Andreas Thoß im Jahr 2012 bei „meiner Feuerwehr“ Foto: factum/Archiv

Die Kameraden hatten kein Vertrauen mehr in ihren Kommandanten – und riefen mit einem SOS-Schreiben den OB um Hilfe.

Ludwigsburg - Wenn Andreas Thoß von der Ludwigsburger Feuerwehr spricht, dann redet er noch immer von „meiner“ Mannschaft. Von dieser, seiner Feuerwehr sei er immer fasziniert gewesen. Wegen der Menschen, die dort arbeiten und wegen der vielfältigen Aufgaben. „Das ist eine super Feuerwehr“, sagt Andreas Thoß, der 2007 zu dieser Wehr kam – zu der er jedoch nie wieder gehören wird.

Nicht so schlimme, aber viele Verstöße

Bis zum vergangenen Dezember ist der 48-Jährige der Leiter der Ludwigsburger Feuerwehr gewesen, die aus hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern besteht. Dann musste der Kommandant sein Amt niederlegen. Die Ludwigsburger Stadtverwaltung erklärte, sie müsse Vorwürfe prüfen, wonach Thoß gegen dienst- und arbeitsrechtliche Vorschriften verstoßen haben soll. Thoß gab sich damals zuversichtlich, dass er wieder zu seiner Wehr zurückkehren würde. „Ich möchte voll rehabilitiert werden“, sagte er.

Details zu den eventuellen Verstößen nannte die Verwaltung keine. Auch heute äußert sie sich dazu nicht. Dem Vernehmen nach geht es darum, dass Thoß seinen Dienstwagen mehr genutzt hat, als es ihm gestattet war. Auch der Umfang seiner Nebentätigkeiten erscheint prüfwürdig. Thoß hatte zwar Genehmigungen für Nebentätigkeiten. So war er für Kommunen als Gutachter für Feuerwehrbedarfspläne aktiv, auch als Pferdetrainer arbeitete er bisweilen. Doch offenbar waren die Genehmigungen ausgelaufen. Um massive Verstöße handelt es sich aus der Sicht von Insidern zwar nicht, entscheidend könnte aber die Fülle der Grenzüberschreitungen sein. Die Prüfung im Rathaus ist noch nicht abgeschlossen.

Die Stadt sucht einen neuen Kommandanten

Und trotzdem ist inzwischen klar, dass Andreas Thoß die Ludwigsburger Feuerwehr nie wieder kommandieren wird. In seiner jüngsten Sitzung hat sich der Verwaltungsausschuss dafür ausgesprochen, die Leitungsstelle auszuschreiben, der Gemeinderat dürfte dieser Empfehlung demnächst folgen. Der Hintergrund dieser Entscheidung ist zugleich der wahre Hintergrund für die Abberufung Thoß’ an der Feuerwehrspitze.

Wie diese Zeitung erfahren hat, war der Auslöser dafür ein Schreiben der hauptamtlichen Feuerwehrmänner an den Oberbürgermeister Werner Spec, das der Redaktion vorliegt. „Eine weitere Zusammenarbeit mit Herrn Thoß ist für uns unmöglich“, heißt es in dem Brief, der Ende November verfasst und von allen 29 hauptamtlichen Feuerwehrleuten unterzeichnet wurde. Darin beklagen sie „unüberwindbare Defizite in der Menschenführung“ und ein „komplettes Führungsversagen von Seiten des Kommandanten Herrn Thoß“.

Feuerwehrleute fühlen sich „am Ende“

Schwammige Aussagen und Unwahrheiten seien an der Tagesordnung, außerdem würde er böswillig Keile zwischen Kollegen treiben. Der Krankenstand sei exorbitant gestiegen und viele Kollegen erwägten Bewerbungen auf Stellen bei anderen Wehren. „Sie werden unter diesem Kommandanten die Funktionsfähigkeit der Feuerwehr verlieren“, schrieben die Verfasser, die den Oberbürgermeister zugleich baten, ihren Brief nicht als Meuterei zu betrachten, sondern als letztes SOS eines untergehenden Schiffes. „Wir sind am Ende!“

Andreas Thoß, der gegen den Verlust seines Amtes klagen will, kennt diesen Brief ebenfalls – interpretiert ihn aber anders. Die Vorwürfe, die darin erhoben würden, hätten andere zu verantworten, sagt er. Thoß bezieht sich auf die von den ehemaligen Kameraden ebenfalls geführte Klage über eine unzureichende Personalausstattung und daraus resultierend viel zu lange Arbeitszeiten. „Wenn man nicht die Möglichkeit hat, Probleme zu lösen, geht das Vertrauen der Mannschaft verloren“, sagt Thoß, der sich von der Stadtverwaltung mehr Personal gewünscht hätte.

Die Lage hat sich beruhigt

Die Verwaltung äußert sich dazu nicht. Allerdings dürfte sie sich über Thoß’ Sichtweise nicht wundern. Insider wissen von Situationen, in denen Andreas Thoß bewusst gelogen oder eigene Aussagen ins Gegenteil verkehrt habe, wenn sie sich als nicht haltbar erwiesen hätten.

Seit Thoß’ Abkommandierung wird die Ludwigsburger Feuerwehr kommissarisch von den stellvertretenden Kommandanten Hans-Peter Peifer und Alexander Huppert geleitet. Die Situation habe sich sehr beruhigt, urteilen Kenner der Wehr. Und der Kreisbrandmeister Andy Dorroch sagt: „Die Zusammenarbeit ist sehr gut jetzt.“

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