Die Amstetter Straße wird ein halbes Jahr lang zur Baustelle. Reiner Groß sieht sich abgehängt, die Kundschaft irrt herum. Nun steht auch eine Hedelfinger Tradition auf der Kippe.
Nach der Kritik dreier Geschäftsfrauen hinsichtlich der Baustelle am Herdweg im Stuttgarter Norden, wächst auch im Ortskern von Hedelfingen der Unmut. Seit 7. April ist die zentrale Zufahrt in den Stadtbezirk für den Verkehr gesperrt, und soll dies auch bis Herbst bleiben. Sehr zum Leidwesen von Reiner Groß vom Sportgeschäft Gross in der Amstetter Straße. „Hätte man uns rechtzeitig informiert, hätten wir uns darauf einstellen können“, mahnt der Geschäftsmann an. Auch eine Hedelfinger Tradition steht in Frage.
Keine Informationen von der Stadt
Selbst für Ortskundige ist die Zufahrt nur schwer nachzuvollziehen. Die Amstetter Straße ist zwischen dem Hedelfinger Platz und dem Bezirksrathaus gesperrt. Autofahrer kommen nur noch über die Untere Heckenstraße und den Steinprügel am Fuße der Filderauffahrt – nach dem Abzweig nach Rohracker – in den Ortskern. Die Ausfahrt erfolgt über die Heumadener Straße. Man muss sprichwörtlich fast einmal ums gesamte Dorf. „Kunden von auswärts finden uns gar nicht mehr“, berichtet Groß von einem Mann, der mehr als eine Stunde umherirrte. „Das ist maximal geschäftsschädigend.“
Bis zum Herbst werden in der Amstetter Straße im Ortskern in mehreren Abschnitten neue Gas- und Wasserleitungen verlegt. Zudem wird der Platz vor der Volksbank umgestaltet und ein Brunnen aufgestellt. Groß bemängelt vor allem die fehlende Kommunikation. Im vergangenen Jahr habe der Gewerbe- und Handelsverein Hedelfingen-Rohracker (GHV) zwar Gespräche über die Umleitung geführt, „aber ein Zeitplan wurde nicht erwähnt. Wir wurden überrascht“. Den Termin habe man erst im März erfahren.
„Hätten wir bereits Ende vergangenen Jahres über die Pläne Bescheid bekommen, hätte man darauf reagieren können“, ärgert sich Groß. Unter anderem hätte man den Kunden, die teilweise auch weite Anfahrtswege zum über die Ortsgrenzen bekannten Sportfachgeschäft in Kauf nehmen, während der Wintersaison bereits eine Skizze des Anfahrtswegs während der Bauzeit geben können. Zudem hätte er auch die eigenen Pläne anpassen können. „Eigentlich wollten wir dieses Jahr den Laden zum Teil umbauen, einen Räumungsverkauf veranstalten“, sagt Groß, „das kann ich jetzt wohl vergessen“.
Verkaufsoffener Knausbira-Sonntag steht auf der Kippe
Aber nicht nur die Kommunikation, sondern auch die fehlende Kooperation der Stadt ist dem Geschäftsmann ein Dorn im Auge. Von Seiten der Stuttgarter Wirtschaftsförderung und des Stadtteilmanagements werde immer wieder betont, die Ortskerne der Außenbezirke zu stärken. „Dann kann man aber nicht derart verfahren“, moniert Groß.
Denn nicht nur die örtlichen Geschäfte leiden unter der Baustelle, denn auch eine ganz besondere Hedelfinger Tradition steht nunmehr auf der Kippe. Laut Baustellenschildern sollen die Arbeiten bis voraussichtlich 30. Oktober dauern. Und damit auch während des verkaufsoffenen Sonntags. Der sogenannte Knausbira-Sonntag in Hedelfingen findet immer am zweiten Sonntag im Oktober statt, in diesem Jahr ist der 11. Oktober vorgesehen. Von 12 bis 17 Uhr haben nicht nur die Geschäfte geöffnet, sondern die Veranstaltung wird von einem Flohmarkt in der Amstetter und Heumadener Straße sowie einem Rahmenprogramm der örtlichen Institutionen begleitet. „Wir wissen nicht, ob dieser stattfinden kann“, sagt GHV-Mitglied Groß. Man benötige schnell eine Antwort seitens der Stadt.