Dem Fußballer in Oeffingen konnte dank einer kaum bekannten Smartphone-App das Leben gerettet werden. Foto: imago images/Avanti

Bei einem Herzinfarkt ist jede Sekunde kostbar. Eine bisher wenig bekannte App ermöglicht das schnelle Eingreifen geschulter Ersthelfer. Das rettete im Rems-Murr-Kreis ein Leben.

Der Fußball wurde vor wenigen Tagen zur Nebensache, als in einer Kreisliga-B-Partie in Oeffingen ein Spieler aus Rudersberg auf dem Rasen zusammenbrach und mehrfach reanimiert werden musste. Der 30-Jährige erlitt aus heiterem Himmel einen Hinterwand-Herzinfarkt, der in der Regel tödlich endet.

 

Was bisher wenig bekannt ist: Um dem Mann das Leben zu retten, entwickelte sich neben den Ersthelfern auf dem Sportplatz auch eine bisher kaum bekannte Smartphone-App zu einem entscheidenden Faktor. v„Er brach plötzlich zusammen, wie aus dem Nichts“, berichtet ein Ersthelfer über die dramatische Situation bei bestem Sonntagswetter. Im Sprint rannte der Helfer über den Platz, inzwischen waren auch schon Schiedsrichter und Spielertrainer bei dem umgekippten Amateur-Fußballer. Abwechselnd kümmerten sie sich die Ersthelfer um die Herzdruckmassage. „Immer wieder kein Puls, immer wieder war er weg, dann hörte man wieder ein leichtes Röcheln“, berichten sie von der Szene auf dem Oeffinger Tennwengert.

Bessere Überlebenschancen für die Unfallopfer

Unterstützt wurde die schnelle Eingreiftruppe auf dem Fußballplatz von geschulten Ersthelfern, die über eine bisher kaum bekannte Smartphone-App auf den Zwischenfall aufmerksam wurden. Bei der Alarmierungstechnik handelt es sich um die App „Region der Lebensretter“. Sie soll die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes mit ersten Maßnahmen überbrücken und durch schnelle Hilfe die Überlebenschancen von Unfallopfern deutlich erhöhen.

Michael Müller, Vorsitzender des Vereins „Region der Lebensretter“ Foto: Lichtgut/Julian Rettig

„Allein in Deutschland bleibt jedes Jahr bei etwa 120 000 Menschen schlagartig das Herz stehen. Nur etwa zehn Prozent der Betroffenen überstehen die Situation außerhalb des Krankenhauses“, heißt es beim hinter der Entwicklung stehenden Verein. Mehr als 25 Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg nehmen teil – auch im Rems-Murr-Kreis können Lebensretter alarmiert werden.

Wie wird man Lebensretter?

„Würde in mehr Fällen – sofort – mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen, könnte die Überlebensrate mehr als verdoppelt werden“, wirbt die Landeshauptstadt Stuttgart für einen besseren Bekanntheitsgrad der App. „Denn meist dauert es mehrere Minuten, bis der Rettungsdienst am Notfallort eintrifft“, heißt es weiter. Der Verein „Region der Lebensretter“ nennt hier acht bis 15 Minuten. Ein Lebensretter hat es hingegen in diesem Jahr im Schnitt schon nach drei Minuten und 18 Sekunden an Ort und Stelle geschafft.

Fast 35 500 Lebensretter gibt es aktuell, in diesem Jahr gab es mehr als 11 500 Einsätze. Doch wie wird man Lebensretter über die App? Freiwillige müssen mindestens 18 Jahre alt sein und eine entsprechende Sanitätsausbildung absolviert haben, mindestens als Sanitätshelfer. Sie können aber auch im Gesundheitswesen tätig sein, beispielsweise als Pflegekraft, Arzt oder Medizinstudent. Die Nachweise werden geprüft, dann wird man für Einsätze freigeschaltet.

Bei der Leitstelle geht ein Notruf ein

Zu diesen kommt es, wenn bei der integrierten Leitstelle ein Notruf wegen Herzstillstands eingeht. Dann rückt der Notarzt aus. Zeitgleich wird per App ein Hilferuf an geschulte Ersthelfende gesendet. „Bei dem Alarmstichwort ‚Reanimation’ ermittelt die App per GPS, wer sich im Stadtgebiet am nächsten zum Notfallort befindet“, heißt es. Elementar wichtig kann ein Einsatz eines Defibrillators werden. In der App gibt es eine Karte, die aufzeigt, wo ein solcher in der Nähe aufzufinden ist.

In Oeffingen war das glücklicherweise kein Problem, denn es gibt einen Defibrillator am Sportplatz. Diesen nutzten die Ersthelfer auch noch vor der Ankunft der Lebensretter. Eine alarmierte Dame lobte und dankte allen Beteiligten. Der junge Mann war „in guten Händen“ und konnte als Resultat verhältnismäßig stabil in ein Krankenhaus gefahren werden. Schon wenige Tage nach dem dramatischen Vorfall hieß es, dass er „über den Berg“ ist.