Der Protest in Caracas wirkt fröhlich, das Anliegen ist ernst: weg mit Maduro. Foto: AP

20 Millionen US-Dollar stehen bereit, um die Not in Venezuela zu lindern. Noch kommt keine Hilfe an, aber der Interimspräsident Guaido bereitet die Verteilung vor.

Caracas - Die Brücke „Simon Bolivar“ zwischen Kolumbien und Venezuela ist mittlerweile weltbekannt. Sie verbindet die Grenzstadt Cucuta auf kolumbianischer Seite mit dem Städtchen San Antonio auf der venezolanischen Seite. Hier ist der Pulsschlag der Beziehungen zwischen den beiden Nachbarländern, aber eben auch zwischen der konservativ-bürgerlichen und der sozialistisch-progres­siven Welt, für die die beiden Länder ­stehen, täglich zu spüren. Immer wieder mal ist die Grenze geschlossen. Doch ansonsten kommen hier Tausende von Venezolanern an, um entweder in Cucuta zu arbeiten oder mit dem letzten Hab und Gut bepackt von hier aus in den Rest Lateinamerikas auszuwandern.

Genau hier in Cucuta soll sich demnächst das Schicksal des umstrittenen venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro entscheiden. Ein paar Tausend Kilometer nördlich sind die Pakete schon gepackt. Gabelstapler bringen die Kartons mit der roten Aufschrift „USAID“ in die Transportcontainer. „Ready-to-Use Supplementary Foods“, gebrauchsfertige Nahrungsmittel, steht darauf zu lesen. Sie sollen helfen, die aktuelle Versorgungskrise in Venezuela zu lösen.

Humanitäre Hilfe hat Priorität

Rund 20 Millionen US-Dollar Soforthilfe hat die US-Regierung dafür freigegeben. Verhandelt hat die US-Regierung das mit Repräsentanten der venezolanischen Gegenregierung von Interimspräsident Juan Guaidó. Einer von ihnen ist David Smolansky (34), ehemaliger Stadtteilbürgermeister von Caracas. Er musste vor den Sozialisten ins Exil fliehen und empfindet nach unzähligen Morden an demonstrierenden Studenten nur noch blanken Hass für das Maduro-Regime.

Venezuelas Interimspräsident Juan ­Guaidó stellte vor ein paar Tagen seinen Friedensplan vor, mit dem er das wirtschaftlich abgestürzte Land retten will. „Priorität hat die humanitäre Hilfe“, ließ er wissen. In einer Arbeitssitzung mit der ­venezolanischen Bischofskonferenz wurde die Marschroute festgesetzt. Die Geistlichen haben die zweite Amtszeit von Machthaber Maduro jüngst wegen der umstrittenen Präsidentschaftswahlen ohne Teilnahme der aussichtsreichsten Kandidaten der Opposition als „inakzeptabel und moralisch illegitim“ bezeichnet.

Militärs in der Zwickmühle

Nichtregierungsorganisationen wie Caritas Venezuela und das Rote Kreuz sollen die Hilfslieferungen bis in jede Ecke des Landes bringen und offenbar auch in Zusammenarbeit mit den kirchlichen Organisationen vor Ort die Lager verwalten.

Zugleich setzte Guaidó das Militär unter Druck. Das müsse garantieren, dass die Lebensmittel und Medikamente auch die Grenze und die Kontrollpunkte passieren können, an denen die venezolanische Bevölkerung von den verschiedensten Einheiten des aufgeblähten venezolanischen Sicherheitsapparates kontrolliert wird. Für die Armee ist das eine knifflige Sache: Denn bislang leugnet das Maduro-Regime, dass es diese Versorgungskrise überhaupt gibt. Vizepräsidentin Delcy Rodríguez zweifelte jüngst sogar den Massenexodus an. Die Militärs müssten sich also gegen die noch im Amt befindliche Regierung stellen.

Hilfe für der Ärmsten – der Markenkern der Sozialisten

Die humanitäre Hilfe für Kinder, Senioren und schwangere Frauen durch die Opposition und ihre internationalen Unterstützer trifft die Sozialisten zudem in ihrem Markenkern: der Hilfe für die Ärmsten der Armen. Bisher blockte das Maduro-Regime alle diese Hilfslieferungen ab und stellte die Bedingung, dass Lebensmittel nur über die vom venezolanischen Staat und damit durch die Sozialistische Partei kontrollierten Institutionen verteilt werden dürfen.

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