In Stuttgart beginnt die sogenannte Totalität nach Angaben der Sternwarte um 21.30 Uhr und endet um 23.14 Uhr. Foto: dpa

104 Minuten lang befindet sich der Mond am Freitag vollständig im Erdschatten – und erscheint dann rötlich. Wir verraten, woher die rote Farbe kommt und wann man den Blutmond am besten über Stuttgart sehen kann.

Stuttgart - Es ist schon ein faszinierender Anblick, wenn eine große, volle Mondscheibe bei einer totalen Finsternis in kupferrotes Licht getaucht ist: Blutmond heißt dieses Ereignis völlig zu Recht. Am Freitagabend kann man es bewundern – und zwar länger als jede andere Mondfinsternis in diesem Jahrhundert.

In Stuttgart beginnt die sogenannte Totalität nach Angaben der Sternwarte um 21.30 Uhr und endet um 23.14 Uhr, sie dauert also 104 Minuten. Erst am 9. Juni 2123 wird es eine um zwei Minuten längere Mondfinsternis geben. Und der nächste volle Verlauf einer Verdunkelung des Erdtrabanten lässt sich in Mitteleuropa erst wieder an Silvester 2028 beobachten.

Der Mars kommt der Erde so nah wie selten

Das kosmische Himmelsspektakel in der Nacht von Freitag auf Samstag wird noch durch ein weiteres astronomisches Ereignis ergänzt: Der rötliche Mars steht der Erde gegenüber und ist dabei unserem Planeten so nahe wie selten. Deshalb ist er auch besonders hell und vergleichsweise groß zu sehen. Zu dieser speziellen Kon­stellation komme es im Durchschnitt nur alle 15 Jahre, zuletzt 2003, betonen die Astronomen. Am 27. Juli habe der Mars mit etwa 58 Millionen Kilometern einen minimalen Abstand von der Erde.

In Stuttgart hat die Sternwarte ihre Tore geöffnet

„Unser Mond geht bereits verfinstert auf, der Anfang der Finsternis ist somit leider bei uns nicht zu beobachten“, beschreibt die Sternwarte die Situation in Stuttgart – und erläutert: „Die Größe der Mondfinsternis beträgt das 1,613-Fache des scheinbaren Monddurchmessers. Somit erscheint unser Mond während der Totalität sehr dunkel. Dies ist fast die maximal erreichbare Größe einer Mondfinsternis.“ Das gesamte Ereignis zieht sich bis Samstag früh: Um 0.19 Uhr verlässt der Mond den Kernschatten der Erde, und um 1.30 Uhr ist auch die Zeit vorbei, in welcher sich der Halbschatten der Erde über den Mond legt. Für interessierte Beobachter hat die Sternwarte ab 20.30 Uhr geöffnet.

Mit dem Fernglas ist der Anblick sehr beeindruckend

Bei einer Mondfinsternis steht die Erde auf einer geraden Linie zwischen Sonne und Mond. Der Vollmond taucht also in den Schatten ein, den die von der Sonne angestrahlte Erde ins Weltall wirft. Wenn deren sogenannter Kernschatten den Mond vollständig bedeckt, ist die Finsternis total – der Erdtrabant sollte dann eigentlich ganz dunkel sein. Ist er aber nicht: Weil durch die Erdatmosphäre ein Teil des Sonnenlichts in den Schattenkegel hineingelenkt wird, erhält der Mond immer noch etwas Licht und bleibt damit sichtbar.

Hier die besten Plätze in Stuttgart, um den Blutmond zu sehen:

Seine rötliche Farbe erhält der Blutmond dadurch, dass vor allem die langwelligen roten Anteile durch die Erdatmosphäre gebrochen werden. Allerdings ist der Mond dieses Mal besonders dunkel, weil er den Erdschatten weitestgehend zentral passiert. Farbe und Mondkrater sehen in dieser Zeit in einem Fernglas noch beeindruckender aus als mit bloßem Auge. Auch der tief im Süden stehende Mars erscheint jetzt besonders rot, weil er – zusätzlich zu seiner natürlichen Farbe – wie Mond und Sonne bei ihrem Aufgang durch die Erdatmosphäre rötlich verfärbt wird.

Die Schattengrenze wandert über den Mond

Wenn der Mond dann ab 23.14 Uhr allmählich den Kernschatten verlässt, kann man sehr schön verfolgen, wie die Schattengrenze über die Mondoberfläche wandert. Allerdings fällt das Sonnenlicht von oben auf den Erdtrabanten, so dass die Berge und Kraterränder keine so schönen langen Krater werfen wie bei einem Viertelmond. Bei diesem treffen die Strahlen, die den Erdtrabanten im Laufe seines üblichen Bahnzyklus im letzten Viertel erhellen, besonders flach auf und sorgen für besonders beeindruckende Schatten.

Die Aussichten , den Blutmond auch tatsächlich sehen zu können, sind übrigens gut. Für Freitag prophezeit der Deutsche Wetterdienst heiteres oder sonniges und meist trockenes Wetter mit Höchstwerten bis 38 Grad. Da freut man sich auch auf die Nacht zum Samstag: Dann soll es gering bewölkt oder klar und meist trocken sein – bei 21 bis 14 Grad. Die Nacht von Freitag auf Samstag bietet neben Blutmond und markantem roten Mars auch die Gelegenheit, Venus, Jupiter und Saturn zu entdecken.

Ein freier Blick in südöstlicher Richtung ist hilfreich

Der Mars geht etwa eine Stunde später als der Mond auf, er steht aber nicht so hoch wie dieser. Zur Mitte der Mondfinsternis um 22.22 Uhr stehen beide Himmelskörper noch recht tief am Horizont, klettern dann aber immer höher am Firmament. Wer den verfinsterten Blutmond möglichst lange sehen will, sollte deshalb einen Beobachtungsplatz wählen, der einen freien Blick in südöstliche Richtung erlaubt. In der zweiten Hälfte der Finsternis ist es dann auch richtig dunkel, so dass sowohl Mond als auch Mars schön rot strahlen.

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