Roma-Familien suchen immer wieder Hilfe beim MedMobil. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Ein landesweites Modellprojekt soll die Lebenssituation von wohnungslosen Sinti und Roma verbessern. Stuttgart ist eine von vier Städten, die sich daran beteiligen sollen.

Stuttgart - Wohnungslose Roma-Familien aus dem EU-Ausland sollen ihre Lebenssituation verbessern können. Der Landesverband Deutscher Sinti und Roma in Baden-Württemberg erarbeitet in einem landesweiten Modellprojekt an vier Standorten die Strategien dazu. Neben Ulm, Freiburg und Mannheim soll nach dem Vorschlag der Sozialverwaltung auch die Landeshauptstadt daran teilnehmen. Refit (Regionale Förderung von Inklusion und Teilhabe), so der Name, wird durch das Sozialministerium Baden-Württemberg finanziert. Ziel ist es, in den Lebensbereichen Arbeit, Wohnen, Bildung und Gesundheit die vorhandenen kommunalen Strukturen für zugewanderte Sinti und Roma nutzbar zu machen. Jede Kommune kann die Schwerpunkte selbst setzen, die Stuttgarter Sozialverwaltung möchte sich vor allem um einen besseren Zugang zu Bildung und Gesundheitsangeboten bemühen.

Mit Kindern unter Obdachlosen

Anlass sind die Besuche wohnungsloser Roma-Familien in den Tagesstätten der Wohnungsnotfallhilfe und beim MedMobil. „Die Tagesstätten sind keine kindgerechten Orte, sodass Familien mit Kindern dort gar nicht oder nur zu bestimmten Zeiten und nur für sehr kurze Zeit eingelassen werden“, heißt es in der Vorlage für den Gemeinderat.

„Die Familien leben sehr zurückgezogen und sind schwer zu erreichen“, sagt Gabriele Reichhardt vom Sozialamt. Deshalb sollen die freien Träger „sensibilisiert“ und Mitarbeiter geschult werden, um Zugang zu dem Personenkreis zu bekommen, dessen Größe bisher nur geschätzt worden ist. „Wir sammeln Informationen über ihre Lebensverhältnisse und klären sie über unsere Systeme und Möglichkeiten der Teilhabe auf“, so Reichhardt. Dafür soll eine auf elf Monate befristete 100-Prozent-Stelle beim Sozialamt geschaffen werden, die das Land Baden-Württemberg bezahlt. Eine Heidelberger Hochschule soll das Modellprojekt wissenschaftlich begleiten, die Stadt erstellt eine Dokumentation.

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