge mit dem zigarrenförmigen Luftschiff in Südamerika gewesen, einmal in den Vereinigten Staaten. Diesmal aber soll der Flug ein dramatisches Ende finden - und damit auch der Weltluftverkehr deutscher Zeppeline.

Inferno vor den Toren von New York

Denn die 245 Meter lange „Hindenburg“ ist mit 200.000 Kubikmetern Wasserstoff gefüllt. Das leicht entzündliche Gas macht ein Inferno aus dem Stoff, aus dem Werner Franz’ Luftfahrtträume waren. Plötzlich, kurz vor der Landung in Lakehurst südlich von New York, geht der Zeppelin mit 97 Menschen an Bord in Flammen auf. Die genaue Ursache ist bis heute nicht geklärt. Helium jedenfalls wäre nicht brennbar gewesen - aber das ist in Deutschland zu jener Zeit nicht zu haben, die USA liefert nicht an Hitler und das Deutsche Reich.

Werner Franz gehört zu den 61 Besatzungsmitgliedern der „Hindenburg“, er bedient die Offiziere und Kapitäne und er spült Geschirr. Da hört er die Explosion, wie er noch in den späten Jahren seines Lebens erzählte. Er spürt einen heftigen Ruck, sieht Feuer, will springen, doch er verliert den Boden unter den Füßen. Wasser aus einem Tank ergießt sich über ihn. Im nächsten Moment, in dem seine Füße wieder fest stehen können, springt er aus dem Luftschiff.

Der Junge rennt - und rettet sich. In eben diesen Minuten weint im US-Radio ein Moderator. Er berichtet live vom Unglück. So katastrophal das Ende des prestigeträchtigen Flugs war, so legendär wird dieser Hörfunk-Kommentar unter Tränen.

Das Inferno habe Werner Franz traumatisiert, sagt seine Witwe Annerose Franz (75). Ihr Mann habe nach dem Unglück für die Luftschiff-Reederei Besucher durch eine Zeppelin-Halle geführt. „Mein Mann hat mir erzählt, dass er jedes Mal, wenn starkes Licht in die Halle fiel, erschrak und Panik bekam.“ Still und ernst wurde er sein Leben lang, wenn die Sprache auf den Absturz kam. „Aber er hat ein sehr erfülltes Leben gehabt“, sagt seine Frau, „nach dem Krieg.“ Denn neben seinem Beruf als Fernmeldetechniker trainierte er junge Sportler beim Frankfurt Roll- und Eissportclub (FREC).

Zuvor aber kam der Krieg. Zwei Jahre nach dem Absturz wurde Werner Franz Soldat, er diente als Bordfunker und später als Ausbilder, erzählt seine Frau: „Er kam wieder zur Fliegerei.“

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