Martin Kluck (mit Mütze) und sein Freund Sam Bond engagieren sich für Kinder in Nairobi. Foto: privat

Der Stuttgarter Martin Kluck und sein britischer Kumpel Sam Bond sind per Anhalter bis Kenia getrampt. Nun wollen sie mit fairer Mode Kindern vor Ort helfen.

S-Ost - Sie haben es tatsächlich geschafft: Martin Kluck aus Stuttgart-Ost, Gründer des fairen Modelabels Kipepeo, und sein Freund und Kollege Sam Bond aus Großbritannien sind auf dem Landweg nach Kenia gereist – und zwar überwiegend per Anhalter. Nach sechseinhalb Wochen auf Straßen und Schotterpisten sind die beiden am 19. September in Nairobi angekommen, wo sie mit fairer Mode Kindern vor Ort ein besseres Leben ermöglichen wollen. Denn Klucks und Bonds Reise nach Kenia war auch der Auftakt zu einem neuen Projekt: In Nairobi bekommt das Stuttgarter Modelabel Kipepeo, das seit zehn Jahren mit der Herstellung fairer Kleidung in Tansania für Arbeitsplätze sorgt und Schulen unterstützt, ein weiteres Standbein.

Kinder und Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen

Wie in Tansania wollen Kluck und Bond, der Kipepeo UK leitet, auch in Kenia Bio-Textilien herstellen und damit ein besonderes Inklusionsprojekt in Nairobi unterstützen: das Songa Mbele Na Masomo Children Center, ein Tagesheim für Kinder und Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen. Im Zentrum leben 49 Kinder mit körperlichen und geistigen Einschränkungen, die dort auch unterrichtet werden. Die Non-Profit-Organisation begleitet die Kinder und Jugendlichen im Alter von drei bis 17 Jahren auf ihrem Weg zu einem staatlichen Schulabschluss und hilft ihnen dabei, ein aktiver und unabhängiger Teil der Gesellschaft zu werden.

Wie es Tradition beim Modelabel Kipepeo ist, malen die Kinder vor Ort die Motive für die fair gehandelten T-Shirts selbst. Die neuesten Motive aus Kenia sind bei einem Ausflug in einen Safaripark Nairobis und bei einer Stadtrundfahrt durch die Hauptstadt entstanden. Mit dem Erlös aus dem Shirt-Verkauf soll für die Kinder im Tagesheim ein Pausenhof mit Spielplatz geschaffen werden.

Auch mit ihrer Reise nach Kenia wollten Martin Kluck und Sam Bond die Kinder unterstützen. Seit Beginn ihrer Tour wurden über eine Crowdfunding-Kampagne Spenden gesammelt. Und wer wollte, konnte den Trip der beiden auch online in Bildern und Videos verfolgen. Zu erzählen haben die Männer nach ihrer Anhalter-Tour auf jeden Fall genug. In Stuttgart ging es Anfang August los, schon nach 16 Tagen waren die beiden in Athen, vier Tage früher als gedacht. „Uns hat eigentlich immer recht schnell jemand mitgenommen“, sagt Martin Kluck. „Und die Leute waren immer sehr cool.“

Das blieb zum Glück der Tramper auch so. In Ägypten trafen sie auf drei Geschäftsmänner, die sie 300 Kilometer weit mitnahmen. „Später hat uns dann ein Polizist angesprochen und wollte wissen, was wir hier eigentlich machen“, erzählt der Stuttgarter. „Und ‚Chief Hassan‘ fand unser Projekt so cool, dass die Polizei uns bis nach Luxor gebracht hat – in elf verschiedenen Polizeiautos.“ Über den Nil fuhren Kluck und Bond mit der Fähre weiter in den Sudan. Dann ging es mangels Mitfahrgelegenheit mit einem Minibus Richtung Äthiopien. „In Addis Abeba gab es Aufstände, wo wir uns in einem Café verbarrikadieren mussten“, so Kluck. „Deshalb kamen wir erst einen Tag später weiter.“

Ein Kindertagesheim soll vom Erlös profitieren

Am 19. September sind Kluck und sein Kumpel schließlich wohlbehalten in Nairobi angekommen. Dort besuchten sie gleich das Kindertagesheim, das in Zukunft vom Erlös der Bio-Textilien profitieren soll. „Wir wurden ganz toll empfangen, haben mit den Kindern getanzt, gesungen und gespielt“, erzählt Kluck. Auch die Fläche für den neuen Pausenhof und die Produktmuster für die neuen T-Shirts sahen Kluck und Bond sich an. „Ein bisschen müssen wir bei der Produktion noch feilen und ein paar Dinge ändern“, meint der Modemacher. „Aber schon nächste Woche können wir mit der T-Shirt-Herstellung loslegen.“

Dass er dieses Ziel erreicht hat, hat Martin Kluck ebenfalls seiner Crowdfunding-Aktion zu verdanken. Denn auch die Produktion der Kleider in Kenia musste erst mal finanziert werden. Rund 17 500 Euro waren zunächst notwendig um das Projekt in Kenia zu starten, die Lehrerin an der Schule zu bezahlen und den Pausenhof zu bauen. Dieses Geld hat die Spendenkampagne schon eingespielt. „Alles, was jetzt noch gespendet wird, fließt zu 100 Prozent an das Songa Mbele Na Masomo Children Center“, so Kluck. Das Geld soll für den Bau eines weiteren Klassenraums verwendet werden. Nach ihrer Tour quer durch Europa und Afrika wollen Martin Kluck und Sam Bond jetzt erst mal in Kapstadt Urlaub machen. Ihr Rückflug nach Deutschland ist für die erste Oktoberwoche geplant.

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